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Lennep: Junge Familie flieht vor Schimmel

Wohnung in Lennep : Junge Familie flieht vor Schimmel

Daniel Berg und Stephanie Schönig sind mit ihrem Sohn Collin Ende 2018 in der Emil-Nohl-Straße 74 eingezogen. Die Wohnung ist allerdings von Schimmel befallen. Hilfe gab’s für die junge Familie nicht, die nun das Weite sucht.

Dezember 2018 zogen Daniel Berg und Stephanie Schönig mit ihrem gerade geborenen Sohn Collin in der Emil-Nohl-Straße 74 ein. Die 80-Quadratmeter-Wohnung im zweiten Stock, die sich über zwei Etagen verteilt, sah adrett aus. Doch die Freude der Familie währte nicht lange. Bald zeigte sich gerade an der Wetterseite des Mehrfamilienhauses Schimmel. Neben anderen Räumen ist die Küche an dem Laubengang des 30-Parteien-Hauses am intensivsten betroffen.

Überall brach sich der Pilz an feuchten Wänden Bahn. „Die Lebensmittel gehen kaputt, das Mobiliar können wir wegschmeißen“, sagt Daniel Berg. Zwischenzeitlich wurde desinfiziert, Anti-Schimmel-Farbe über die schäbigen braunen Stellen gepinselt. „Das war nicht mehr als Kosmetik. Gehalten hat es nicht mal ein halbes Jahr, dann kehrte der Schimmel zurück“, sagt der 27-Jährige. Der Maler habe ihm gleich gesagt: „Das sind bauliche Mängel, die werden sie so nicht nachhaltig beseitigen.“

Eine neue Dämmung aber mit Platten war dem Vermieter wohl zu teuer, mutmaßt Berg. Früher war die LEG Hausherr, im November übernahm die Velero-Gruppe. 2700 Wohnungen in NRW kaufte die Berliner Wohnungsgesellschaft im Auftrag, unter anderem in Remscheid. Daniel Berg und Stephanie Schönig überweisen die Miete seither an die Merlion Wohnen 4 GmbH. Einen neuen Mietvertrag haben sie noch nicht erhalten, sagen sie, wohl aber haben sie auf anwaltliches Anraten die Miete gekürzt. Erst um 40 Prozent, als sich bei der erneuten Schimmelbeseitigung nichts tat, um 50 Prozent. „Es kam bis heute keine Reaktion vom neuen Vermieter“, wundert und ärgert sich Daniel Berg.

Auch mit dem Hauswart für die Wohnblöcke am Hasenberg hätten sie mehrfach gesprochen. Ohne Erfolg. Nachdem sich die Zeitung eingeschaltet und beim Velero-Büro in Bochum angefragt hatte, tauchte diese Woche der Hauswart bei Berg/Schönig auf und schaute sich das Dilemma an. Eine offizielle Erklärung gab es freilich nicht. Auf der Velero-Homepage steht über das Selbstverständnis zu lesen: „Dabei sehen wir uns gegenüber unseren Investoren wie auch unseren Mietern als fairer und zuverlässiger Partner.“

Die Lenneper haben diese Erfahrung nicht gemacht. Es gäbe mehrere Wohnungen, die vom Befall betroffen seien. Dass Schimmel gesundheitsschädigend ist, erfährt das Paar am eigenen Leibe. „Wir fühlen uns oft schlecht.“ Beide beklagen Kopfschmerzen und denken an gesundheitliche Beschwerden, die sie schon vor dem Bezug der Wohnung plagten. Migräne bei ihr, Dystonie bei ihm. Dass die Lebenspartner nach 14 Monaten so schnell wie möglich umziehen wollen, liegt aber vor allem an Sohn Collin, jetzt anderthalb Jahre alt. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, erklären sie. Eine neue Wohnung haben sie – fast vis-à-vis von ihrer Eingangstür – in der Karl-Evang-Straße gefunden. Vermieter der Sozialwohnung ist die Gewag. Auch die neue Wohnung hat drei Zimmer, 80 qm und ist um 30 Euro günstiger als die 607 Euro, die sie an der Emil-Nohl-Straße zahlen.

Beide sind SGB-II-Empfänger und benötigten die Zustimmung des Jobcenters. Dort gab es grünes Licht für den Umzug. Mit einer dreimonatigen Kündigungsfrist wollen Berg/Schönig Ende Mai raus sein. Bis dahin möchte der gelernte Lagerlogistiker, der seit anderthalb Jahren arbeitslos ist, eine weitere Weiche gestellt haben, die Rückkehr ins Berufsleben. „Wir möchten wieder unser eigener Herr und nicht vom Staat abhängig sein.“