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Solingen/Remscheid: Müngstener Brücke überraschend gesperrt

Solingen/Remscheid : Müngstener Brücke überraschend gesperrt

Die Bahn hat am Donnerstagabend überraschend entschieden, die Müngstener Brücke zu sperren. Bahnreisende auf der Strecke Remscheid-Solingen-Wuppertal müssen auf Ersatzbusse ausweichen.

"Uns liegt ein neues Gutachten vor, das uns gedrängt hat, etwas zu tun, damit wir zum Fahrplanwechsel im Dezember wieder normal auf der Brücke fahren können", erklärt Bahn-Sprecher Gerd Felser. Es geht darum, zusätzliche Verstärkerelemente an der Brücke anzubringen, dies müsse noch vor Einbruch der Kälte geschehen, ergänzte Felser.

Moritz Huckebrink, Sprecher des Eisenbahn-Bundesamtes in Bonn, erklärte, die Bahn habe die Müngstener Brücke "in eigener Verantwortung" gesperrt. "Das ist von uns nicht angewiesen worden, wir haben das zur Kenntnis genommen. Es gibt keinen Grund für uns einzuschreiten."

CDU-Mann Jürgen Hardt, Bundestagsabgeordneter für das Bergische Land, wurde Freitagmorgen vom Generalbevollmächtigten der Bahn, Reiner Latsch, über die Sperrung und die weiteren Maßnahmen in Kenntnis gesetzt. Hardt zeigte im Gespräch mit unserer Redaktion Verständnis für die Bahn: "Am Donnerstagnachmittag hat die Bahn beraten und ist dann am frühen Abend zu dem Entschluss gekommen - um auf Nummer sicher zu gehen- vor der Frostperiode die Verstärkerelemente anzubringen."

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Anschließend habe die Bahn versucht, die Verantwortlichen der beiden Städte in Remscheid und Solingen zu erreichen. "Mir hat man gesagt, dass die Bahn hofft, die Arbeiten in höchstens zwei Wochen abgeschlossen zu haben."

Nach dieser Maßnahme können dann die Personenzüge wieder mit 70 km/h über die Brücke fahren. Derzeit gilt dort Schleichverkehr (10 km/h). Der Güterverkehr soll aber erst dann wieder freigegeben werden, wenn die Lager ausgetauscht sind.

Stadt spricht von "Nacht-und-Nebel-Aktion"

Hochgradig verärgert über die "grottenschlechte Informationspolitik" zeigte sich die Solinger Verwaltungsspitze. Oberbürgermeister Norbert Feith und Erster Beigeordneter Hartmut Hoferichter fühlten sich nach einer mehrmonatigen guten Phase der Zusammenarbeit mit der Bahn wieder in das Frühjahr zurückversetzt und sprachen im Zusammenhang mit der Sperrung der Müngstener Brücke von einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" der Bahn. "Positiv nehmen wir aber mit, dass die Brücke schon bald wieder restriktionsfrei für den Personenverkehr befahrbar ist", sagten Feith und Hoferichter.

Auf einer Pressekonferenz am Freitagmittag nannte die Bahn die Ergebnisse statischer Nachberechnungen als Grund für die Sperrung der Brücke. Nicht nachvollziehbar erklären konnte Bahn-Sprecher Felser die Kurzfristigkeit der Maßnahme und die schlechte Informationspolitik. Man habe auf jeden Fall noch am Freitag mit den Arbeiten beginnen wollen, hieß es. Die Arbeiten, das ist die Erneuerung von Koppellaschen. An 24 Stellen dienen sie der "zusätzlichen Verstärkung" der Brückenkonstruktion.

Wie Michael Käufer von der DB netz zusätzlich erläuterte, will man zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember die Strecke dann wieder mit 70 Stundenkiometern befahren.

Verärgerte Pendler am Remscheider Bahnhof

Die meisten Pendler an den Remscheider Bahnhöfen erreichte die Nachricht von der Sperrung der Brücke am Freitag nicht oder nur unzureichend. Am Remscheider Hauptbahnhof informierte ein Laufband dürftig, dass die RB 47 nur bis zum Bahnhof Güldenwerth fährt. Kein Hinweis auf die Sperrung, auf den Busersatzverkehr zwischen den Bahnhöfen Remscheid-Güldenwerth und Solingen-Schaberg, keine Aussage darüber, dass dieser Hinweis nicht nur für den nächsten Zug, sondern alle Züge Richtung Solingen gilt.

Die Passagiere des Müngsteners um 7.45 Uhr, einer der Hauptpendlerzüge Richtung Solingen und Düsseldorf, musste in Güldenwerth über eine halbe Stunde lang warten, bis der erste Pendelbus auftauchte. Ihre Reaktion: Erst Ärger, dann Resignation — von der Bahn sind die Pendler eben nichts anderes gewöhnt.

Stinksauer über die Informationspolitik der Deutschen Bahn ist der Remscheider Landtagsabgeordnete Sven Wolf (SPD). "Das ist eine Frechheit", sagte er. Wolf war am Freitagmorgen ausnahmsweise nicht mit der Bahn, sondern mit dem Auto nach Düsseldorf gependelt — und hatte durch Anrufe von Bahnfahrer von der Sperrung erfahren. Er hofft, dass die Brücke auch wirklich in gut zwei Wochen wieder befahrbar ist. "Da müssen wir alle jetzt viel Druck machen, das dürfen wir Bergische uns nicht gefallen lassen."

Eine "Sauerei hoch zehn" nannte Remscheids Stadtplaner Hans-Gerd Sonnenschein das Vorgehen der Bahn. Solingen und Remscheid stünden in ständigem Kontakt mit der Bahn, würden aber im entscheidenden Moment nicht informiert. Das die Bahn über Nacht eine Sperrung verananlasst, ist für Sonnenschein nicht einleuchtend. Die Ergebnisse der statischen Untersuchung würde bereits länger diskutiert.

(RP)