Remscheid: Musikalischer Mix zwischen Klamauk und Ernst

Remscheid: Musikalischer Mix zwischen Klamauk und Ernst

Dietmar Loefflers musikalische Komödie "Die große Freiheit" schwankt zwischen den Genres, weiß aber zu überzeugen.

REMSCHEID Man kennt das Sujet, etwa aus dem für vier Oscars nominierten Musikfilm "Die fabelhaften Baker Boys" (1989) mit Kim Basinger und den Bridges-Brüdern Jeff und Beau: Gealterte Piano-Entertainer tingeln mehr oder minder erfolglos durch die Lande, erinnern sich an ihre früheren Erfolge und werden irgendwann vor die Wahl gestellt, sich entweder neu zu erfinden - oder eben abzudanken.

Bei der musikalischen Komödie "Die große Freiheit - Eine musikalische Sehnsucht" von Schauspieler und Dramaturg Dietmar Loeffler, die am Mittwochabend vor etwa 200 Zuschauern im Teo Otto Theater gegeben wurde, spielt das Ganze nun auf hoher See. Die "Ocean-Brothers" Rolf (hervorragend auch am Piano: Felix-Oliver Schepp) und Jonny (sehr wandlungsfähig: Tommaso Cacciapuoti) gehören zur Ausstattung des Kreuzfahrtschiffs MS Ozean, spielen jeden Abend in der Ocean-Bar mehr oder minder betagte Schlager - und waren zum letzten Mal vor fünf Jahren auf dem Festland.

Doch die Zeiten ändern sich. Die Direktion möchte mehr Pep, mehr Orient. Denn die zahlungskräftige Kundschaft von eben dort verlangt genau danach. Und auch Chef-Animateurin Katie Birmbichler aus Tirol (großartige Alt-Stimme: Sandra-Maria Schoener) möchte die altgedienten "Ocean-Brothers" lieber gestern als morgen loswerden.

Die Gelegenheit bietet sich beim Zwischenstopp auf Sizilien: "Sie sind entlassen, morgen früh verlassen Sie das Schiff", sagt Chef-Steward Urs Bärli (ebenfalls von Schepp gespielt, denn die sieben Rollen werden nur von den drei Schauspielern übernommen) rigoros. Und wie weiland bei den "Baker Boys" in Form der hinreißend-sinnlichen Susie Diamond (Basinger) kommt auch hier ein weiblicher "Rettungsanker" aufs sinkende Entertainer-Schiff gespült: die Geflüchtete Aisha (Schoener), die als blinde Passagierin nach Europa will. Zum Glück für alle Beteiligten gibt es die verbindende Kraft der Musik, denn Aisha ist mit einer grandiosen Stimme gesegnet, es klickt zwischen den ungleichen Partnern - und als eine voluminöse Version des Klassikers "Don't let me be misunderstood" dreistimmig durchs Theater schallt, weiß man - hinter dem anfänglich sehr klamaukhaft gestarteten Stück steckt doch weit mehr als das.

Denn das ist es, was einen zumindest in den ersten 30 Minuten stutzig bleiben lässt: Was um alles in der Welt will Loeffler mit seinem Stück da eigentlich sein? Trashige 80er-Jahre-Anleihen in bester NDW-Manier gibt es da ebenso wie einfach nur albernen Klamauk aus der frühen Comedy-Ecke.

Und dann kommt da plötzlich so eine Art Völkerverständigung daher, so ein Ost-trifft-West-und-beide-finden-sich-gar-nicht-so-schlecht-Ding, man könnte es auch Dialog zwischen den Völkern nennen. Das gipfelt schließlich darin, dass Aisha als blinde Passagierin enttarnt wird, die nach gültigem Recht am nächsten Hafen verhaftet wird. Zu Stings Zerbrechlichkeits-Perle "Fragile" wird diese drohende Quasi-Abschiebung der Geflüchteten besungen.

Aber natürlich gibt es bei Loeffler ein Happy-End. In Form des Scheichs von Oman (Schepp): Der findet nämlich, dass Aisha ein Star ist, will sie und die "Ocean Brothers" für seine neue Kreuzfahrt-Linie "Arab Cruise" buchen: "Geld spielt keine Rolle."

Und weil auch Kapitän José Martinez (Cacciapuoti) Aisha ganz toll findet, der Scheich für seinen Harem zudem noch die dralle Katie "engagieren" will, ist das Chaos in bester Screwball-Comedy-Manier zum Ende hin perfekt.

(RP)