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Lydie Auvray in Remscheid: Französisches Flair im Minoritensaal

Lydie Auvray in Remscheid : Französisches Flair im Minoritensaal

Lydie Auvray und Markus Tiedemann begeisterten in der Lenneper Klosterkirche mit zuweilen atmosphärisch-sanften und dann wieder wilden Chansons und Liedern für Akkordeon und Gitarre.

Lydie Auvray strahlte unter ihrer Lockenmähne hervor wie die helle Sommersonne. Denn zum einen war der Empfang der rund 60 Besucher in der gut gefüllten Klosterkirche wirklich herzlich, als sie am Donnerstagabend das erste Chanson gespielt hatte. Aber zum anderen sei sie einfach nur dankbar und glücklich, wieder auf der Bühne stehen zu dürfen.

„Seit 187 Tagen sind wir nicht mehr aufgetreten – das tut jetzt wirklich gut“, sagte sie dann auch direkt. Was mit ihrem charmanten französischen Akzent noch entwaffnend-ehrlicher klang. Die Französin mit Kölner Wohnsitz hatte nicht nur ihr großes, weißes Akkordeon und ihren Gitarristen Markus Tiedemann mitgebracht, sondern auch einige neue und alte Stücke, die die Zuhörer nach Frankreich entführten und Corona einmal für knapp anderthalb Stunden Corona sein ließen. Auch das tat gut.

Lydie Auvray war bereits zum wiederholten Mal zu Gast in der Klosterkirche, und die Lenneper hatten die sympathische Blondine sehr ins Herz geschlossen. Das zeigte sich vor allem im dankbaren Applaus, den es für ausnahmslos alle Lieder gab, aber auch daran, dass immer wieder anerkennendes Gemurmel oder sonstige Sympathiebekundungen gen Bühne gingen. Das war ein Wiedersehen guter Freunde, von denen zwei tolle Musik mitgebracht hatten – und der Rest diese gerne hören wollte.

Das waren etwa ganz klassische Chansons mit französischem Gesang, wie etwa „Pour toi“, die Liebeserklärung an ihren Vater, der sie vor über 40 Jahren zum Akkordeon gebracht hatte. Oder, ganz anders, eine expressionistische Tondichtung in bester Smetana-Manier mit dem so simplen wie aussagekräftigen Titel „Das Meer“. Bei geschlossenen Augen fühlte, roch und spürte man das Meer und hatte den Minoritensaal für kurze Zeit verlassen.

Dabei war genau dieser Minoritensaal am Donnerstagabend irgendwie besonders schön und stimmungsvoll. Das mochte zum einen an der geschmackvoll und dezent ausgeleuchteten Bühne liegen, auf der Lydie Auvray und ihr musikalischer Sidekick in dezenten und warmen Farben angestrahlt wurden. Aber in erster Linie waren es die den Hygieneschutzregeln gemäß in Zweierreihen aufgestellten Sitzplätze. Denn dazwischen stand jeweils ein kleiner Hocker, auf dem die Getränke der Gäste Platz fanden. Dort standen aber auch jeweils eine kleine, rot leuchtende Lampe, die dem Saal den Charme eines urigen Cafés in einer französischen Hafenstadt verlieh. Im Halbdunkel wären nur Kerzen noch stimmungsvoller gewesen.

Das „Klavier der kleinen Leute“, wie Lydie Auvray ihre „Quetschkommode“ liebevoll bezeichnete, steuerte in seiner leidenschaftlichen Ehe mit der Gitarre Markus Tiedemanns das Seinige zur gelungenen Atmosphäre bei, während der französische Gesang der Musikerin beinahe schon zu selten zu Gehör gebracht wurde, da viele Lieder rein instrumental waren. Das war indes Jammern auf immens hohem Niveau. Denn alleine die Fingerfertigkeit, mit der Lydie Auvray und Markus Tiedemann ihre Instrumente bei Stücken wie „Nach dem Frühstück“, „Oublie-le“, „Sainte Anne“ mit seinem karibischen Flair oder dem wunderbaren, orientalisch angehauchten „Couscous à la Véro“ bearbeiteten, war eine Augen- und Ohrenweide.

Nach knapp anderthalb Stunden war der wunderbare Ausflug nach Frankreich mit den Zugaben „Für E. (Texto pour E.)“, „Tango terrible“ und Serge Gainsbourgs Gassenhauer „L‘accordéon“ – welches Stück könnte an dieser Stelle auch besser passen? – leider schon viel zu früh vorbei. Und dann ging man aus dem Minoritensaal in die recht kühle Lenneper Herbstnacht hinaus und dachte zufrieden bei sich: „Das hat jetzt wirklich gutgetan!“