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Mensch und Hund auf Augenhöhe

Remscheid : Mensch und Hund auf Augenhöhe

Sie sind kuschelweich, riesig und eigensinnig: Drei Pyrenäenberghunde leben bei Susanne Manert und ihrer Familie in Remscheid. Es sind „rückenfreundliche Tiere“. Hund und Mensch blicken Auge in Auge.

Es ist Kaffeezeit. Susanne Manert hat es sich mit einer warmen Tasse und dem Radio gemütlich gemacht. Hera und Tammy genießen die Sonnenstrahlen, die durchs Fenster fallen und fläzen sich im Wohnzimmer. „Ein Leben ohne Hunde, das würde ich nicht wollen“, sagt Susanne Manert und erzählt von ihrer Kindheit. „Wir hatten immer Hunde“, sagt sie. Münsterländer, eine Pudelmischung, später dann Katzen, Meerschweinchen und Kaninchen.

Hera spitzt ein Ohr, springt auf und vorbei ist es mit der Ruhe bei Familie Manert. Eine Sekunde später klingelt es an der Tür. Besuch. Und Hera und Tammy ahnen, dass jemand mit ihnen spielen will. Wie von der Tarantel gestochen laufen die beiden Hündinnen zur Tür und begrüßen den Neuankömmling. Als Tammy die Vorderpfoten hebt und dem Besucher auf die Brust legt, blicken Hund und Mensch Auge in Auge. „Rückenfreundliche Tiere“, wird Susanne Manert später sagen, während sie Hera über das weiche Fell streicht.

Ungeübtere Besucher könnten es mit der Angst zu tun bekommen, wenn sich die Pyrenäenberghunde aufbäumen. 75 Zentimeter Widerristhöhe. „Aber das ist mein Schwager“, sagt Susanne Manert, „die kennen sich schon.“ Die Begrüßungsprozedur kosten die beiden Hündinnen trotzdem voll aus.

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„Pyrenäenberghunde wurden für selbstständige Arbeit gezüchtet“, erzählt Susanne Manert unterdessen, „bei einer Schafherde müssen sie auch Entscheidungen selbst treffen.“ Und deswegen würden eben auch Hera und Tammy Befehle grundsätzlich hinterfragen. Für die Schutzhundausbildung eignen sich Pyrenäenberghunde nicht. „Und man braucht ein bisschen Geduld mit ihnen“, sagt die Remscheider Züchterin.

Als sich Familie Manert vor
30 Jahren mit ihrem ersten Pyrenäenberghund Benny Unterstützung in der Hundeschule holen wollte, machten die Trainer große Augen und den frisch gebackenen Herrchen wenig Hoffnung auf Erziehung. Also stöberte Susanne Manert in Fachbüchern und erzog die Tiere selbst. „Ein bisschen blauäugig waren wir schon“, sagt sie und lacht. Inzwischen fahren Tammy und Hera Bus mit ihrem Herrchen, freuen sich in der Stadt über viele freundliche Blicke und genießen den wöchentlichen Marktbesuch.

Warum die Entscheidung für den Pyrenäenberghund? Ihnen sei es wichtig gewesen, einen großen Hund zu haben, der sich wehren könne und sich im Gelände wohlfühle. Deswegen sei damals die Entscheidung für Benny gefallen. Dann entdeckten Manerts den Club für ungarische Hirtenhunde in Burscheid und fanden ein großes Netzwerk von Menschen, die viel Erfahrungen mit der besonderen Hunderasse hatten – und damit fanden sie nicht nur neue Freunde, sondern auch immer mehr Sicherheit im Umgang mit den Hunden. Als Familie Manert in ein Häuschen mit großem Garten umgezogen war, fiel schließlich die Entscheidung: Benny sollte eine Gefährtin bekommen. „An Zucht dachten wir damals noch nicht“, sagt Susanne Manert. Aber mit immer mehr Erfahrung entschieden sie sich 2002 doch für die Zucht.

Heute lebt neben Hera und Tammy auch die Oma-Hündin Ghita bei den Manerts. Neun Würfe in fünf Jahren zählt die Züchterin. Bald wird Hera, die inzwischen fünf ist, wohl wieder Welpen zur Welt bringen. Tammy hat gerade alle Untersuchungen durchlaufen, um selbst Mutter zu werden. „Die Zuchtregeln sind streng“, sagt Susanne Manert, „und wir nehmen sie sehr ernst.“ Wenn die Hündin geworfen hat, schlägt die Remscheiderin neben dem Wurfkissen ihr Nachtlager auf, um die kleinen Hunde im Blick zu behalten – und um zu verhindern, dass sich die Hündin auf den Nachwuchs legt. Dann kann es auch mal wuselig werden. Nach frühestens neun Wochen vermittelt Susanne Manert die Tiere dann weiter und achtet genau darauf, wer einen Hund bekommt und wer nicht. „Das ist so ein Bauchgefühl“, sagt die Züchterin. Schließlich will sie die Welpen gut versorgt wissen.