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Kirchenkreis Lennep sagt Studienfahrt nach Israel und Palästina ab

Remscheid : Gaza-Konflikt rückt näher

Der Konflikt in Gaza, wo ein Anschlag dem anderen folgt und bisher 1280 Menschen starben, berührt viele Remscheider. 30 Menschen aus dem evangelischen Kirchenkreis Lennep ganz besonders: Ihre für Oktober vom Kirchenkreis Lennep geplante Studienreise nach Israel und Palästina wurde jetzt kurzfristig abgesagt. "Flüge und Hotelunterkünfte sind storniert, wir konnten das finanzielle Risiko nicht tragen", begründet der Theologe und Reiseorganisator Friedhelm Haun die Entscheidung.

"Es sollte keine typische Sightseeing-Tour für Touristen sein, sondern gerade die Begegnung mit Menschen auf beiden Seiten des Konflikts stand im Mittelpunkt", sagt der Nahost-Kenner. Ihm liege es am Herzen, dass sich die Menschen ein eigenes Bild machen. Überwiegend Theologen und Religionslehrer, aber auch interessierte Laien hätten teilgenommen - Multiplikatoren, die für eine umfassende Sicht werben statt vorschnelle Parteinahme. Seine eigene Beobachtung: Beide Seiten werden sich in ihrer Haltung ähnlicher - Stärke zeigen, provozieren und schauen, wie der andere reagiert. Viele Fernsehberichte hält er für einseitig. Dass hierzulande vom Erstarken des Antisemitismus die Rede ist - jüngst nach dem Anschlag auf die Wuppertaler Synagoge-, ärgert ihn. "Es gibt Kräfte, die nutzen solche Konflikte, um ganz andere Ziele zu verfolgen", sagt er.

Weil es keine offizielle Warnung vor Einreisen nach Israel und Palästina gibt, hätte die Gruppe theoretisch reisen können. Doch angesichts der schrecklichen Bilder aus dem Gazastreifen, der Medienberichten über Tod und Zerstörung und der Bedrohung seien die Teilnehmer erleichtert, dass die Reise ins Heilige Land abgesagt wurde, sagt Haun.

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Ein Jahr Vorbereitung hat der Schulpfarrer am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung in die Vorbereitung investiert. Seit 1995 organisiert er diese Studienfahrten nach Israel. 2000, im Jahr der zweiten Intifada, als ähnliche Zustände herrschten, waren einige Teilnehmer so in großer Sorge um ihre Sicherheit, dass sie vorzeitig abreisten.

Nach Israel pflegt Friedhelm Haun viele Kontakte - so zu einem Pfarrer in Bethlehem oder zu Professor Zimmermann, der einen Lehrstuhl für deutsche Geschichte an der hebräischen Uni in Jerusalem innehat. Vieles erfährt er aus erster Hand - über Hintergründe und Ursachen des Konflikts. Genau solche Einblicke wollte er den Reiseteilnehmern vermitteln. Während des Aufenthaltes sollte die Gruppe auch die Situation der Westbank mit Bethlehem und Hebron kennenlernen. Jerusalem (Foto) , die Stadt der drei Weltreligionen, und Besuche des Sees Genezareth, der Golanregion und Jerichos standen auf dem Programm. Haun verspricht: "Wir holen die Reise 2015 nach."

(RP)