Nach Brand in Zoo-Markt: Die Auffangstation der Koonen-Tiere

Nach Brand in Lenneper Zoo-Markt : Die Auffangstation der Koonen-Tiere

Cora Pastors kümmert sich nach dem Brand im Zoo-Markt Koonen um die überlebenden Kaninchen, Meerschweinchen und Mäuse.

Als Cora Pastors am Samstagabend gegen halb neun aus ihrer Haustür trat, schlug ihr bereits der beißende Geruch von Qualm entgegen. Innerhalb von fünf Minuten war die 21-Jährige beim benachbarten Zoo-Markt Koonen, kämpfte sich durch eine Menschentraube von Einsatzkräften und Gaffern. Tatenlos musste die Mitarbeiterin des Fachgeschäftes zusehen, wie das Gebäude abbrannte. „Mein erstes Gedanke war: Ach du Schande, die Tiere!“, sagt die Lenneperin.

„Am liebsten wäre ich selbst reingelaufen. Die Bilder werden mir nicht mehr aus dem Kopf gehen.“ Als ein Feuerwehrmann nach „einer gefühlten Ewigkeit“ mit einem großen Käfig aus dem brennenden Gebäude kam, nahmen Pastors und eine weitere Mitarbeiterin des Marktes die Tiere in Empfang. „Dann mussten wir aber noch 45 Minuten auf den Veterinär warten – im Regen“, sagt sie. Die Frauen legten Decken über die Käfige und assistierten später dem Amtstierarzt. Gerettet werden konnten zehn Kaninchen, neun Meerschweinchen und drei Farbmäuse. Zehntausende Fische überlebten.

Für Cora Pastors war sofort klar: Ich nehme die Tiere auf, versorge sie in meiner Wohnung. Dort hat sie viel Platz. Denn die 21-Jährige ist zudem ein sogenannter Päppler: Sie kümmert sich um aufgelesene oder verletzte Wildvögel und wildert sie wieder aus. Der Hausmeister des Tierheims habe sofort am Abend mit Käfigen, Einstreu, Näpfen und Futter ausgeholfen, sagt Pastors. „Die Tiere waren eingeräuchert. Ein weißes Meerschweinchen war komplett grau. Meine Freundin und ich haben die Tiere immer wieder abgewaschen, sie gestreichelt, Nasen gesäubert und Augentropfen gegeben.“ In der Nacht habe sie kein Auge zugemacht. „Bei jedem Quietschen eines Meerschweinchens bin ich hochgeschreckt.“ Ein Meerschweinchen sei in der Nacht noch in ihren Armen gestorben. „Das war so furchtbar.“

Bei Facebook startete die Lenneperin einen Spendenaufruf. Denn mit dem Brand verlor Cora Pastors auch ihren Job – so wie acht andere. Sie hatte gerade erst vier Tage dort gearbeitet, kennt den Laden schon seit Kindheitstagen, weil sie dort stets mit ihrem Mischlingshund Rico einkaufen ging. Eine Welle der Hilfsbereitschaft entstand. Vor Pastors Haustür lagern nun Möhren, Salat, Äpfel, in der Wohnung stapeln sich Kartons. „Jemand hat sogar einen riesigen Käfig für 130 Euro gespendet. Und der Futterlieferant bunny, der den Zoo-Markt beliefert hat, hat mir ein riesiges Paket geschickt. Vielen Dank an alle, die mir und den Tieren helfen.“ Die Spenden reichten nun erst einmal aus.

Wie geht es den Tieren einige Tage nach dem Großbrand? „Die Meerschweinchen haben es besser weggesteckt als die Kaninchen. Sie sind aber auch sensibler.“ Einzelne Kaninchen haben noch tränende Augen, manche atmen aufgrund der Rauchgasvergiftung schwer, bei einigen Tieren ist das Fell verschmort. Aber: Alle hoppeln, fressen, trinken. Ein Tierarzt wird sich die Kaninchen noch einmal anschauen. Den Rest erledigt die 21-Jährige selbst. Und ist damit den ganzen Tag gut beschäftigt.

Da sie früher bei einem Tierarzt gearbeitet hat, kennt sie die Therapien, hat alles von Verband bis Schmerzmittel zu Hause. „Die Tiere müssen nun erst einmal auf die Beine kommen. Sie sind traumatisiert. Erst danach vermittle ich sie weiter.“

Die Mäuse möchte sie selbst behalten und mit ihren eigenen Mäusen vergesellschaften. „Für mich sind sie die wahren Glückstierchen, denn es grenzt an ein Wunder, dass sie mit ihren kleinen Lungen überhaupt überlebt haben bei der enormen Rauchentwicklung“, sagt die überzeugte Tierschützerin, die auch Vegetarierin ist.

Ihrer Aussage nach sind etwa 100 Tiere am Samstag gestorben. Vier weitere können ebenfalls als Glückstierchen bezeichnet werden: Vier Wellensittiche nahm Pastors wenige Stunden vor dem Großbrand mit nach Hause.