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Remscheid: Knigge-Nachhilfe für Berufsschüler

Remscheid : Knigge-Nachhilfe für Berufsschüler

Etikette war gefragt beim Training in Businesskompetenz. Dazu zählen der Dresscode, aber auch Tischmanieren.

80 Berufsschüler des Kollegs für Wirtschaft und Verwaltung (BWV) genossen am Samstag ein exklusives Training in Businesskompetenz: Im Modehaus Johann ließen sich die angehenden Steuerfachangestellten, Industriekaufleute und Büromanager beim Outfit beraten, in der Klosterschänke lernten sie zudem die Grundlagen der Tischmanieren.

Wie ziehe ich mich für ein Bewerbungsgespräch an? Worauf muss ich bei einem Geschäftsessen achten? Was für einige mittlerweile Routine im Alltag ist, ist für viele Berufsanfänger Neuland: Viele sind verunsichert, wissen nicht, wie sie sich für verschiedene Anlässe und Situationen kleiden oder dabei verhalten sollten.

Das ist auch BWV-Lehrer Adrian Pütz aufgefallen, der für seine Schüler seit einigen Jahren solche Schulungen organisiert: Bislang allerdings nur als Abendveranstaltungen für einzelne Klassen. Jetzt organisierte er einen kompakten Schulungstag in der Lenneper Altstadt: "Fachlich bereiten wir unsere Schüler gut vor, da bin ich mir sicher. Aber ich hatte Sorge, dass sich einige unserer Schüler auf dem großen Parkett blamieren, denn viele liefen ja bei uns im Unterricht schon auf wie die letzten Schlümpfe", erklärt Pütz seine Motivation.

Krawatte binden, den richtigen Anzug finden, bei den Damen nicht zu viele Accessoires verwenden und farblich dezent auftreten. Dinge, die jenen, die täglich damit zu tun haben, offensichtlich erscheinen. Berufsanfänger aber tun sich schwer damit. Das weiß auch Bärbel Beck vom Modehaus Johann in Lennep, die solche Business-Abende bereits seit längerer Zeit für Azubis und Oberstufenschüler anbietet.

"Das war ganz interessant im Modehaus", berichtet Franziska Bausch. Die 18-Jährige befindet sich im dritten Lehrjahr zur Industriekauffrau. Die unterschiedlichen Tipps zu Casual- oder Business-Outfits nahm sie gerne an, und in der Klosterschänke, beim "Business-Knigge" ließ sie es sich mit ihren Mitschülern schmecken. "Das Meiste ist mir bei den Tischmanieren bekannt, aber ich denke schon, dass sich so etwas für die meisten lohnen wird, die in diesem Punkt vielleicht noch ein wenig verunsichert sind."

Gastronom Horst Andree Söhngen von der Teamgastronomie der Klosterkirche tischte nicht nur viele Leckereien auf, sondern erklärte seinen jungen Gästen auch, wie sie die hübsch angerichteten Speisen auch am besten zu sich nehmen können. "Zu den größten No-Go's bei einem Geschäftsessen zählt, das Handy auf den Tisch zu legen und die Serviette nach dem Essen zerknüllt auf den Teller zu werfen, anstatt sie zu falten und neben den Teller zu legen."

Auch die 22-jährige Eileen Schönwandt fand den Tag sehr interessant. "Es ist sehr hilfreich, aber ich hätte es sinnvoller gefunden, ein solches Training schon früher in der Ausbildung anzubieten." Lehrer Adrian Pütz sieht die Schule nicht in der Pflicht, Azubis solche Soft-Skills mitzugeben. "Von uns ist es ein zusätzliches Bonbon." Zum Teil sieht er die Elternhäuser aber auch die Betriebe in der Pflicht, "aber wenn es nicht gemacht wird, sind ja nicht die Schüler Schuld daran, dass es ihnen keiner beibringt."

(sebu)