Remscheid: Landgericht: Viereinhalb Jahre für Todesschläge

Remscheid : Landgericht: Viereinhalb Jahre für Todesschläge

Der Anfang 50-jährige Trinker wurde am Montag verurteilt. Mit dem Opfer hatte er eine sexuelle Beziehung gepflegt.

Das "sehr maßvolle" Urteil, so der Vorsitzende Richter der fünften Großen Strafkammer am Wuppertaler Landgericht, solle der Angeklagte als große Chance verstehen. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge wurde der alkoholkranke Mann zu vier Jahren und sechs Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt wurde angeordnet, bis dahin muss er in Haft. Damit schloss sich die Kammer der Forderung der Staatsanwaltschaft an.

Bei entsprechender Mitarbeit bestünde für den Anfang 50-Jährigen die Möglichkeit, sich "von seinem perspektivlosen Leben als Trinker" zu lösen. Wie berichtet, hat der Täter kurz vor Weihnachten 2012 seinen ebenfalls alkoholabhängigen Freund, mit dem er eine sexuelle Beziehung pflegte, drei Mal heftig ins Gesicht geschlagen. Der Mann ging zu Boden und verstarb eine knappe Woche später an den Folgen einer Gehirnblutung und einer nachfolgenden Lungenentzündung im Krankenhaus.

Grund für die Schläge waren wohl recht nachdrückliche Forderungen des späteren Opfers nach Geschlechtsverkehr. Dies habe den Beschuldigten derart genervt, so dass er schließlich zuschlug. "Die impertinente Art des Opfers mag eine Rolle gespielt haben", hieß es in der Urteilsbegründung. Unstrittig ist auch, dass der wegen Körperverletzung bereits vorbestrafte Täter alkoholbedingt enthemmt war und generell in Konfliktsituationen dazu neige, die Kontrolle zu verlieren.

Ursächlich für die schweren Verletzungen seien die Schläge gewesen, auch gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass andere Personen beteiligt gewesen seien. Der Angeklagte habe sich kümmern wollen, doch habe sein Freund, der zunächst noch ansprechbar gewesen war, ihn mit den Worten "Hau ab" weggeschickt. "Niemand hat angenommen, dass er das Opfer töten wollte. Es war ein momentanes, spontanes Geschehen unter Einfluss von Alkohol", sagte der Richter.

Insofern wertete die Kammer die Tat als minder schweren Fall. Berücksichtigt wurde dabei das frühe Geständnis des Täters und seine Einsicht, dass er seine Alkoholerkrankung in den Griff bekommen muss. Im Gerichtssaal wollte der Angeklagte allerdings nicht auf Rechtsmittel verzichten, obwohl ihn sowohl der Richter als auch seine Verteidigung auf die Chancen, die ihm das Urteil bietet, eindringlich aufmerksam machten.

Sollte er Revision einlegen, würde das Verfahren möglicherweise erneut aufgerollt. Bis dies entschieden bzw. terminiert ist, müsste der Mann ins Gefängnis.

(bona)