Remscheid/Solingen: Napoleon ist niemals über diese Brücke gegangen

Remscheid/Solingen : Napoleon ist niemals über diese Brücke gegangen

Einen Katzensprung von Deutschlands höchster Eisenbahnbrücke entfernt liegt die älteste Brücke Solingens: Die Napoleonsbrücke in Müngsten verbindet Remscheid seit 1848 mit der Klingenstadt.

Gemütlich plätschert die Wupper durch das Tal und umspült den mittleren Brückenpfeiler. Wenige Meter darüber eilt ein einsamer Jogger über das Kopfsteinpflaster: Zwischen der Landesstraße 74 und dem Müngstener Brückenpark, umrankt von Bäumen, wirkt die Napoleonsbrücke ein wenig unscheinbar.

Dabei blickt das 6,30 Meter breite Bauwerk mit seinen beiden Bögen auf eine lange Geschichte zurück: 1846 — in Deutschland herrschten noch Fürsten und Kleinstaaterei — begannen die Arbeiten an der Brücke, die Solingen und Remscheid verbinden sollte.

Seit Jahrzehnten hatten Kaufleute das Projekt vorangetrieben, und von Remscheid aus entstand die Straße zur Wupper bereits in den 1820er Jahren. Doch vor allem auf Solinger Seite gab es Probleme: Die Stadt wollte sich an den Kosten für die Straße nach Müngsten zunächst nicht beteiligen, auch musste man erst einige private Eigentümer überreden, Teile ihrer Grundstücke abzugeben.

1847 wurde die heute dienstälteste städtische Brücke Solingens fertig. Ein Jahr später mit der Vollendung der Straße rollten die ersten Postkutschen über das Bauwerk, dessen Niveau in Richtung der Klingenstadt ansteigt. Zuvor hatte es nur eine Holzbrücke gegeben, die aber durch ein Hochwasser zerstört worden war. Im Zeitalter der zunehmenden Motorisierung erreichte die Konstruktion die Grenze ihrer Belastbarkeit.

Immerhin bis in die 1960er Jahre gelangten Autofahrer über die Napoleonsbrücke von Remscheid nach Solingen und umgekehrt, ehe eine neue Betonbrücke in unmittelbarer Nachbarschaft für Entlastung sorgte. Seitdem ist der Weg über das altehrwürdige Bauwerk Wanderern, Joggern und Radfahrern durch das Tal der Wupper vorbehalten. Im Sommer 1998 nahm die Stadt Remscheid das frühe steinerne Bindeglied zwischen den Bergischen Großstädten in ihre Denkmalliste auf. Auch in Solingen steht die Brücke unter Denkmalschutz.

Als im Zuge der Regionale 2006 der Brückenpark in seiner heutigen Form entstand, wurde auch die Brücke mit dem klangvollen Namen saniert. Woher die Bezeichnung "Napoleonsbrücke" eigentlich kommt, liegt derweil im Dunkeln. "Das ist ein ungeklärtes Phänomen", sagt auch Ralf Rogge, Leiter des Solinger Stadtarchivs. Sicher scheint zu sein, dass die Wupperbrücke diesen Namen nicht schon bei ihrer Eröffnung, sondern erst Jahrzehnte später durch den Volksmund erhielt.

Rogge stellt zudem klar: "Zumindest Napoleon I. Bonaparte ist da nicht hinübergegangen." Denn dafür ist selbst die langlebige Brücke über die Wupper noch nicht alt genug. Die Napoleonsbrücke verbindet kurz vor dem Brückenpark Remscheid und Solingen. Von ihr blickt man auf den Diederichstempel. Warum sie den Namen des französischen Feldherrn trägt, liegt im Dunkeln.

(rie)
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