Remscheid: Mordprozess - Angeklagte beschuldigen sich gegenseitig

Remscheid : Mordprozess - Angeklagte beschuldigen sich gegenseitig

Zwei Männer müssen sich seit gestern wegen Mord aus niederen Beweggründen vor dem Landgericht verantworten.

War es Mord? Oder Totschlag? Und vor allem - wer war's? Diese Fragen will das Landgericht Wuppertal seit gestern in einem Verfahren gegen zwei Angeklagte schlüssig beantworten. Zwei Remscheidern - 26 und 53 Jahre alt - wirft die Anklage vor, im November des letzten Jahres einen Mitbewohner in einem Haus in Remscheid gemeinsam aus niederen Beweggründen getötet zu haben. Sie wurden kurz nach der Tat verhaftet und sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Beide beschuldigen sich gegenseitig, die Hauptschuld zu tragen.

Das Geschehen spielte sich im Milieu alkoholkranker Menschen ab. Nach der Schilderung des 26-Jährigen soll sich die Tat wie folgt zugetragen haben: Zwischen ihm und dem späteren Opfer gab es Streit um Geld. Der Angeklagte forderte 200 Euro vom Geschädigten wegen der mutwilligen Zerstörung seines PC. Als dieser sich weigerte, den Betrag in voller Summe zu bezahlen, gab der Angeklagte ihm eine "Backpfeife" und drohte ihm Prügel an.

Ein wenig später kam die Polizei, alarmiert durch den Bedrohten. Sie beschuldigte den Angeklagten des Diebstahls eines Handys des Geschädigten. Außerdem soll er ihm mit Tötung gedroht haben. Das stimme alles nicht. Deshalb habe er Wut bekommen. Auch den Mitangeklagten hatte das spätere Opfer angezeigt. Er und der Mitangeklagte tranken danach bei einer dritten Person und redeten sich in Rage.

Die Folge: Der Jüngere "bekam die Hasskappe auf". Aus der Wohnung des Älteren holten sie zwei Messer und einen Hammer und überfielen das im Bett liegende Opfer. Sofort habe der Ältere auf dessen Kopf mit dem Hammer eingeschlagen, danach soll er ihn aus dem Bett gezogen und mit dem Messer auf ihn eingestochen haben. "Ich war schockiert", sagte der Angeklagte. Er wollte den anderen zurückhalten, das gelang ihm aber nicht. Irgendwann rief er den Rettungswagen. Das Opfer starb noch am selben Tag. Es wies 28 Messerstiche auf, mindestens drei Kopfverletzungen mit einem stumpfen Gegenstand und mehrere gebrochene Rippen.

Trotz seines "Schockzustandes" fotografierte der Jüngere das Opfer mehrfach. "Es sieht aus wie in einem Schlachthaus", kommentierte der vorsitzende Richter ein Foto: das Opfer am ganzen Körper blutüberströmt, Blut auch an den Wänden, auf dem Boden, an den Möbeln.

Der 53-Jährige erzählte fast das genaue Gegenteil: Der andere habe mit dem Messer zugestoßen und das Opfer anschließend sogar noch mit dem Hammer von unten nach oben bearbeitet: "Er war wie im Rausch". Er selbst habe einmal am Anfang mit dem Hammer auf den Kopf des Opfers geschlagen. Das habe höchstens eine Beule verursacht. Im Übrigen sei er aber "sehr besoffen" gewesen - er könne sich an Einzelheiten kaum erinnern. Der Prozess wird mit der Befragung der Angeklagten fortgesetzt.

(begei)