Kunterbunte Popcorn-Unterhaltung

Musical: Evergreens aus der Musical-Kiste

Im fast ausverkauften Teo Otto Theater wurde das Erfolgsmusical rund um die patente Heiratsvermittlerin Mrs. Dolly Levine gezeigt. Die Kölner Symphoniker begleiteten den Abend.

Schon bevor der Vorhang fiel, und noch während das Ensemble der Kölner Symphoniker im Orchestergraben zum letzten Mal die Instrumente stimmte, merkte man, dass das Remscheider Publikum im nahezu ausverkauften Teo Otto Theater richtig Lust auf gute Popcorn-Unterhaltung hatte. Am Freitagabend war die Kammeroper Köln in Remscheid zu Gast und präsentierte das Erfolgsmusical „Hello, Dolly!“, das den Broadway im Jahr 1964 eroberte. Basierend auf Thornton Wilders Schauspiel „The Matchmaker“ wurde die liebevolle Geschichte rund um die patente, aber etwas einsame New Yorker Heiratsvermittlerin Mrs. Dolly Levin (mit beiden Beinen im Leben: Stephanie Tschöppe) erzählt, die vom Eigenbrötler Horace Vandergelder (herrisch: Timo Hübsch) beauftragt wird, ihn zu vermählen. Und es machte richtig Spaß, diesem gut aufgelegten Ensemble zuzusehen, bei dem zwar grippebedingt Alishia Funken nicht die Rolle der Ermengarde übernehmen konnte, allerdings hervorragend von Rebecca Kneer ersetzt wurde.

Gleich als sich der Vorhang öffnete, und das Ensemble die ersten Töne von „Call On Dolly“ (dt.: „Komm zu Dolly“) anspielte, war man einmal mehr in jener besonderen Welt gefangen, die nur dem Musikschauspiel oder Musical zugehörig ist. Im Bühnenhintergrund war mit Neonleuchten die Silhouette von New York zu sehen, ein simples, aber effektives Bühnenbild. Das Ensemble spielte punktgenau, während der Gesang der Schauspieler dank der Mikrophone auch bei lauteren Stellen gut zu verstehen war. So konnte man auch ohne Vorkenntnisse der Handlung gut folgen, die sich ein Stück mehr an der Verfilmung des Stoffes von Regisseur Gene Kelly orientierte, als an der ursprünglichen Musicalversion.

Vandergelder war nicht gerade der sympathischste Charakter, das wurde schnell klar. Etwa wenn er sich breitbeinig und mit der Flinte hinsetzte und seinen beiden Angestellten Barnaby (linkisch und unerfahren: Tyler Steele) und Cornelius (draufgängerisch, aber ebenfalls unerfahren: Kevin Dickmann) nicht einen einzigen freien Abend in der Woche gönnte.

Seine Nichte Ermengarde (süß und, nun, unerfahren: Rebecca Kneer) hatte ebenfalls nicht viel zu melden, heiraten durfte sie ihren Verlobten Ambrose Kemper (hoffnungsvoll: Cornelius Engelmann) schon dreimal nicht. Als Vandergelder jedoch nach New York fuhr, um sich mit Irene Molloy (selbstbewusst: Marina Pechmann), einer potentiellen zukünftigen Ehefrau, in deren Laden zu treffen, überschlugen sich die Ereignisse.

Denn Barnaby und Cornelius nutzten die Gelegenheit der Abwesenheit ihres Chefs, um ihrerseits in den „Big Apple“ zu fahren und dort ein wenig Spaß zu haben. „Ein Mädchen zu küssen“, war das Ziel. Und wie es der Zufall wollte, landeten die beiden direkt im Hutladen von Irene Molloy. Alles läuft auf ein Happy End zu.

Bei aller schauspielerischer Klasse des Kölner Ensembles, lebte das Musical natürlich hauptsächlich von den Songs, die sowohl von den Musikern unter der Leitung von Inga Hilsberg timingsicher und mit viel Leidenschaft gespielt, als auch von den Schauspielern auf lebendige Weise dargeboten wurden. Dazu kamen die stringente Inszenierung von Holger Müller-Brandes und die teils verrückten, teils einfach nur schönen Kostüme von Almut Blanke. Und nicht zuletzt war man beeindruckt, wenn alle Akteure gleichzeitig loslegten.

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