Remscheid: Künstlerquartier wird immer lebendiger

Remscheid : Künstlerquartier wird immer lebendiger

Immer mehr kreative Köpfe aus der Umgebung mieten sich in Honsberg ein. Das zeigte ein Rundgang im Rahmen des "Kultur-Tödders" am Dienstagabend. Der Kreativität sind in dem besonders bunten Stadtteil keine Grenzen gesetzt.

REMSCHEID Ein Jahr lang war Simone Kirsch das bunte Künstlerviertel in Remscheid nicht aus dem Kopf gegangen. Wenn sie in ihrem kleinen Atelier in Köln saß und ihre Drucke entwarf, dachte sie manchmal an ihren Besuch in Honsberg zurück, bei dem sie die Kunstwerkstatt "Ins Blaue" kennengelernt hatte und das Projekt, das in dem besonders bunten Stadtteil entsteht. Eines Tages nahm sie schließlich den Hörer zur Hand und traf eine Entscheidung: In den nächsten Wochen zieht Simone Kirsch mit ihrem Atelier in das Künstlerquartier. "Das ist ein besonderer Ort", betont die junge Künstlerin, "und ich möchte ein Teil davon sein".

Wie ihr geht es auch anderen Künstlern in der Region. Mit sechs weiteren kreativen Köpfen sei der Verein "Ins Blaue" im Gespräch, sagt Mitinitiatorin Katja Wickert. Auch sie könnten einen Platz in Honsberg finden. Musik und Theater, Malerei und Kunsthandwerk: Der Kreativität sollen keine Grenzen gesetzt sein. Das betont Katja Wickert auch am Dienstagabend. Zum zweiten Mal findet der "Kultur-Tödder", den Meike Utke vom "Büro für Regionale Kulturpolitik" ins Leben gerufen hat, in Honsberg statt. Kunstschaffende und Vertreter von Kunstvereinen und -initiativen aus der Region sind in Remscheid zu Gast - und sehen sich um.

Katja Wickert und Mariusz Mateja führen die Gästen einmal durchs Quartier, beginnen in der "Art Gallery" und machen sich dann bei bestem Wetter auf den Weg. "Kreative Menschen mit Ideen sind bei uns willkommen", sagt Katja Wickert, "hier gibt es den Raum." Das gilt für das "Ministerium für harte Kunst", Studenten, die in Honsberg einen Ort für ihr Theater gefunden haben. Das gilt aber auch für Eva Zimmerbeutel, die vor einem der alten Gewag-Gebäude in der Sonne sitzt. Die Textildesignerin hat mit ihrem Label einen Platz in Honsberg gefunden. In einer der alten Wohnungen, die inzwischen zum Atelier umgebaut wurde, hat sie ihre Webrahmen aufgestellt. Hier entsteht die Kunst, die sie über "Effi Homecotoure" vertreibt.

Und abends, nach getaner Arbeit, sitzt sie dann eben mit Yannick Zwinscher und Steffanie Bieletzki in der Sonne. Die beiden sind Musiker und haben im Künstlerquartier nicht nur einen Probenraum gefunden, sondern auch ein kreatives Zuhause für ihre Projekte. "Gemeinsam stellen wir vom 24. bis 26. August ein Musikfestival auf die Beine", erzählt Mariusz Mateja. Während die Nummern 14 bis 18 an der Halskestraße noch abgerissen werden sollen, haben die Ehrenamtlichen in den Gebäuden 20 bis 26 schon kräftig mit angepackt. Hier ist ein kleiner Saal entstanden, in dem Konzerte, Lesungen und Ausstellungen stattfinden können.

Neben den Ateliers, die in den Gebäuden entstehen, ist eine Art Hostel geplant, um Künstlergästen auch Bett und Frühstück zu ermöglichen. Noch laufen die Verhandlungen mit der Gewag, aber es gebe bereits Einigkeit, sagt Katja Wickert. Der Verein wird die Wohnungen mieten und an Künstler weitervermieten. Bisher steht die Arbeit auf ehrenamtlichen Beinen, aber die Initiative träumt von einer hauptamtlichen Stelle. "Wir brauchen also Geld", sagt Katja Wickert. Wer die Initiatoren auf Ideen anspricht, der sieht, wie es zu sprudeln beginnt.

Es solle noch mal ein Projekt mit Graffiti-Künstlern geben, erzählt Mateja, damit das Viertel noch bunter werde. Musik, Theater, Malerei werden zum Gesicht des Quartiers. Und die Nachbarn? "Wir beziehen die Menschen mit ein", sagt Mateja, "wir wollen kein Fremdkörper sein." Schließlich sei es Sinn und Zweck des Projekts, das Zusammenleben der Menschen noch schöner zu machen.

(resa)
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