Kornbrennerei Tillmanns in Bergisch Born Ein liebevoll hergerichtetes Kleinod

Serie | Bergisch Born · In Bergisch Born, direkt an der Grenze zwischen Remscheid und Wermelskirchen, war bis 1986 Tillmanns Kornbrennerei. Architekt Ralf Pohl hat das Denkmal in viel Eigenleistung zum Wohnhaus umgebaut.

Zufällig entdeckte Ralf Pohl die ehemalige Kornbrennerei in Bergisch Born und war direkt verliebt. Zwei Jahre später kaufte er das Gebäude.

Zufällig entdeckte Ralf Pohl die ehemalige Kornbrennerei in Bergisch Born und war direkt verliebt. Zwei Jahre später kaufte er das Gebäude.

Foto: Jürgen Moll

Es ist doch ganz oft so: Die echten Kleinode, die wirklichen Schätze, findet man nicht auf Anhieb und offen ausgebreitet. Und so verwundert es nicht, dass die ehemalige Kornbrennerei der Familie Tillmanns in Bergisch Born etwas zurückgelegen von der Straße liegt. Dabei ist es vor allem dem Architekten Ralf Pohl zu verdanken, dass aus dem Gebäude, dessen Wurzeln mindestens bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückreichen, heute dieses liebevoll hergerichtete Kleinod geworden ist. „Ich habe 1994 bei einem Umzug mitgeholfen – direkt gegenüber. Und dann bin ich auf die alte Kornbrennerei aufmerksam geworden“, sagt Pohl. Der heute 65-jährige Architekt ist sofort verliebt.

Was vielleicht seltsam anmuten mag, denn das Gebäude steht seit 1986 leer, es verfällt langsam. „In den 1970er Jahren hat der letzte Tillmanns, Walther Tillmanns, die Dampfkornbrennerei und Likörfabrik an den Düsseldorfer Familienbetrieb Möllers verkauft, die haben 1986 die Produktion eingestellt“, sagt Pohl. Seitdem ist das Gebäude der Witterung ausgesetzt – obwohl es ab 1992 auf der Liste der Baudenkmäler der Stadt Remscheid steht. Bis die ehemalige Kornbrennerei in den Besitz Pohls übergeht, sollten allerdings noch zwei Jahre vergehen. „Es war nicht ganz einfach und hat einige Zeit in Anspruch genommen. Aber 1996 war es dann soweit“, sagt Pohl. Als erstes hat er im vorderen Bereich des Gebäudekomplexes die Wohnungen restauriert. „So konnten Mieteinnahmen generiert werden“, sagt er.

Anfang 2000 haben dann die Renovierungsarbeiten an der eigentlichen Kornbrennerei beginnen können. „Als ich meinen Freunden erstmals davon erzählt habe, habe ich einen Grillabend im heutigen Garten hinter der Brennerei veranstaltet. So richtig geglaubt hat mir da niemand“, erinnert er sich lachend. Zuerst sei das Obergeschoss hergerichtet worden. „Man kann sich das kaum vorstellen, aber es war eine einzige Ruine hier. Für mich als Architekten war das natürlich ein Traum, auch wenn ich diesen Traum vorher noch nicht hatte“, sagt der 65-Jährige. Aber in dem Moment, als er durch ein zerbrochenes Fenster in die verfallene Brennerei gekommen sei, sei ihm klar geworden, dass er den Traum umsetzen wolle.

Die Dampfkornbrennerei bezog das Quellwasser für den Korn direkt auf dem Grundstück aus einem Brunnen.

Die Dampfkornbrennerei bezog das Quellwasser für den Korn direkt auf dem Grundstück aus einem Brunnen.

Foto: Jürgen Moll

Heute, über 20 Jahre später, ist das riesige Gebäude allerdings immer noch nicht ganz fertig. „Wir haben alles, was wir brauchen. Unser Lebensmittelpunkt ist die Wohnküche im ehemaligen Produktionsbereich der Kornbrennerei“, sagt Pohl. Er wisse gar nicht mehr, wie viele Arbeitsstunden er in die Renovierung gesteckt habe. „Es müssen aber Zehntausende gewesen sein – jede freie Minute war ich hier“, sagt er. Eingezogen ist er am 19. Dezember 2001, nach knapp zwei Jahren Arbeit. „Dann war das Obergeschoss fertig. Wir haben uns dann von oben nach unten vorgearbeitet“, sagt Pohl. Der Druck, die Räume fertigzustellen, sei mittlerweile nicht mehr so hoch. „Mein großes Hobby, mein Ein und Alles hier, ist der Garten. Dort bin ich immer, wenn es das Wetter und die Zeit erlauben“, sagt Pohl. Und ergänzt schmunzelnd: „In den vergangenen drei Sommern also sehr viel.“ Entsprechend langsam sei es dann im Inneren vorangegangen.

Als Architekt kenne er sich mit dem Thema Denkmalschutz natürlich gut aus. „Ich weiß, was da nötig ist, was man beachten muss – und warum das wichtig ist“, sagt er. Entsprechend gut sei daher auch die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen der Denkmalschutzbehörde in Remscheid. „Aktuell möchte ich im Außenbereich, an der Wand, an der früher der große Wasserbottich für die Wasserversorgung des Hauses und der Fabrik befestig war, eine Außentreppe anbringen. Im Obergeschoss wohnt meine Tochter mit ihrem Freund, dort soll ein eigener Eingang gemacht werden – und dazu muss ein Fenster zur Tür umgebaut werden“, sagt Pohl. In Absprache könne das alles entsprechend den Vorgaben gemacht werden.

 In Bergisch Born wird schon seit 1986 nicht mehr gebrannt.

In Bergisch Born wird schon seit 1986 nicht mehr gebrannt.

Foto: Jürgen Moll

Eigentlich hätte aus dem Gebäude übrigens gar kein Wohnhaus – und nebenbei das Architekturbüro Pohls sowie das Kosmetikstudio seiner Frau – werden sollen. „Ich hatte damals eine ganz andere Idee. Zusammen mit einem Freund wollte ich aus dem Gebäude eine Kneipe machen“, sagt Pohl. Die Pläne seien sogar schon recht konkret gewesen – und bei der Stadtverwaltung sogar auf Zustimmung gestoßen. „Es ist im Grunde genommen dann nur an einer Kleinigkeit gescheitert – wir hätten nicht genügend Parkplätze gehabt“, sagt Pohl. Dann ergänzt er nachdenklich: „Das Leben wäre ganz und gar anders verlaufen, wenn das möglich gewesen wäre.“

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