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Neuer Verein hilft in Afrika

Remscheid : Neuer Verein hilft in Afrika

„MET4A“ ist ein Zusammenschluss aus engagierten Medizinern und Hebammen, die sich ehrenamtlich für eine Aus- und Fortbildung von afrikanischen Kollegen einsetzen.

Es ist eine Zahl, die berührt: Pro Woche stirbt in Sansibar mindestens eine Mutter nach der Geburt. Ursachen sind Nachblutungen, Gerinnungsstörungen oder Eklampsie. Komplikationen, die eigentlich behandelt werden können. Doch den afrikanischen Medizinern fehlt oft das nötige Wissen. Genau dort will der erst vor einem Monat gegründete Verein „Medical Education and Training for Africa“, kurz „MET4A“, mit Sitz in Remscheid ansetzen.

Zu den Initiatoren der Nichtregierungsorganisation zählt der Frauenarzt und ehemalige Chefarzt der Frauenklinik in Remscheid, Professor Helmut Kaulhausen. Seit 2004 reist der 73-Jährige für das Kinderhilfswerk „Hammer Forum“ mit weiteren Kollegen regelmäßig nach Afrika, um dort das medizinische Personal zu unterstützen. Vor allem in der Hauptstadt von Eritrea, in Asmara, hat er viele Schicksale miterlebt. Im OP hat er etwa Gebärmutterhalskrebs oder riesige Myome operativ entfernt. Doch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Wir wollen, dass sich die Leute selbst helfen können“, beschreibt er das Ziel.

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Das Team aus Kinderärzten, Gynäkologen, Operationsschwestern, Anästhesisten, Lehrhebammen, Neonatologen und einem Medizintechniker wollen die Ärzte und Hebammen vor Ort in Schulungen aus- und fortbilden, um aktiv etwas gegen die hohe Mütter- und Säuglingssterblichkeit zu tun. Langfristig soll sich dadurch die Qualität der medizinischen Versorgung verbessern.

Dass das dauert, weiß Kaulhausen aus Erfahrung. „Vieles in Afrika geht nur sehr langsam“, erzählt er. Immerhin: Mit Unterstützung des „Hammer Forums“ konnten fünf Ärzte zu Fachärzten ausgebildet werden. Die rund 30 aus ganz Deutschland stammenden, ehrenamtlichen Vereinsmitglieder von „MET4A“ wollen noch mehr. Aus dem „Hammer Forum“ heraus haben sie den neuen Verein gegründet, um auch zu erreichen, dass die Hebammen besser ausgebildet werden. Denn sie haben eine zentrale Rolle, sind oft alleine verantwortlich für Geburten. Nur wenn die Hebamme einen Kaiserschnitt für notwendig halte, werde ein Arzt hinzugeholt, berichtet Kaulhausen. Häufig entscheide sie sich jedoch zu spät, der unwegsame Transportweg führe zu Verzögerungen.

In Sansibar und Eritrea soll das medizinische Personal nun zweimal im Jahr auf Englisch vor allem praktisch vom Team unterrichtet werden. Zunächst in den Bereichen Geburtsmedizin, Neonatologie, Gynäkologie, Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie. Eine Ausweitung auf Innere Medizin, Chirurgie oder Augenheilkunde sei aber ebenfalls beabsichtigt, merkt der pensionierte Gynäkologe an. Dafür sind auch internationale Kollegen willkommen. Einen Interessenten aus Washington gebe es bereits, Ärzte aus Österreich sind mit an Bord.

Jede Hilfe sei wichtig, betont Henriette von Seckendorff (66), die die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins leitet. Sie war bisher zweimal als Gast in Eritrea dabei. „Ich bin zwar keine Ärztin, aber konnte trotzdem mithelfen“, erzählt sie. Sie habe unter anderem die Taschenlampe im OP gehalten, als der Strom ausgefallen war, oder sich in der Nachsorge eingebracht. „Man kann überall helfen, auch hier in Deutschland. Aber die Erfahrungen mit den Menschen in Eritrea ist eine andere“, erklärt von Seckendorff. Bevor es losgehen kann, muss der Verein Fördergelder beantragen. Denn vor allem die Flüge nach Afrika sind sehr teuer. „Vor Mitte 2019 werden wir wohl nicht starten können“, sagt Kaulhausen. Kontakt: h.seckendorff@gmx.net oder helmut@kaulhausen.net