Kummertelefon beim Kinderschutzbund in Remscheid

Kummertelefon beim Kinderschutzbund : Hilferuf im Moment großer Not

Der Kinderschutzbund sucht Unterstützung für die „Nummer gegen Kummer“. Ehrenamtliche werden ab dem Sommer ausgebildet.

Wenn in dem kleinen, gemütlichen Raum in der alten Villa das Telefon klingelt, dann wissen die Mitarbeiter des Kinderschutzbundes nie, was sie erwartet. Manchmal sind es Jugendliche, die kichernd Pizza bestellen. Manchmal sind es obszöne Anrufe oder Kinder, die einfach mal die Nummer testen wollen. Aber manchmal ist es auch ein junges Mädchen, das weinend berichtet, dass sich ihre Freundinnen gegen sie gewendet haben. Dass sie sich nicht mehr in die Schule traut, weil sie dort Anfeindungen ausgesetzt ist. Sie kann deswegen nicht mehr schlafen, nicht mehr essen, nicht mehr lachen. Und sie weiß nicht, mit wem sie darüber reden soll. Oder es ist ein Achtklässler, der gerade von seinen Eltern Tablet-Verbot bekommen hat und nicht weiß, wohin mit seiner Wut, weil ihm nur noch ein letzter Kampf im letzten Level des Computerspiels fehlte.

Irgendwo haben diese Kinder und Jugendlichen dann das kleine Kärtchen des bundesweiten Kinder- und Jugendtelefons gefunden und sie wählen die „Nummer gegen Kummer“. Junge Anrufer aus ganz Deutschland landen in dem Büro des Kinderschutzbundes in Remscheid – die Telekom vermittelt. „Das Telefon klingelt pausenlos“, sagt Karl-Richard Ponsar, Vorsitzender des Kinderschutzbundes in Remscheid.

Die Themen sind so vielfältig wie das Leben selbst. Regelmäßig werde die Nummer auch für Scherz- oder Testanrufe genutzt, wissen die Ehrenamtlichen des Kinder- und Jugendtelefons. „Das darf man dann nicht persönlich nehmen“, sagt Andrea Homfeld, Koordinatorin des Angebots. Dann beginnt sie von jenen Gesprächen zu erzählen, die als Scherz begannen und in der Beratung endeten. „Dann konnten wir Jugendlichen vermitteln: Das ist eine gute Nummer, hier kannst du anrufen“, sagt sie. Diese Gelegenheit nutzen in Krisensituationen viele Kinder und Jugendliche zwischen neun und 18 Jahren.

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Und die Ehrenamtlichen hören zu und fragen nach. „Nie von oben herab“, sagt Andrea Homfeld, „und wir servieren auch keine Lösungen.“ Stattdessen gehe es darum, auf die Stimme der Anrufer zu hören, ihre Not zu erkennen, Verständnis zu schenken. „Viele Kinder und Jugendliche haben in ihrem Alltag zu wenig Gelegenheit, gehört zu werden“, sagt Andrea Homfeld, „es gibt aber einen großen Redebedarf, und wir geben ihnen ein Ohr.“

Das dauert mal zehn Minuten, aber eben auch mal anderthalb Stunden. Mal können Verweise auf Vertrauenslehrer oder Großeltern helfen, auf Beratungsstellen in den jeweiligen Städten. Manchmal signalisiere die Veränderung der Stimmlage aber auch, dass es einfach geholfen habe, reden zu dürfen. Dann müssen die Ehrenamtlichen loslassen: „Wir sind niederschwellig angelegt“, erklärt Karl-Richard Ponsar. Beim nächsten Anruf landet der Jugendliche in einem anderen Beratungsbüro, Zweitgespräche gibt es nicht. „Aber bei uns sucht auch keiner Freundschaft, sondern Hilfe im Moment der Not“, erklärt Ponsar.

Weil das an den Ehrenamtlichen aber nicht immer spurlos vorbeigeht, gibt es regelmäßige Supervisionstermine, bei denen sich die Freiwilligen austauschen. „Und man darf das Telefonat auch beenden oder sich während der Schicht eine Pause gönnen“; sagt Ponsar, „hier muss niemand funktionieren wie in einem Callcenter.“

Aktuell sind acht Ehrenamtliche für das Kinder- und Jugendtelefon im Einsatz – die Schichten dauern jeweils drei Stunden. „Wir haben auch Leerzeiten“, sagt Andrea Homfeld.

Weil der Kinderschutzbund in Remscheid aber gerne die Zeiten der bundesweiten Nummer gegen Kummer – montags bis freitags von 14 bis 20 Uhr – besetzen würde, suchen die Fachleute nun nach weiteren Ehrenamtlichen, die das engagierte Team unterstützen möchten. „Ein bisschen Humor und Bodenständigkeit sollten Interessierte mitbringen“, sagt Andrea Homfeld. Die theoretische und praktische Ausbildung übernimmt ab Sommer der Kinderschutzbund.