"Mein Remscheid": Flanieren im Schimmelbusch

„Mein Remscheid“: Reinshagen : Flanieren im Schimmelbusch

Reinshagen hat neben der guten Verkehrsanbindung vor allem das Stadion und viel Wald und Ruhe zu bieten.

Wie wichtig der Wald in Reinshagen ist, weiß jeder, der schon mal im Schimmelbusch gewesen ist. Die Zahlen bestätigen den Eindruck des grünen Stadtteils eindeutig: Von der Gesamtfläche von rund drei Quadratkilometer sind 2,3 Quadratkilometer Waldgebiete und Grünanlagen sowie die beiden Friedhöfe.

„Remscheid hat sicherlich viel Stadtteile, die ans Grüne grenzen, aber in Reinshagen ist das mit dem Schimmelbusch schon sehr ausgeprägt“, bestätigt Alt-Remscheids Bezirksbürgermeister Ernst-Otto Mähler. Er ist auch für Reinshagen zuständig, denn rein verwaltungstechnisch gehört Reinshagen zu Alt-Remscheid. Im Süden grenzt Reinshagen an Westhausen, im Norden an Morsbach, Vieringhausen und Kremenholl, östlich schließt sich Ehringhausen an, während man weiter westlich nach Solingen kommt.

Der Schimmelbusch, der früher auch als Bismarck-Park bekannt war, ist ein großes Waldgebiet, das besonders bei Spaziergängern mit und ohne Hund beliebt ist, aber auch immer wieder Mountainbiker oder Jogger anzieht. Ein großer Wanderparkplatz neben dem Reinshagener Stadion, in dem vor Jahrzehnten der VfB Marathon Remscheid seine größten Erfolge gefeiert hat und sogar Deutscher Amateurfußball-Meister wurde, ist der Eingang in den Schimmelbusch. Der Wald ist sogar in einem Lied des Sägeschmieds Kaspar Wittkopp (1860 bis 1936) besungen worden: „Ech hann mien Hatt‘ em Schemmelbosch verloren an ‘nen Jong, derr van Göllenweät“ heißt es da. Übersetz: „Ich hab‘ mein Herz im Schimmelbusch verloren an ‘nen Jungen aus Güldenwerth.“

Nicht nur das Herz kann man im weitläufigen Waldgebiet verlieren, sondern durchaus die eine oder andere Stunde Zeit. Und wenn man weit genug geht, findet man sich schließlich unterhalb der Müngstener Brücke wieder – der Blick wandert ganz automatisch hoch zur höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands – und umgekehrt hat man aus dem Zug natürlich auch einen wunderbaren Blick auf den Schimmelbusch.

Entwickelt hat sich der Stadtteil aus den verstreut liegenden Hofschaften des Mittelalters. „Man kann auch heute noch die alten Höfe sehen, wenn man durch die Straßen geht. Viele ehemalige Landwirte haben über die Jahrzehnte ihre Ländereien verkauft, so dass die Besiedlung nach und nach in Richtung Solingen-Burg gewachsen ist“, sagt Mähler. So könne man etwa an der Westhauser Straße in Richtung Burg auf der linken Seite lauter neue Häuser sehen. Und auch heute gibt es im Stadtteil noch einige noch nicht erschlossene Grundstücke. „Reinshagen erweitert sich auch heute noch“, sagt Mähler. Und es sei auch ein schönes Wohnen im Südwesten Remscheids möglich, betont der Bezirksbürgermeister. „Es gibt dort gute Infrastruktur und Nahversorgung. Wer nach Reinshagen zieht, der hat es nicht bereut“, sagt Mähler lächelnd. Er kenne einige Remscheider, die dorthin gezogen seien und deren Worte eine deutliche Sprache sprächen: „Sie haben alle gesagt: Da möchte ich nicht mehr weg“, sagt Mähler.

Auch die Verkehrsanbindung – für Pendler ja durchaus ein oft entscheidendes Kriterium bei der Auswahl eines Wohnorts – ist in Reinshagen sehr gut. „Man ist sehr schnell auf der A1 in Wermelskirchen, auch Solingen ist nicht weit. Und mit dem Bahnhof Güldenwerth ist man auch mit der Bahn sehr schnell in Düsseldorf oder Köln“, sagt Mähler. Er erlebe den Bahnhofs-Parkplatz sehr oft sehr voll, ein deutliches Zeichen für ihn, dass die Pendel-Möglichkeit gut genutzt werde. Auch in Sachen öffentlicher Nahverkehr sieht Mähler Reinshagen auf einem guten Stand. „Man kommt halt hier nicht ‚mal eben so‘ in die Innenstadt, gerade ältere Menschen sind auf den Bus angewiesen.“ Das funktioniere auch recht gut, allerdings höre er durchaus ab und zu Beschwerden, dass die Busse nicht so regelmäßig zu den Friedhöfen fahren würden. „Da könnten die Stadtwerke sicherlich noch ein wenig nachbessern“, sagt der Bezirksbürgermeister.

Zur Nahversorgung gehören aber auch die beiden Kirchen – die katholische St.-Engelbert-Kirche und die evangelische Adolf-Clarenbach-Kirche –, die Gemeinschaftsgrundschule und die beiden Kindergärten. „Reinshagen ist daher schon auch sehr interessant für junge Familien“, sagt Mähler. Für viele Menschen sind zudem die Friedhöfe wichtige Bezugspunkte. „Und natürlich auch das Stadion und die Sporthalle West, die im November 1989 eingeweiht wurde“, sagt Mähler. Die Halle sei immer schon Anziehungspunkt für unterschiedliche Veranstaltungen gewesen. „Neben den sportlichen Terminen und Veranstaltungen findet hier beispielsweise regelmäßig die Anti-Drogen-Disco für Kinder und Jugendliche statt“, sagt der Bezirksbürgermeister.

Wer also nicht unbedingt auf der Suche ist nach einem historischen Stadtkern wie in Lennep oder Lüttringhausen oder gut erhaltene Stadtvillen aus der Gründerzeit betrachten möchte, sondern lieber stundenlang auf gut ausgeschilderten Wanderwegen im Wald unterwegs sein möchte, sollte sich auf den Weg nach Reinshagen machen. Und wird vielleicht auch sein Herz im Schimmelbusch verlieren.

Mehr von RP ONLINE