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Remscheid: Mehr Flüchtlingskinder kommen allein

Remscheid : Mehr Flüchtlingskinder kommen allein

Kinder und Jugendliche erreichen ohne Eltern Remscheid. Sie brauchen einen Vormund und einen Heimplatz.

Mit dem Flüchtlingsstrom kommen auch Minderjährige nach Remscheid - als Waisen oder weil die Eltern vorerst im Heimatland bleiben. Farid (15, Name von der Redaktion geändert) hatte Glück. Nachdem er allein aus Afghanistan geflohen war, wurde er hier an Karl Richard Ponsar vermittelt, der die Vormundschaft über den Minderjährigen übernahm und den Jugendlichen betreut. "Ich bin Pädagoge und habe dafür Zusatzqualifikation erworben", sagt das Mitglied im Jugendhilfeausschuss. Doch bürokratische Hürden bis zur Übernahme der Vormundschaft zu überwinden, kosteten ihn viele Gespräche, Geduld und Zeit, die man in dieser Situation eigentlich nicht habe. "Denn die jungen Menschen sind oft so traumatisiert, dass sie eine Soforthilfe brauchen, jemanden, der sich kümmert, ihnen im Alltag hilft. Da brennt's", sagt Ponsar.

Das Thema unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge (UMF) hat die Stadtverwaltung auf ihre Agenda gesetzt. Kürzlich gab es ein internes Gespräch, geplant sei, einen Runden Tisch mit allen Beteiligten einberufen, kündigt Sozial- und Jugenddezernent Thomas Neuhaus auf Nachfrage an. Dazu gehören Vertreter des Kinderschutzbundes, Wohlfahrtsverbände, der Heime wie der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land (EJBL), des Ausländeramtes und der Gerichte, Schulaufsicht und Schulen, an denen es Seiteneinsteigergruppen gibt.

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Die Zeit drängt. Zwar gibt es derzeit nur wenige UMF in Remscheid. Das wird sich aber 2016 ändern, sagt Neuhaus. Neu eingeführt werde ein Verteilerschlüssel, nach dem Remscheid nächstes Jahr 23 Jugendliche aufnehmen soll. Um ihnen gerecht werden zu können, müssen Fragen der Zuständigkeit, Sofortunterbringung, einer dauerhaften Unterbringung in welcher Wohnform, Vormundschaften und des Schulbesuchs geklärt werden.

Karl Richard Ponsar wird mit am Runden Tisch sitzen und von seinen Erfahrungen berichten können. Sein erster Mündel, ein 16-jähriger Syrer, ist in der "Gotteshütte" in Hückeswagen untergebracht, besucht aber eine Schule in Remscheid. Der Junge sei begabt, und dank seiner Nachhilfe habe er einen so guten Lernstand erreicht, dass er die Hauptschulklasse 10 b besuchen könne. Bei seinem zweiten Mündel ist es komplizierter. Der Richter gaben die Amtsvormundschaft zunächst nach Gummersbach. Posnar: "Aber die Amtsvormünder haben bis zu 20 Mündel, wie viel Zeit bleibt da für die Betreuung der Flüchtlinge?" Zwölf Wochen habe es gedauert, bis er die Vormundschaft für Sarin erhielt.

Die Kommunikation mit ihm sei schwierig. Geklärt werden müsse, wo der Junge dauerhaft zur Schule geht, wo er in einer multikulturellen Klasse lernen könne. "Die Plätze in den Heimen werden knapper. Die Wohngruppen der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land sind zum Beispiel alle belegt", berichtet Ponsar weiter.

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(RP)