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Ansichtssache: Kultur ist keine graue Maus

Ansichtssache : Kultur ist keine graue Maus

Wenn die drei Oberbürgermeister aus Remscheid, Solingen und Wuppertal plus Kämmerer und Kulturdezernenten sich zusammensetzen, um sich Gedanken über die Entwicklung des Kulturraums Bergisches Land zu machen, ist von Natur aus Skepsis geboten. Zu ambivalent und zu verspannt ist das Verhältnis der drei Städte zueinander, als dass man nun das Hohelied auf zukünftige Kooperationen singen könnte, wie es die Oberbürgermeister gerne tun würden. Was die Stadtoberhäupter eint, ist das Interesse, mehr Geld aus den Fördertöpfen in Düsseldorf, Berlin und Brüssel zu holen. Das können sie nur gemeinsam als strategische Partner. Insofern darf man gespannt sein, mit welchen Premiumprojekten man demnächst Förderanträge stellen will.

Im täglichen kleinen kulturellen Grenzverkehr gibt es bereits einige Kooperationen. Das bergische Abo zum Beispiel, dessen Aufnahmefähigkeit wegen zu hoher Nachfrage inzwischen erschöpft ist. Oder die Bibliotheken arbeiten über einen Verbund kundenfreundlich miteinander. Auch bei der Projektförderung betritt man kein Neuland. Seit Jahren gibt es die Programme der regionalen Kulturförderung. Unterstützt werden Initiativen, wenn sich Kulturschaffende aus den drei Städten zusammentun. Ein Run auf die Fördertöpfe ist nicht zu verzeichnen.

Es wäre ein großer Gewinn für alle Bürger, wenn es am Ende zu einem Perspektivwechsel auf die Bergische Kultur kommt. Wenn verstärkt in den Blick gerückt wird, wie reichhaltig das Angebot ist, wie lebendig die Kulturszene arbeitet - trotz aller Unterfinanzierung. Ein solcher Imagewechsel würde auch den Grauschleier der ewigen Spardiskussionen etwas lüften und ein neues Selbstverständnis wecken. Die bergische Kultur ist keine kleine graue Maus.

(RP)