Kommentar: Eine klarere Mehrheit im Remscheider Rat wäre besser

Ansichtssache : Eine klarere Mehrheit wäre besser gewesen

Nur Zweidrittel des Rates stimmten am Donnerstag für die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Beate Wilding und Fred Schulz.

Der Rat der Stadt Remscheid kann gemäß § 34 Abs. 1 der Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen einer Bürgerin beziehungsweise einem Bürger aufgrund außergewöhnlicher und herausragender Verdienste um das Gemeinwohl und Gemeinwesen Remscheids das Ehrenbürgerrecht verleihen.“

So beginnt die Pressemitteilung, mit der die Stadtverwaltung gestern Mittag die Entscheidung des Rates bekanntgab, die Ehrenbürgerrechte an Fred Schulz (CDU) und Beate Wilding (SPD) zu verleihen. Wilding löste Schulz als Stadtoberhaupt ab und schrieb dabei Stadtgeschichte. Die Gewerkschafterin gewann 2004 in der Stichwahl mit hauchdünnem Vorsprung, Schulz’ Engagement für ein Gewerbegebiet an der Blume war das große Streitthema im Wahlkampf. Wilding wurde Remscheids erste Oberbürgermeisterin und im Jahr 2009 wiedergewählt.

Auf die Verleihungs-Zeremonie, deren Termin noch nicht feststeht, darf man gespannt sein. Die beiden Geehrten mögen und respektieren sich, es wird ganz sicher eine emotionale Veranstaltung.

Beate Wilding und Fred Schulz sind höchst respektable Persönlichkeiten. Dass es im Rat nicht nur Zustimmung für den von der FDP unterstützen Vorschlag der beiden großen Parteien gab, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Remscheid bis auf eine Ausnahme (Richard Gierk für die FDP im Jahr 1948) abwechselnd den Oberbürgermeister stellten, ist darum wohl weniger als Zweifel an den beiden Auserwählten, sondern eher als Frage zu verstehen, warum man andere Stadtoberhäupter nicht auch für diese seltene Ehre ausgewählt hat, die nach dem Krieg bislang nur vier Personen zuteil wurde.

Nimmt man das Kriterium der hauptamtlichen Ausführung des Oberbürgeramtes, dann würde zumindest Reinhard Ulbrich (SPD) durch seine zweite Amtszeit auch in die Auswahl gehören. Die Linke weist darauf hin, dass Ulbrich mit der Gründung der Denkerschmette und der Arbeit im Sportbund bis heute ehrenamtlich für die Stadt aktiv ist. Dass er dabei auch eine kritische Reibung mit der Stadtverwaltung und dem Rat nicht scheut, ist kein Geheimnis – und sicher auch kein Makel.

Insgesamt wirkt es, als sei die Verleihung ein wenig überstürzt zur Entscheidung gebracht worden. Ein klarerer Beschluss wäre vielleicht möglich gewesen.