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Kommentar: Remscheid wird im Stich gelassen

Ansichtssache : Die Kommune wird im Stich gelassen

Stadt und Land bilden eine Verantwortungsgemeinschaft. Aber das Schulministerium hat versäumt, klare Konzepte zu kommunizieren.

In der Krise müssen alle Bürger mit Widersprüchen leben. Was aber in diesen Zeiten nur schwer auszuhalten ist, sind handwerkliche Fehler beim Verkünden neuer Bestimmungen. Es ist sehr schwer nachzuvollziehen, wieso ein Schulministerium die Öffnung der Schulen ankündigt, aber die Kultusminister sich jetzt erst zusammensetzen, um Ende nächster Woche ein Handlungskonzept vorzustellen? Vier Wochen hatten alle Zeit, sich vorausschauend mit der Problematik auseinanderzusetzen und Konzepte auf breiter Basis zu diskutieren. Nun stehen die Kommunen im Regen und keiner weiß genau, wie er die neue Situation handhaben soll.

Liegt es jetzt im Ermessen der Schulleiter, wie Unterricht stattfindet? Muss eine Schule weiter geschlossen bleiben, wenn zum Beispiel ein Schichtmodell mit kleinen Klassen nicht möglich ist, weil das Lehrerkollegium aus so vielen älteren Personen besteht, die zur Risiko-Gruppe zählen? Was passiert, wenn ein Kind sich weigert, den Unterricht zu besuchen, weil es Angst hat, seine Oma, die mit im Hause lebt, anzustecken? Und wie soll der Abstand auf dem Schulhof eingehalten werden bei spielenden Kindern? Werden Sicherheitskräfte eingestellt, das Ordnungsamt gerufen, Strafarbeiten verteilt?

Fragen über Fragen, auf die ein Ministerium zumindest erste Antworten hätte geben müssen. Ein Versäumnis, das bei Lehrern, Eltern und Schülern zu Unsicherheiten führt. Dabei ist die Welt schon unsicher genug. Land und Kommune bilden eine Verantwortungsgemeinschaft, in der jeder seinen Part zu spielen hat. Mit dieser Haltung duckt sich das Ministerium weg, das sich ansonsten einen Namen damit gemacht hat, die Schulen mit Erlassen und Empfehlungen zu überschütten.

Auch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes sind in ihrer Rolle nicht zu beneiden. Sie treten als Stimmungsverderber im Namen der Gesundheit auf. Das ist ihre Aufgabe und es wird Fingerspitzengefühl verlangt. Wenn die Sonne scheint, setzen sich die Menschen vor Wurst-Müller gerne auf die dortige Bank. Schulter an Schulter. Das schöne Wetter verleitet zur Sorglosigkeit. Und mit Mundschutz lässt sich schlecht eine Wurst verzehren. Die Mitarbeiter das Ordnungsamtes sind nicht überall. In der Krise müssen die Bürger mit Widersprüchen leben.