Remscheid: Mehr Unfälle ohne klaren Grund - Handy am Steuer erhöht Risiko

Remscheid : Mehr Unfälle ohne klaren Grund - Handy am Steuer erhöht Risiko

Im Städtedreieck häufen sich Unfälle, die auf den ersten Blick unerklärlich sind. Polizeiexperten vermuten unerlaubte Handynutzung am Steuer als Ursache. Der Nachweis ist oft schwierig.

Die Straße war frei und trocken, der Weg führte geradeaus, die Sicht war klar. Warum die 37-Jährige Remscheiderin an jenem Sommertag dennoch ihren Kleinwagen in den Straßengraben lenkte, wird bis auf weiteres ihr Geheimnis bleiben. "Wir haben immer häufiger Unfälle, die unerklärlich sind", sagt Polizeioberrat Ernst Adam, Leiter der Direktion Verkehr. Doch haben der Verkehrsexperte aus dem Präsidium Wuppertal und seine Mitarbeiter einen klaren Verdacht: Auch im Bergischen greifen Autofahrer immer häufiger unerlaubt zum Handy und lassen sich dadurch ablenken.

Beim Ping-Ton des I-Phones mal eben nachsehen, wer da geappt hat. Kurz mit ein paar Daumentippern die Antwort senden. Dem Geschäftspartner eine elektronische Nachricht zukommen lassen, dass sich die Ankunft zum Termin verzögert, oder der Tochter kurz per SMS mitteilen, dass im Kühlschrankfach das Mittagessen liegt. Kurznachrichten per Handy gehören für viele Menschen zum Tagesablauf, und immer mehr wollen offenbar auch im Auto nicht darauf verzichten. Nach einer Umfrage der Versicherungsgesellschaft "DA Direkt" unter 1000 Pkw-Fahrern gaben 41 Prozent aller Befragten zu, dass sie gelegentlich durch die Handynutzung am Steuer abgelenkt seien.

Wer dabei erwischt wird, muss zahlen. 60 Euro Bußgeld kostet der Verstoß. Doch den Regelverstoß zu ermitteln ist für die Polizei nicht immer einfach. "Hat der Autofahrer das Handy sichtbar am Ohr und wird gesehen, ist der Tatbestand erfüllt", sagt Adam. Die Handynutzung im Nachhinein, etwa nach einem Unfall nachzuweisen, ist hingegen deutlich schwieriger. Solche Überprüfungen über Datenauswertung beim Handyanbieter müssten juristisch erwirkt werden. Die rechtliche Schwelle liegt hoch, denn bei dem Unfall muss es zumindest einen Schwerverletzten gegeben haben, erklärt Adam.

Konkrete Zahlen für Remscheid liegen nicht vor, jedoch für NRW: Rund 131 000 Verstöße gegen das Handy-Verbot am Steuer registrierte die Polizei in NRW im vergangenen Jahr. Die Kölner Polizei sorgte jüngst für Aufsehen. Nach Unfällen wollten die Beamten verstärkt Smartphones beschlagnahmen. Begründung: Die Zahl der Unfälle mit ungeklärter Unfallursache habe zwischen 2008 und 2013 um 56 Prozent zugenommen, vermutlich gebe es einen Zusammenhang zur steigenden Zahl von Smartphone-Nutzern, zitieren Zeitungen die Kölner Verkehrspolizei. Die aus konfiszierten Handys abgelesenen Daten sollten zeigen, ob Fahrer zur Unfallzeit ihr Handy nutzten. Rechtsexperten übten Kritik gegen das Vorgehen, Autofahrer wehrten sich juristisch.

Was darf der Autofahrer, was nicht? Die Rechtslage ist schnell zusammengefasst. Nach aktuellen Urteilen ist die Handy-Nutzung während der Fahrt generell untersagt, egal ob mit dem Handy telefoniert oder gesimst, oder ob es nur als Navi verwendet wird. Jeder Griff zum Handy ist verboten, selbst der kurze Blick auf die Handy-Uhr. Auch das Wegdrücken eines Anrufs ist strafbar, das Weiterreichen eines Handys an den Beifahrer jedoch erlaubt. Wer telefonieren will, muss anhalten und den Motor abstellen. Doch Vorsicht! Das Telefonieren auf dem Seitenstreifen einer Autobahn oder einer Kraftfahrstraße ist nach einem Urteil des OLG Düsseldorf (Aktenzeichen IV-2Ss OWi 85/04) untersagt und wird gleich doppelt belangt, denn der Standstreifen darf nur bei Pannen genutzt werden.

(RP)
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