„Modeschatulle“ in Remscheid schließt

Räumungsverkauf am Remscheider Zentralpunkt : Die „Modeschatulle“ schließt

Ende August endet eine Ära: Heidemaria Hartmann schließt die „Modeschatulle“ an der Lenneper Straße. Seit einiger Zeit läuft bereits der Ausverkauf. Der Räumungsverkauf wird noch bis Ende August weitergehen.

Seit 54 Jahren ist die „Modeschatulle“ am Zentralpunkt die erste Adresse, wenn es um exklusive Damenmode geht. Ende August endet diese Ära: Heidemaria Hartmann schließt ihr Geschäft an der Lenneper Straße. „Einmal muss ja Schluss sein. Schließlich werde ich in diesem Jahr 67 Jahre alt“, sagt die Chefin, der dieser Entschluss schwerfällt: „Ich liebe meinen Beruf, denn man hat ja immer mit Mode und netten Menschen zu tun.“ Aber ihr Mann sei nun schon fünf Jahre Privatier, und das Ehepaar möchte das Leben „jetzt mal ein bisschen genießen“. Reisen und mehr Zeit für das Hobby, das Golfspielen, stehen auf dem Plan.

Heidemaria Hartmann weiß, dass auch viele ihrer zahlreichen Stammkundinnen traurig sind. „Ich habe ja manchmal drei Generationen gleichzeitig in meinem Geschäft gehabt. Da kam dann die Großmutter mit Tochter und Enkelin, und alle drei haben etwas Passendes gefunden.“

Als Maria Küppermann, Mutter von Heidemaria, das Damenfachgeschäft 1964 gründete, war es der Beginn einer Erfolgsgeschichte. „Allerdings nicht gleich am ersten Tag. Da hatte meine Mutter einen Tagesumsatz von 3,95 Mark, denn sie hatte nur eine Strumpfhose verkauft“, erzählt Heidemaria Hartmann lachend. Und erinnert sich, dass das Geschäft damals nur rund 80 Quadratmeter groß war. Ihre Eltern haben ihr Geschäft aber kontinuierlich vergrößert. Erst wurde der Lebensmittelladen von nebenan dazugenommen, dann die Räume in der ersten Etage, nachdem der Arzt dort seine Praxis geschlossen hatte.

Heidemaria Hartmann absolvierte die Lehre im elterlichen Geschäft und arbeitet nun seit knapp 53 Jahren in der „Modeschatulle“. 1999 übernahm sie das Geschäft, das inzwischen auf zwei Etagen 360 Quadratmeter hat. In den „goldenen Zeiten“, das seien die 1970er- und 1980er-Jahre gewesen, hätten vier bis fünf Änderungsschneiderinnen und ebenso viele Verkäuferinnen im Geschäft gearbeitet. „Meine Mutter hat viele Trachten und daneben Abendgarderobe, Mäntel und Kleider verkauft. Hosen trugen die Damen zu dieser Zeit ja eher wenig. Heute verkaufe ich zu zwei Dritteln Hosen“, schildert die Chefin, wie sich die Zeiten geändert haben.

Immer neue Marken von bekannten Herstellern wie Bogner, Airfield oder Marc Cain habe sie im Laufe der Jahre dazugenommen. Ausschließlich gehobene Ware – und das habe auch immer funktioniert.

Aber das ganze Umfeld habe sich verändert: Es gebe keinen Herrenausstatter und auch kein Kindermodengeschäft mehr in Remscheid. „Das Internet ist natürlich auch immer größer geworden – vor zwei Jahren habe ich schon die Schuhe aus meinem Sortiment genommen und die zweite Etage nicht mehr als Verkaufsraum, sondern als übersichtlichen Lagerraum genutzt.“ Eigentlich sei ihr Ladenlokal schon geraume Zeit viel zu groß gewesen für die Mitarbeiterinnen. Eine Änderungsschneiderin und drei Verkäuferinnen arbeiten zurzeit im Geschäft.

Eine Zeit lang hatte Heidemaria Hartmann noch gehofft, dass ihre Tochter, die als Bekleidungs-Technikerin in Düsseldorf arbeitet und jetzt wieder nach Remscheid zieht, das alteingesessene Geschäft übernehmen würde. „Aber dann hätte viel am Konzept verändert werden müssen. Heute ist ja mehr ein Shop-im-Shop-Angebot gefragt.“

Seit einiger Zeit läuft in der Modeschatulle jetzt bereits der Ausverkauf. Der große Räumungsverkauf wird noch bis Ende August weitergehen. „Und wenn das Geschäft geschlossen ist, dann fahren wir im September erst einmal in den Urlaub“, sagt Heidemaria Hartmann.