Martinszug in Remscheid-Lüttringhausen 2018 ohne Wallach "Lancio"

Remscheid-Lüttringhausen: Martinszug ohne Wallach „Lancio“

Der Martinszug in Lüttringhausen findet ohne „Lancio“ statt. Das Pferd musste eingeschläfert werden.

Wenn am Freitag gegen 17.45 Uhr die mehr als 1000 Teilnehmer des traditionellen Martinszugs in Lüttringhausen zum Feuer auf der Wiese am Evangelischen Friedhof zusammenkommen, dann wird etwas anders sein als in den vergangenen Jahren. „Lancio“, der Westfalenwallach, der zuletzt die tragende Rolle des Pferds von Sankt Martin spielte, musste eine Woche vor seinem sechsten Auftritt beim Zug eingeschläfert werden. Jahrelang hatte eine Entzündung im Hufgelenk dem am Ende 17-jährigen Lancio zu schaffen gemacht.

Nicole Kortwig, die Besitzerin von Lancio, die all die Jahre so etwas wie die Sankt Martina in Lüttringhausen gab, versuchte alles, um Lancios Schmerzen zu lindern. „Die letzte Chance war im vergangenen Jahr ein Nervenschnitt“, berichtet Kortwig. Danach wurde es tatsächlich besser. Aber nur kurzzeitig. Die Probleme kehrten zurück. In der vergangenen Woche brachte eine MRT-Untersuchung traurige Gewissheit: „Lancio hatte ein Knochenmarködem. Es gab keine Möglichkeit mehr, ihm zu helfen“, sagt Kortwig schweren Herzens.

Den Vorschlag einer Operation lehnte sie ab. Die Erfolgsaussichten waren zu gering. Anschließend hätte Lancio nur noch unter Schmerzmitteln in der Box stehen können. „Aber Pferde sind Bewegungstiere. Das wäre kein Leben gewesen“, traf Kortwig die Entscheidung: „So sehr ich ihn auch lieb hatte – in so einem Moment darf man nicht egoistisch sein und muss an das Tier denken.“

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Mit Lancio verliert Kortwig einen treuen Begleiter. Und die Katholische Grundschule (KGS) Franziskus, die Grundschule Eisernstein und die Grundschule Adolf-Clarenbach einen ebenso wichtigen wie beliebten Bestandteil ihres Martinszugs. Denn ein Pferd zu finden, das wie Lancio bei all dem Trubel, all den Lichtern und all der Musik einer 1000-Teilnehmer-Veranstaltung ruhig und sanftmütig bleibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Sein „ruhiges Wesen“ hatte Nicole Kortwig gleich bei der ersten Begegnung mit dem Wallach bemerkt. Damals war Lancio drei Jahre alt gewesen und Kortwig hatte sich nach eigener Aussage „sofort in ihn verliebt“. Als dann vor sechs Jahren die Grundschule Eisernstein, auf die damals ihre Tochter Elisa-Marie ging, ein Pferd für den Martinszug suchte, wusste die Lüttringhausenerin, dass Lancio das hinbekommt.

Nach ein paar Übungen am Reitstall Am Nagelsberg, bei denen das Pferd den ruhigen Gang um ein Feuer kennenlernte, folgten dann die großen Auftritte. Bei den Martinszügen des Evangelischen Kindergartens Klausen, der Evangelischen Gemeinde Lüttringhausen – und eben der drei Lüttringhausener Grundschulen.

Letzterer wird in diesem Jahr turnusgemäß von der KGS Franziskus organisiert. Dort geriet Beate Wellershaus, die als Verwaltungsfachangestellte bei der Stadt im Sekretariat der Schule arbeitet und den Zug federführend auf die Beine stellt, bei der Nachricht von Lancios Tod „erst einmal ins Schleudern“. „Dank guter Kontakte einer Kollegin und des Schulvereins konnten wir für Freitag einen Reiter samt Pferd gewinnen“, gibt Wellershaus grünes Licht für den Martinszug. Das „Ersatzpferd“ ist bereits einige Male beim Zug in Hasten mitgelaufen. Die Teilnehmer treffen sich um 17.30 Uhr an den jeweiligen Schulen.

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