Remscheid: Kopfüber die Gefahr erleben

Remscheid : Kopfüber die Gefahr erleben

Der Aktionstag "Junge Fahrer" sensibilisiert Auszubildende für Unfallursachen und Unfallfolgen im Straßenverkehr. Vor allem der Überschlagsimulator beeindruckt die jungen Teilnehmer.

Das Brechen der Frontscheibe ist deutlich zu hören. Der Kopf und der Oberkörper des Fahrers sind mit einer Decke bedeckt, damit die Splitter ihn nicht verletzen. Der Sanitäter neben ihm spricht mit ihm. Er war zuvor durch die zerbrochene Heckscheibe des roten Twingos in den Wagen geklettert. Ein paar weitere gezielte Schnitte mit der Hydraulikschere, dann können die sieben Einsatzkräfte das Dach des Autos wie einen Buchdeckel aufklappen. Mit Hilfe eines Bretts heben sie den Verletzten aus dem Auto.

Das Szenario ist zum Glück nur gestellt. Fabian Stursberg (19) ist nicht wirklich verletzt, sondern hat das Opfer nur gemimt. Aber es hinterlässt Eindruck am Aktionstag "Junge Autofahrer" auf dem Polizeigelände am Quimperplatz. Zum vierten Mal organisierte die Verkehrswacht Remscheid mit der Verkehrsunfallprävention der Polizei und der Remscheider Feuerwehr die Aktion, um die Gefahren und Folgen falschen Verhaltens am Steuer zu verdeutlichen. Gut 360 Auszubildende vom Berufsbildungszentrum der Remscheider Metall- und Elektroindustrie (BZI) sowie den Berufskollegs Käthe Kollwitz und Technik und Wirtschaft nahmen gestern und heute daran teil.

Die Initiative geht auf das BZI zurück. "Wir sprechen hiermit die Gruppe von Menschen an, die statistisch am häufigsten in Verkehrsunfälle verwickelt ist", erklärt Steffi Springer vom BZI. Die 18 bis 24-Jährigen machten rund 25 Prozent der Unfälle aus, stellten aber nur rund sieben Prozent der Bevölkerung, ergänzt Klaus Theisen, Pressesprecher der Polizei. Im vergangenen Jahr gab es in Remscheid 60 Verunglückte in dem Alter, die beim Verkehrsunfall leicht bis schwer verletzt oder sogar getötet wurden.

Springer vermutet, dass Unerfahrenheit, Übermut und falscher Umgang mit Alkohol Auslöser sind. Genau an diesen Stellen setzen die zehn verschiedenen Stationen an. Die Teilnehmer erfahren durch Simulatoren, wie es sich anfühlt, wenn man beispielsweise mit dem Wagen auf dem Dach steht. Trunkenheit wird in einem Parcours mit "Torkelbrille" nachempfunden.

Milan Faubel (19) hat das Handyklingeln im Fahrsimulator nur kurz abgelenkt. Das reicht, um den Fahrradfahrer nicht rechtzeitig zu sehen. Er habe schon brenzligere Situationen erlebt und findet deshalb die Aktion gut. "Ich habe mich darauf gefreut. Es ist immer sinnvoll, darauf aufmerksam zu machen", sagt er. Der Gurtschlitten und der Überschlagsimulator haben Fabian Stursberg mit der Realitätsnähe am meisten beeindruckt.

Er ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Wermelskirchen und hat schon einige Male die Schere bei Unfällen einsetzen müssen - das letzte Mal erst am vergangenen Sonntag. Deshalb hat er sich freiwillig für die Bergungsübung gemeldet, um die Perspektive zu wechseln. Das Zerbrechen der Scheiben sei am schlimmsten gewesen. "Das muss ich nicht noch einmal haben", zieht er sein Fazit. Auch Einsatzkräfte müssten solche Erlebnisse verarbeiten, weshalb solche Aktionen zur Sensibilisierung immer wichtig seien, betont er. Die zusätzlichen Vorträge, Bilder von realen Unfällen sowie persönliche Berichte von Polizeibeamten und eines Vaters beeindruckten nachhaltig.

(RP)
Mehr von RP ONLINE