Remscheid: Metaller wollen vor allem mehr Lohn

Remscheid: Metaller wollen vor allem mehr Lohn

Die Belegschaft von Mannesmann Stainless Tubes legte für 24 Stunden die Arbeit nieder.

Vor dem Firmentor von Mannesmann Stainless Tubes an der Bahnstraße versperrt ein rotes Zelt der IG Metall den Eingang. "Hier will heute keiner arbeiten", sagt der Betriebsratsvorsitzende Ulrich Dickert. Bis auf eine kleine Notmannschaft kam gestern keiner der 285 Beschäftigten an seinen Arbeitsplatz. Auch für die Leiharbeiter gab es gestern in dem Werk, wo Rohre hergestellt werden, nichts zu tun. Von sechs Uhr am Morgen bis zum nächsten Tag ruhen die Maschinen. Damit es den Streikenden nicht zu kalt und ungemütlich wird, gibt es Kaffee und belegte Brötchen mit Käse sowie Plätzchen aus Schweden.

Die IG Metall hat sich das Remscheider Werk für einen 24-Stunden-Streik ausgesucht, weil dort ein hoher Organisationsgrad besteht. "Bei uns sind 80 Prozent der Belegschaft Mitglied der IG Metall", sagt Dickert. Er arbeitet seit 40 Jahren in dem Unternehmen. "Wir kennen uns mit Streik aus", betont er. Lange Zeit kämpfte die Belegschaft mit einem Haustarifvertrag.

Den Remscheider Metallern geht es hauptsächlich um mehr Lohn. "Wir wollen die sechs Prozent", sagt Dickert. Die Forderung nach Teilzeit interessiere ihn nicht. Das sei in ihrem Betrieb schon alles möglich. Es habe gestern noch mit der Geschäftsführung gesprochen. Was die Lohnforderung betreffe, sei man da fast auf einer Linie. Die Auftragsbücher seien voll. Nichts spreche aus seiner Sicht gegen mehr Geld.

"Diese ganztägigen Warnstreiks sind die Antwort auf das völlig unzureichende Angebot der Arbeitgeber", sagt Marko Röhrig, Geschäftsführer der IG Metall Remscheid-Solingen. Die Arbeitgeber haben bislang zwei Prozent mehr Lohn ab April für 15 Monate und eine Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro angeboten. "Das ist keine Wertschätzung für den großen Einsatz der Beschäftigten in der Branche, sondern eine Provokation", findet Röhrig. Die Forderung der IG Metall liegt bei sechs Prozent mehr Lohn.

Bei den arbeitszeitpolitischen Forderungen liegen die Tarifpartner ebenfalls weit auseinander. Die Gewerkschaft fordert hier einem Entgeltzuschuss bei Arbeitszeitverkürzung (28 Stunden) wegen Kindererziehung, Pflege oder belastenden Arbeitszeiten.

Die Forderungen nach einer Reduzierung auf 28 Stunden lehnte Markus von Dreusche, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Remscheid, im Gespräch mit der BM kürzlich strikt ab. "Das können unsere kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht leisten", sagt von Dreusche. Die Branche suche dringend Fachkräfte. "Wer soll die Arbeit übernehmen, wenn ein Kollege die Stunden reduziert?", fragt der Geschäftsführer, "wir können doch unsere Stellen schon heute nicht mehr alle besetzen." Was in großen Konzernen vielleicht möglich sei, lasse sich im Bergischen Land nicht praktizieren.

Ausgemachte Sache der Tarifpartner ist es, dass in Baden-Württemberg ein Ergebnis erzielt werden soll, das dann auf die anderen Gebiete übertragen wird. Voraussichtlich zu Beginn der nächsten Woche wollen sich Arbeitgeber und Gewerkschafter wieder an einen Tisch setzen. Bereits in der vergangenen Woche hatte die IG Metall zu Warnstreiks im Bergischen aufgerufen. Auf dem Graf-Wilhelm-Platz in Solingen kamen Beschäftigte aus Solingen, Remscheid, Radevormwald, Wermelskirchen, Hückeswagen, Haan und Hilden zu einer zentralen Kundgebung zusammen. Nach Angaben der Gewerkschaft hatten während des mehrstündigen Warnstreiks rund 4000 Mitarbeiter aus Unternehmen in der Region die Arbeit niedergelegt.

Die Streikenden bei Mannesmann Stainless Tubes bekommen für diesen Tag den Lohn von der Gewerkschaft. "Unsere Kassen sind gut gefüllt", sagt Gewerkschaftssekretär Norbert Lux. Vor einer Urabstimmung und einem Generalstreik habe man keine Angst.

(RP)