Mit Bach auf Weihnachten einstimmen

Kirchenmusik : Mit Bach auf Weihnachten einstimmen

Vier Kantaten aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach führen der Chor der City-Kirche und der Heinrich-Schütz-Kantorei in der Lutherkirche auf. Eine Herausforderung für die Sänger. Die Symphoniker spielen.

Für viele Menschen gehört das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach zum Fest dazu. Auch wenn immer weniger Menschen in Gottesdienste und Kirchen gehen – die Musik des Weihnachtsoratoriums kann einen auch ohne festen christlichen Glauben erfreuen. Wenn die Pauken beginnen, die Trompeten glanzvoll einsetzen und der Chor vielstimmig jauchzt und frohlockt, kann für viele langsam Weihnachten werden. Die Musik, die Bach für die Ankunft des Jesuskindes schreibt, ist Jubelmusik für Könige. Am 7. Dezember werden vier Kantaten aus dem sechsteiligen Werk in der Lutherkirche (18 Uhr) aufgeführt. Gespielt werden die Kantaten eins, drei, fünf und sechs. Es ist die einzige Aufführung des Weihnachtsoratoriums im Bergischen.

Die Sängerinnen und Sänger der Chöre der Heinrich-Schütz-Kantorei und des Stadtkirchenchores stehen vor großen Herausforderungen. „Alle Stimmen kommen bei den Höhen in einen Grenzbereich“, sagt Martin Kischnereit, Kantor der Lutherkirche. Und Ursula Wilhelm, Kantorin in der City-Kirche, sieht den Chor bei den Koloraturen stark gefordert. „Das verlangt Kondition und Lockerheit.“ Beide Chöre haben mit den Proben nach den Sommerferien begonnen. Einige Chormitglieder nahmen auch an den Probe des Partnerchores teil – um Sicherheit zu gewinnen. Vorigen Samstag gab es das erste gemeinsame Singen. Die Akzentuierung und das Klangideal der beiden Kantoren müssen aufeinander abgestimmt werden. Kirschnereit orientiert sich gerne an der festlichen Stimmung. Zu Ursula Wilhelms Vorliebe gehören die zarten und meditativen Stellen.

Mit einer Stärke von 70 Mitgliedern verfügen die beiden Chöre über eine ausreichende Größe, um gemeinsam mit den Bergischen Symphonikern das Konzert in der Lutherkirche zu spielen. Es braucht schon Volumen, um ein fruchtbares Zusammenspiel mit dem Profi-Orchester zu erreichen. 26 Musiker spielen die Auszüge des Weihnachtsoratoriums. Kirschnereit und Wilhelm teilen sich das Dirigat. Jeder steht bei zwei Kantaten am Pult. Wer nicht dirigiert, spielt die Orgel.

Chor und Orchester haben drei Proben vorher. Am Freitagmorgen und -abend sowie am Samstagvormittag, vor dem Konzert. „Bei den Symphonikern weiß man, die Musiker können am nächsten Tag abrufen, was man vorher vereinbart hat“, sagt Wilhelm. Mit einem Laienorchester müsste man wochenlang die Partitur erarbeiten.

Der Evangelist erzählt bei Bach die Weihnachtsgeschichte, etwas ausführlicher als sie in der Bibel steht. Er erzählt sie singend, rezitierend, ohne viel Begleitung oder Ausschmückung.

In der Remscheider Aufführung übernimmt der Tenor diesen Part mit. Einen musikalischen Kommentar geben die vielen Arien und Ensembles, die sich immer wieder in die Geschichte einschieben. Vier Gesangssolisten, Sopran, Alt, Tenor und Bass, werden zur Stimme des Glaubens und verkünden die frohe Botschaft in Form von komponierten Gebeten.

„Egal, was Bach schreibt: Ich vertraue ihm, ich fühle mich geschützt und geborgen. Ich fühle mich an die Hand genommen“, sagt der Star-Pianist Igor Levit.