Torben Clever: "Mit Anfragen macht man keine Politik"

Torben Clever: "Mit Anfragen macht man keine Politik"

Der neue Vorsitzende der Remscheider FDP sieht momentan wenig Berührungspunkte mit der CDU im Stadtrat.

Herr Clever, seit wann sind Sie in der FDP?

Torben Clever Ich bin FDP-Mitglied seit 2007.

Was war damals der Grund für den Eintritt?

Clever Nach dem Abitur wollte ich mich politisch engagieren. Ich habe ein bisschen die Programme der Parteien verglichen, und da kam mir die FDP mit ihrem Individualismus und dem fortschrittlichen Denken am nächsten. Ich war aber auch ein bisschen vorbelastet, weil auf meinem Gymnasium in Wermelskirchen auch FDP-Persönlichkeiten wie Christian Lindner oder Johannes Vogel waren. Ein Abiturkollege von mir ist jetzt Vorsitzender der FDP Wermelskirchen geworden.

Zehn Jahre später sind Sie nun Vorsitzender der Remscheider FDP. Wie kam es dazu?

CLever Man hat mich angesprochen, weil es die Überlegung gab, den Vorstand etwas zu verjüngen. Wir haben das mit dem langjährigen Vorsitzenden Hans Lothar Schiffer besprochen und sind dann auf die Idee einer Rochade gekommen. Er verbleibt im Vorstand als Beisitzer und bringt seine Erfahrung ein. Er ist schließlich über viele Jahre schon das Gesicht der FDP in Remscheid. Wir haben den Wechsel bewusst zwei Jahre vor der nächsten Kommunalwahl gemacht, so habe ich zwischendrin noch die Europawahl als Testlauf für die Organisation eines Wahlkampfes.

Die FDP hat aktuell nicht sehr viele Mitglieder. Ist Politik aus der Mode gekommen?

Clever Ich glaube nicht, dass Politik generell wenig Zulauf hat, zumindest nicht mehr. In den letzten Jahren ist die Gesellschaft wieder deutlich politischer geworden. Als ich vor zehn Jahren in eine Partei eingetreten bin, musste ich mir noch ein paar blöde Sprüche gefallen lassen. Dass es ausgerechnet die FDP war, machte es nicht besser.

Das war uncool?

Clever So kann man das sagen.

Und heute? Hat Christian Lindner was geändert?

Clever Der neue Auftritt und die Inhalte kommen an. In Remscheid ist eine Aufbruchstimmung zu spüren. Der Haushalt ist ausgeglichen, die Stadt kann wieder investieren. Im Stadtumbau passiert etwas, das DOC soll kommen. Das kommt auch bei den jungen Leuten an. Hier sehe ich ein Potenzial für die FDP, das in den vergangenen Jahren nicht so gehoben werden konnte.

Was planen Sie?

Clever Wir müssen mehr machen. Wir müssen präsenter werden im Internet, da sind uns andere Parteien weit voraus. Wir müssen Veranstaltungsformate schaffen, die junge Leute ansprechen. Wir sind mit der "LibLounge" auf einem guten Weg, das alleine wird aber nicht reichen. Es geht darum, sowohl Parteimitglieder als auch Nichtmitglieder anzusprechen Wir wollen auch mal ein paar prominente FDP-Köpfe nach Remscheid einladen.

In Düsseldorf regiert eine bürgerliche Mehrheit, in Remscheid gab es das nie. Woran liegt das?

  • Remscheid

Clever Es hat in der Gestaltungsmehrheit immer auch zwischenmenschlich gut geklappt. Diese Konstellation gibt es seit der Wahl 2014 nicht mehr. Nun haben wir im Rat ein System wechselnder Mehrheiten. Wir haben ja auch mal gemeinsame Anträge mit der Linken.

Aber eigentlich arbeiten doch immer die gleichen Parteien zusammen.

Clever Das ist eine Nachwirkung der Gestaltungsmehrheit. Die Gruppen, die sich da gebildet haben, treffen sich weiterhin und die W.i.R. hat dann gesagt, wir machen da mit. Und es funktioniert gut.

Also gibt es keinen Grund, sich der CDU zuzuwenden?

Clever Das sehe ich bisher nicht. Wir machen das aber von den Inhalten abhängig. Ich habe allerdings bisher wenig Anträge von der CDU gesehen, die stellen vor allem Anfragen. Mit Anfragen macht man keine Politik.

Die CDU könnte ja mal anfragen, ob sie gemeinsam einen Antrag stellen?

Clever Das könnte man theoretisch machen. Bisher kam da aber recht wenig.

Was sind Ihre Themen für die kommenden Jahre?

Clever Ich bin klassischer Kommunalpolitiker, mir liegen die Themen Bildung und Sport am Herzen. Ich bin ja auch Mitglied des Sportausschusses. Da gibt es in den kommenden Jahren spannende Themen, etwa der Bau der Dreifach-Sporthalle in der Innenstadt, die wir dringend brauchen. Es wird auch früher oder später eine Diskussion über das Kunstrasenprogramm geben. Aktuell ist ja Neuenkamp im Gespräch.

Sind Sie dafür, dass auch dort ein Kunstrasenplatz hinkommt? Und wenn ja, wie wollen Sie das finanzieren?

Clever Ich will mich das jetzt noch nicht festlegen, es gibt ja im Moment noch keine belastbaren Zahlen. Vor dem Hintergrund der Sportflächenentwicklungsplanung der Stadt muss man sagen: Wir sind eigentlich durch mit dem Programm. Darum sollte man sich, bevor man diesen Platz umbaut, Gedanken darüber machen, wie man künftig die bereits vorhandenen Plätze in Schuss hält. Ich selber bin in Bergisch Born aktiv, und ich gehe nicht davon aus, dass der Platz so lange hält, wie die Stadt das eingeplant hat. Dafür wird er zu intensiv genutzt. Grundsätzlich habe ich nichts dagegen, dass der BV 10 Kunstrasen bekommt. Der Verein hat sich das verdient. Aber es muss halt finanziell passen.

Wie bewerten Sie die Situation des Sports in Remscheid?

Clever Der Sport spielt hier eine große Rolle. Wir haben für eine Stadt dieser Größe ein ganz hervorragendes Vereinsleben in den Sportvereinen. Die machen alle eine super Arbeit. Das ist ein Pfund, mit dem Remscheid wuchern kann. Der Röntgenlauf etwa hat Remscheid bekannt gemacht als Laufstadt.

HENNING RÖSER FÜHRTE DAS GESPRÄCH

(RP)