Remscheid: Mittendorf zeigt die Schönheit der Natur

Remscheid: Mittendorf zeigt die Schönheit der Natur

Eine neue Fotoausstellung zum Thema "Baum-Leben" ist ab sofort in der Zentralbibliothek an der Scharffstraße zu sehen. Fotograf Gerd Mittendorf hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der Pflanzenwelt beschäftigt.

REMSCHEID Knorrige Wurzeln, aufgeplatzte Rinden, bizarr geformte Baumstümpfe, gefallene Riesen mitten im Nirgendwo am Ufer eines Flusses: Was der Remscheider Gerd Mittendorf in seinen Fotografien festhält, hat nichts mit gewöhnlichen Landschafts- oder Naturaufnahmen zu tun. Es sind keine Bilder, die beim Anblick einen Spaziergang im Wald ersetzen würden, obgleich sie Lust darauf machen. Viel mehr wecken die Hochglanzfotos Neugier für das Gewächs, das den 79-Jährigen so fasziniert.

Eigentlich ist Gerd Mittendorf für seine Stahlfotografie bekannt. Dass er jetzt ein totes Element wie Stahl durch ein Lebewesen aus der Pflanzenwelt ersetzt, ist ungewöhnlich. "Das Interesse für Bäume habe ich aber eigentlich schon seit meiner Kindheit", verrät er. Ein Kletterbaum in der Nähe seines Geburtshauses in Lüttringhausen hatte es ihm schon früh angetan. Er verbrachte viele Nachmittage, an denen er auf den Ästen herumtollte. "Und der Baum steht immer noch", sagt er erfreut.

Er bedauert hingegen, dass die Gesellschaft in der heutigen Zeit die Bäume nicht mehr zu schätzen weiß. Auch er hatte während seiner Berufszeit den Blick für seine Umwelt ein wenig verloren. "Mit dem Alter wird man für solche Dinge wieder feinfühliger. Es findet eine Werteverschiebung statt und man erkennt in einem Grashalm das Wunder der Natur." Die kindliche Sichtweise kehrt zurück. Nun ist ihm bewusst: "Es verschwinden immer mehr Bäume, dabei brauchen wir sie zum Leben."

Die Bilder sind über viele Jahre entstanden. "Ich habe für die Aufnahmen teilweise abenteuerliche Wege zurückgelegt", berichtet Mittendorf. Unter anderem sind die Bilder bei einer 6000 Kilometer langen Fahrradtour durch Deutschland entstanden, die der Rentner mit seiner Frau unternahm. Eine SchwarzWeiß-Aufnahme eines Baumes, in dessen Rinde Liebesbotschaften eingeritzt sind, entstand beispielsweise in Potsdam. Andere Bilder auf Rügen, an der Wuppertalsperre, in Remscheid und in Radevormwald, aber auch in der Schweiz.

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Seinen Werken gibt er aus Überzeugung keine Namen, um den Betrachter nicht um seine Phantasie zu bringen. Und tatsächlich lassen einige Makroaufnahmen eine Reise durch die menschliche Vorstellungskraft zu: Die Nahaufnahme einer alten Rinde etwa erinnert an die dicke, faltige Haut eines Elefanten.

Eine Birke und eine Buche, die sehr nah beieinander stehen, scheinen sich mit ihren fast kahlen Ästen zu umarmen. Es sind ästhetisch ansprechende Bilder. Doch viel wichtiger, findet Gerd Mittendorf, ist die Tatsache, dass die Ausstellung den Betrachtern bewusstmacht, welch Schönheit und Wunder unsere Natur birgt, wenn wir sie nur mit den richtigen Augen betrachten.

Noch bis Samstag, 21. April, ist die Ausstellung zu den Öffnungszeiten der Bibliothek (dienstags und freitags, 11 bis 19 Uhr; mittwochs und donnerstags, 11 bis 18 Uhr; samstags, 11 bis 13 Uhr) zu sehen. Bei Interesse steht Gerd Mittendorf auch für Führungen bereit.

(RP)