1. NRW
  2. Städte
  3. Remscheid

Kommunalwahl und Corona in Remscheid: mit Mundschutz und Greifzange

Kommunalwahl in Remscheid : Wahlkampf in Coronazeiten: mit Mundschutz und Greifzange

Unsere Reporterin hat sich bei den Wahlkämpfern in der Remscheider Innenstadt umgesehen und -gehört: Wie hat Corona ihre Arbeit im Vorfeld der Kommunalwahl am 13. September verändert?

In gut drei Wochen dürfen etwas über 86.000 Remscheider Stadtoberhaupt, Stadtrat und Bezirksvertretung neu wählen. Normalerweise die heiße Phase, in der Kandidaten versuchen, im Gespräch mit unentschlossenen Bürgern für sich zu werben. Doch Corona scheint den diesjährigen Wahlkampf verändert zu haben, oder nicht?

Auf den ersten Blick scheint es wie immer: Es ist Samstagvormittag, die Sonne scheint und die Parteien haben sich rund um den Allee-Brunnen mit Flyern und Give-Aways positioniert. Im Wind flattern die farbigen Parteifahnen. Die Kandidaten gehen auf die Passanten zu, grüßen und versuchen ins Gespräch zu kommen. Die einen lassen sich darauf ein und nutzen die Gelegenheit, um sich auch mal Luft zu verschaffen, Änderungen zu fordern, andere nehmen die Flyer entgegen und eilen weiter. FDP-Kandidat Sven Stamm führt an diesem Vormittag viele Gespräche, und auch Bettina Stamm, Oberbürgermeister-Kandidatin der neuen Wählergruppe echt.Remscheid, wechselte von einem Gesprächspartner zum nächsten.

„Für unseren Wahlkampf spielt Corona keine Rolle“, sagt Tochter Linda Stamm. Die Leute seien neugierig und offen für die neue Wählergruppe. „Es ist anstrengender als sonst“, urteilt indes die Grünen-Spitzenkandidatin Ilka Brehmer. Gespräche mit Mundschutz zu führen sei eine Herausforderung, doch die Corona-Vorschriften zu beachten, sei ihr wichtig. Daher wird sich mit entsprechendem Abstand ausgetauscht.

Über geringes Interesse kann auch der amtierende Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) nicht klagen: Kaum am Brunnen angekommen, wird er von Bürgern angehalten und in Gespräche verwickelt. Trotzdem findet der Amtsinhaber, dass es dieses Jahr „gedämpfter“ ist. „Wir müssen uns anders einrichten, Social Media spielt eine große Rolle, aber ich bevorzuge immer noch das persönliche Gespräch.“

Davon kann auch Alexa Bell, OB-Kandidatin der CDU, nicht genug kriegen. Seit 30 Jahren betreibt sie Straßenwahlkampf aus Leidenschaft. Unterschiede zu anderen Jahren kann sie nicht erkennen, „außer, dass ich diesmal als Spitzenkandidatin selbst im Mittelpunkt stehe und die Leute mehr über mich persönlich erfahren wollen.“ Dass es weniger Gespräche seien oder Leute eher auf Abstand gingen, habe sie nicht bemerkt.

Damit habe allerdings die Partei der Linken zu kämpfen, erzählt OB-Kandidat Fritz Beinersdorf, der mit einer Greifzange die Infotüten weiterreicht, um den Abstand zu wahren. „Es ist ein anderer Wahlkampf, weil uns die großen Veranstaltungen fehlen.“ Linken-Politiker Gregor Gysi etwa wäre gerne nach Remscheid gekommen. Linke-Kandidatin Brigitte Neff-Wetzel findet, „es sind deutlich weniger Gespräche. Aber wenn sie aufkommen, dann haben sie mehr Substanz als früher.“ Der Linken, als kleinere Partei, habe Corona mehr zugesetzt, findet Beinersdorf, weil ihnen das Budget für große Werbemittel fehle.

„Ich finde, es ist Wahlkampf, wie sonst auch, nur, dass wir jetzt Maske tragen“, äußert Passant Rolf Mang. Hemmnisse, sich am Wahlstand zu informieren, spüre Cornelia Romahn nicht. „Für mich macht es keinen Unterschied.“ Informationen holen sie sich aus der Tagespresse und im Internet, im Wahlkampf aber direkt am Wahlstand – wie bei jeder Wahl.

86.060 Remscheider sind für die Kommunalwahl am 13. September wahlberechtigt. Davon dürfen 32.718 Bürger über 60 Jahre ihre Stimme auch für den Seniorenbeirat abgeben und 26.832 Remscheider mit Migrationshintergrund für den Integrationsrat.