Rudolf-Steiner-Schule: "Les Misérables" bewegte das Publikum

Rudolf-Steiner-Schule : "Les Misérables" bewegte das Publikum

Mit der Aufführung des Stückes "Les Misérables" von Victor Hugo lief ein Mammutprojekt über die Bühne der Rudolf Steiner Schule in Bergisch Born.

Die Bühnenfassung dieses, die sozialen Missstände des Paris im 19. Jahrhundert beschreibenden Stückes lieferte Cornelia Wagner. Die 11. Klasse (36 Schüler) stemmte es unter der Regie von Axel Ziemke weitgehend alleine mit allem Drum und Dran: von Schauspiel und Gesang über die Kulissen bis zu den Kostümen. Die Mühen hatten sich gelohnt. Zweieinhalb Stunden dauerte der erste Teil und nach der Pause noch einmal 40 Minuten. "Wir haben seit Ende August pro Woche sechs Schulstunden und die letzten zwei Wochen von 14 Uhr bis 19 Uhr geprobt", sagte Schauspieler Noah Nockher (Jean Valjean, Ansager von Ort und Zeit).

Über die Bühne lief vor einer gigantischen Kulisse das "miserable" (elende) Leben des ehemaligen Sträflings Jean Valjean, seiner Adoptivtochter Cosette, seines Verfolgers Inspektor Javert, des armen Studenten Marius und der unglücklich verliebten Eponine ab: opulent, phantasiereich und dramatisch. Die volle Aula erlebte herzzerreißende Szenen, spannende Auseinandersetzungen und besonders farbenprächtige Bilder. Die phantastischen Hintergrundbilder wurden auf eine LED-Wand projiziert, die sogar eine dreidimensionale Sicht auf das Geschehen ermöglichte. Trotzdem erschlugen die pro Szene abwechselnden, den Hintergrund völlig ausfüllenden Bilder das pralle Leben auf der Bühne nicht. Der Dank des Lehrers Udo Wehr ging hier besonders an das Team um Hausmeister Braun.

Der Kampf der revolutionären Studenten auf stilechte Barrikaden lief für die Zuschauer ab, als säßen sie beinahe mittendrin. Ein Szene in einem Abwasserkanal wirkte so räumlich, dass einem die Unterwelt der Stadt Paris eine Gänsehaut erzeugen konnte. Großartig. Die Schauspieler waren ganz bei der Sache. Einige spielten, als sei es ihr Leben - authentisch, empathisch und voller Energie. All das musste geübt werden. Jeder der Schauspieler hatte seine persönlichen Herausforderungen zu meistern. "Die größte Überwindung für mich war es, das erste Mal vor Publikum zu spielen und auch zu singen", sagte Lina Busch (Eponine, Prostituierte). Und für Lisa Reimann - sie spielte die glücklich verliebte Cosette - war es der Kuss mit dem Studenten Marius. Nockher setzte alles daran, "den Text so zu kennen, dass man sich aufs Spielen konzentrieren und sich auf der Bühne austoben kann". Angesichts der Tatsache, dass es Schüler waren, die spielten, war es eine begeisternde und bewegende Aufführung. Das zeigte der heftige Beifall des Publikums.

(RP)
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