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Lennep: Eine tierisch jecke Gemeinde

Karneval in Lennep : Eine tierisch jecke Gemeinde

Die Evangelische Kirchengemeinde Lennep läuft in Tierkostümen beim Rosenmontagszug mit. Mit dem Motto „Arche Ahoi“ wird allerdings auch eine ernste Botschaft verbunden.

Zum zweiten Mal nach dem Reformations-Jubiläumsjahr 2017 beteiligt sich die Evangelische Kirchengemeinde Lennep am Rosenmontagszug. Nachdem die Christen vor drei Jahren mit Martin Luthers 95 Thesen unterwegs waren, heißt das Motto diesmal: „Arche Ahoi“. Mehr als 100 Anmeldungen von Gemeindemitgliedern zwischen einem und 88 Jahren hat Pfarrerin Antje Menn für die Fußgruppe, die sich in Tierkostümen zwar nicht über Wasser, aber auf einen Fußmarsch durch Lennep begibt.

Das Flaggschiff dazu wird gerade im Keller von Sebastian Kessler gezimmert. Zwei Meter lang, ein Meter breit und zwei Meter hoch wird es sein. Eine braune Arche Noah wird die Jecken begleiten. Nicht zum Besteigen, das Innere wird mit Kamelle gefüllt sein. Mit jeder Menge prickelndem Ahoj-Brausepulver. Am heutigen Samstag wird der Kasten zusammengebaut.

Eigentlich sollte dieser auf mehreren Bollerwagen ruhen und rollen. Die Lösung erwies sich aber als nicht praktikabel. Also wurde hin- und herüberlegt. Wie genau das Gefährt aussehen wird, bleibt ein kleines Geheimnis. „Es wird etwas ohne Dieselantrieb sein“, verspricht Christine Faßbach, die mit Ehemann Michael und der fünfjährigen Tochter Frieda zu der Schar gehören wird.

Die Freude am närrischen Treiben verbindet sich mit einer ernsten Botschaft. Schließlich steht die Arche Noah heute wieder mehr denn je als Symbol für Klimawandel und Umweltsünden. So hat sich die Gemeinde entschieden, die Luft nicht mit Abgasen zu belasten. Ihr Rettungsschiff wird mit eigener Muskelkraft über den Asphalt bergauf und bergab bewegt. „Schließlich haben wir genug Teilnehmer, die anpacken und sich abwechseln können“, sagt Pfarrerin Antje Menn und hat sichtlich Spaß bei dem Gedanken.

Seit neun Jahren ist die Theologin in Lennep und erlebt nun zum zweiten Mal, wie ihre Gemeinde über den Trubel eng zusammenrückt. „Alle sitzen in einem Boot“ – diese Vision hatte nicht nur für die Pfarrerin Charme. Die Idee, wieder mitzumarschieren und als Kirche mittendrin zu sein, wurde Anfang 2019 im Familiengottesdienst geäußert. „Damals hatten wir jedoch nur noch vier Wochen Zeit und das war zu knapp“, sagt die 46-jährige Pfarrerin.

Also vertagte sich die Gemeinde auf dieses Jahr. Genügend Vorlauf war da, um die Arche vom Stapel laufen zu lassen. Eingebracht worden war der Gedanke von Musikpädagogin Annegret Oppelcz, die mit einem umgetexteten „Old MacDonald had a farm“ ein Bewegungslied für Kinder beisteuert. Während im Lutherjahr das Nähen der Kutten vielen Freiwilligen über viele Samstage viel Schweiß auf die Stirn trieb, fällt die Verkleidung am Rosenmontag, 24. Februar, schon deutlich leichter.

Jeder trägt eigene Sachen. Die drei Faßbachs sind als Schafe unterwegs, Antje Menn als Eisbär. Aber auch Schmetterlinge, Tiger, Frösche, Bienen, Pinguine und Giraffen reihen sich in den närrischen Lindwurm ein.

Für Musik wird der Evangelische Posaunenchor Lüttringhausen unter Leitung von Jürgen Kammin sorgen, Gas geben wird auch der Kinderchor der Gemeinde mit Trommeln und Rasseln. Deren Leiterin Karin Hilger hat mit „Tanzen, ja Tanzen“ zudem ein Lied vorbereitet.

Eifrig wird an Plakaten gebastelt. Vorneweg steht das Banner „Bewahrt Gottes Schöpfung“, aber auch Appelle wie „Schluss mit Plastik“ werden auf der Zugstrecke in die Höhe gereckt. Den Begriff „Ahoi“ haben die Lenneper mit Bedacht gewählt. Er steht nicht nur für den Seemannsgruß, sondern ist auch ein Warnsignal.

Im meist gut besuchten Familiengottesdienst sonntags um
11.15 Uhr im Gemeindehaus Hardtstraße laufen die Fäden zusammen. Hier wird geprobt, hier greift die Theologin das Arche-Thema auch inhaltlich auf.

Der Countdown läuft, das Fieber steigt. „Es ist toll, die Perspektive zu wechseln und nicht nur am Straßenrand zu stehen“, sagt Christine Faßbach. Dabei nehmen die Teilnehmer hilfreiche Erfahrungswerte von 2017 mit. „Kamellewurf muss gelernt und dosiert sein, damit nicht nach 100 Metern alles rausgehauen ist“, sagt Antje Menn.

Die Wartezeit, bevor sich der Zug in Bewegung setzt, und die Wegstrecke sind lang. Deshalb gilt: „Man sollte satt sein, bevor man marschiert“, rät Menn. Im Übrigen wird die Ahoj-Brause nicht geworfen, sondern den Narren in die Hand gedrückt. „Wir wollen vermeiden, dass was auf dem Boden als Müll zurückbleibt.“ Zum Umweltbewusstsein passt, dass die Initiatoren bei ihrem Wurfmaterial etwas gesucht hatten, das nicht in Plastik verpackt ist.

Dass die Gemeinde bei der Begeisterung, die rund um die Teilnahme am Lenneper Zug ausgebrochen ist, noch einmal drei Jahre bis zum nächsten Mal warten wird, davon ist nicht auszugehen. Zugchef Gunther Brockmann wird dies sicherlich freuen.