Remscheid: Kulturbörse zeigt schillernde Vielfalt - Kulturschaffende knüpfen neue Kontakte

Remscheid : Kulturbörse zeigt schillernde Vielfalt - Kulturschaffende knüpfen neue Kontakte

Im Teo Otto Theater boten Kulturschaffende zwei Tage Einblick in ihr Angebot. Kostenproben weckten viel Interesse.

Kultur pur in vielerlei Facetten gab es am Wochenende im Teo Otto Theater zu erleben. Die erste Kulturbörse Remscheid brachte Kulturschaffende zusammen und zeigte den Besuchern den Ideenreichtum der Kulturszene vor Ort. Wobei gerade der angestrebte gegenseitige Austausch als erklärtes Ziel der Veranstaltung erreicht wurde. "Das Laufpublikum hat vielleicht ein bisschen gefehlt. Aber das Gespräch untereinander - dieser Teil hat auf jeden Fall funktioniert", sagte Anna Winkels, Kulturmanagerin der Lenneper Klosterkirche, die mit ehrenamtlicher Unterstützung an einem Stand das aktuelle Programm präsentierte. Wie bei einer Messe stellten die Teilnehmer sich und ihr Angebot vor.

Mitorganisatorin Claudia Sowa ist Intendantin des WTT. Foto: HN (archiv)

Dass es im Stadtteil Lüttringhausen sogar einen Verlag gibt, erfuhren diejenigen, die davon bisher noch nicht gehört hatten, von Michael Itschert. "Bei der Nacht der Kultur bin ich als einer der Veranstalter so eingebunden, dass ich mich bei anderen Institutionen nie umschauen kann. Das ist mir jetzt bei der Kulturbörse gelungen", sagte der Inhaber des Gardez-Verlags.

Gleich nebenan präsentierten verschiedene bildende Künstler ihre Arbeiten. An anderer Stelle wurde fotografiert oder per Videoanimation das aktuelle Programm des Teo Otto Theaters vorgestellt. Durch die Vielfalt der Anbieter profitierten letztlich alle, zeigte sich Stefan Steinröhder, Leiter der städtischen Musik- und Kunstschule, mit dem Verlauf der Börse sehr zufrieden. "Wir erreichen hier ein Klientel, das sonst vielleicht gar nicht auf uns aufmerksam würde. Zum Beispiel sind verschiedene Senioren auf uns zugekommen und haben sich erkundigt, ob wir auch Musikunterricht für Ältere anbieten."

Nicole Hauser-Grüdl, Leiterin des Kommunalen Bildungszentrums, freute sich, dass die Stadtbibliothek weitere ehrenamtliche Lesepaten gewinnen konnte. Neben den bekannten Kulturinstitutionen, wie etwa die Bergischen Symphoniker, die Kraftstation oder die Akademie Remscheid, waren es gerade die Nischenangebote, die auf sich aufmerksam machen konnten. So bezauberte Markus Heip mit seinem "Durchsholzer Marionetten- und Puppentheater", mit dem er bislang noch nicht an die breite Öffentlichkeit herangetreten war. Mit einer Kofferbühne zieht er durch Kitas und Grundschulen und besucht Kindergruppen. Diese Faszination fürs Puppenspiel teilten auch bei der Kulturbörse viele kleine und große Besucher. Auch kurze Vorträge, Lesungen und Tanzdarbietungen auf der Kostprobenbühne fanden ein Publikum. "Um Kontakte zu knüpfen ist die Veranstaltung ideal", sagte Letizia Chioni. Einzig an der "Ästhetik" gebe es vielleicht noch Verbesserungspotenzial, befand die Lehrerin für Kunst und Italienisch. Wobei der offene "Basar-Charakter" genau das war, was die Veranstalter angestrebt hätten, sagte Mit-Organisatorin Claudia Sowa.

Claudia Sowa ist Mit-Organisatorin und Mit-Initiatorin der ersten Remscheider Kulturbörse. Die Intendantin des Westdeutschen Tourneetheaters zog ein rundum positives Fazit der Premierenveranstaltung am Wochenende im Teo Otto Theater.

Frau Sowa, wie ist Ihr Eindruck von der Resonanz auf die erste Kulturbörse?

Sowa Sehr positiv. Gleich nach Eröffnung strömten die Leute ins Theater. Ich habe mich immer wieder an den Ständen erkundigt: Natürlich kamen auch die Freundeskreise und Fans der jeweiligen Institution. Aber genauso waren Kulturinteressierte da, die sich einfach mal umschauen wollten.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Zuspruch der Teilnehmer? Es ist es Spiegelbild der Remscheider Kultur?

Sowa Als wir die Idee geboren haben, wären wir mit 15 bis 20 Teilnehmern sehr zufrieden gewesen. Nun sind es 36 geworden und wir hatten sehr schnell viele Anmeldungen. Was mich aber besonders freut, ist die Vielfalt. Von der Bildungseinrichtung bis zum Maler zeigt die Kulturbörse ein breites Spektrum von Kulturanbietern in Remscheid. Für Besucher ist das also eine gute Gelegenheit, das alles einmal auf einen Blick zu erleben.

Ziel war ja genauso die Vernetzung zwischen den Kulturschaffenden. Ist dies auch gelungen?

Sowa Ja, ganz bestimmt. Ein Beispiel sind die neu geknüpften Kontakte zwischen städtischen Einrichtungen und freien Trägern. Da lief die Arbeit in der Vergangenheit aus meiner Sicht eher parallel als miteinander ab. Bei der Kulturbörse haben sie sich jetzt zueinander gesellt und sind ins Gespräch gekommen. Ich hoffe, dass daraus künftig neue Projekte entstehen.

Die Veranstaltung auf zwei Tage auszudehnen, war auch die richtige Entscheidung?

Sowa Ja, denn der Aufwand war schon erheblich. Für einen Tag hätte sich das nicht gelohnt. Und so hatten wir Zeit, viele verschiedene Dinge anzubieten. Der Workshop zum Thema Kulturförderung zum Beispiel, war für die Vertreter der Kulturszene sehr interessant.

Wird es also eine zweite Kulturbörse in Remscheid geben?

Sowa Davon gehe ich aus. Wir haben angedacht, die Veranstaltung alle zwei Jahre anzubieten und möglicherweise auch aufs Bergische Land auszuweisen. Überregional mehr zu netzwerken, wäre auch schön.

MIT CLAUDIA SOWA SPRACH BM-MITARBEITERIN STEFANIE BONA.

(RP)
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