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Meer-Wert-Becher in Remscheid: „Es läuft mittelmäßig gut“

Umweltschutz in Remscheid : Meer-Wert-Becher „läuft mittelmäßig gut“

Seit etwas mehr als einem halben Jahr gibt es die Aktion, die den Müllberg in Remscheid verkleinern soll.

Direkt neben der Kasse in der Bäckerei Evertzberg steht ein Pappschild, davor sind drei verschiedene Becher platziert: Zwei normale Kaffee-to-Go-Becher und ein orangefarbener Becher aus – auf den ersten Blick – gummiartigen Material. Auf dem Pappschild steht: „Becher doch wie du willst!“. Was wie eine Aufforderung klingt, einen über den Durst zu trinken, ist Teil einer Aktion, die seit einigen Monaten von mehreren Bäckern im Bergischen Land getragen wird: Es geht um den „Meer-Wert-Becher“. Im Juli 2019 wurde er eingeführt, 150 Standorte in Remscheid, Solingen und Wuppertal bieten ihn an. Das Ziel: Plastikmüll reduzieren.

„Wir können niemanden zwingen“, sagt Oliver Platt, Geschäftsführer bei der Bäckerei Evertzberg, „doch wir können unseren Kunden ein Angebot machen.“ Das Angebot sieht folgendermaßen aus: Für einen Euro Pfand können die Kunden einen „Meer-Wert-Becher“ für ihr Heißgetränk kaufen. Bei Rückgabe des Bechers bekommt man auch das Pfand zurück. Der Becher besteht aus einem Plastik, das auch bei höheren Temperaturen geschmacksneutral bleibt und mehrmals verwendet werden kann. Er ist spülmaschinenfest. Neben Evertzberg sind in Remscheid noch die Bäckereien Steinbrink und Beckmann daran beteiligt.

Die Becher sollen der Müllflut in den Städten Einhalt gebieten, Mülleimer gefüllt mit Wegwerfbechern sollen der Vergangenheit angehören. Wenn der Becher über zwei Monate täglich benutzt wird, hat er eine besserer Umweltbilanz als die Einweg-Lösung.

„Es wird angenommen“, sagt Oliver Platt. Er würde nicht sagen, dass es perfekt laufe, aber „wir merken ein Umdenken bei den Kunden“. Genaue Zahlen darüber, wie viele „Meer-Wert-Becher“ schon über die Theke gegangen sind, kann Platt nicht nennen. Doch der Trend zeige nach oben. „Das geht stufenweise“, sagt er.

Dabei findet Platt es auch wichtig, dass das System unabhängig von den einzelnen Bäckereien funktioniere. Dass man also einen Becher zum Beispiel bei Steinbrink holen und ihn dann später Evertzberg wieder abgeben oder auffüllen kann.

„Es läuft nicht so gut, wie wir vielleicht gedacht haben“, sagt dagegen eine Verkäuferin in einer Remscheider Steinbrink-Filiale. Nicht sonderlich viele Becher würden den „Meer-Wert-Becher“ benutzen, sondern eher auf die To-Go-Variante zurückgreifen.

Markus Schäfer von der Evertzberg-Filiale im Allee-Center sagt, „es läuft mittelmäßig gut“. Einige „Meer-Wert-Becher“ gingen schon über den Tresen, aber längst nicht jeder Kunde würde einen nehmen. Schäfer sagt aber auch, dass die letzten Monate mehr verkauft wurden.

Oliver Platt glaubt, es werde über kurz oder lang sowieso darauf hinauslaufen, dass nur noch Mehrwegbecher benutzt werden, da der Gesetzgeber irgendwann eingreift. Bis dahin hofft Platt aber, dass möglichst viele „Meer-Wert-Becher“ verkauft werden.