Jahresempfang: Kirchenkreis feiert doppeltes Jubiläum

Jahresempfang : Kirchenkreis feiert doppeltes Jubiläum

Der 200. Geburtstag der 18 bergischen Gemeinden und 500 Jahre Reformation sind der Grund für die Festlichkeiten.

Der Vaßbendersaal in Remscheid lieferte den festlichen Rahmen für den Jahresempfang, den der Evangelische Kirchenkreis Lennep arrangiert hatte. Dabei brach er mit der Tradition, wie Pfarrerin Kristiane Voll bei der Begrüßung der etwa 150 Gäste feststellte. "Denn eigentlich ist es üblich, dass wir uns am Vorabend des Reformationstages treffen", sagte die Assessorin des Kirchenkreises. Diesmal wurde die Zusammenkunft aber in eine Festwoche eingebettet: Die Gemeinschaft der 18 bergischen Gemeinden aus Remscheid, Wermelskirchen, Radevormwald und Hückeswagen feiert in diesen Tagen ihren 200. Geburtstag und zugleich 500 Jahre Reformation.

Entsprechend ging es beim Empfang quer durch die Zeit - unter anderem mit dem ehemaligen Superintendenten Karlheinz Potthoff, der seine Erinnerungen Revue passieren ließ. Von 1990 bis 1995 leitete er den Kirchenkreis, wo er mit "selbstbewussten Presbyterien und Gemeinden" konfrontiert worden sei. "Es konnte bei den Sitzungen laut zugehen", sagte er.

Bei aller Debattierfreude sei es aber immer gelungen, den Zusammenhalt zu bewahren - in einer Phase, die von besonderen Herausforderungen geprägt war. "Wir haben uns damals intensiv mit der Haltung zur Homosexualität beschäftigt", sagte er und nannte damit ein Beispiel für Themen, bei denen sich die Gemeinschaft an ein Tabu heranwagte. "Wir haben eine sehr beachtete Diskussion geführt", stellte der 71-Jährige fest, der ebenso beleuchtete, wie sich die Rolle der Frau in den Gemeinden wandelte.

Noch viel tiefer in die Geschichte tauchte Superintendent Hartmut Demski ein, der ein Buch über das Jubiläum des Kirchenkreises vorstellte. Der Radevormwalder Pfarrer Wolfgang Motte hat darin auf mehr als 200 Seiten die Geschichte und die Geschichten des Verbands und der einzelnen Gemeinden festgehalten. Entstanden ist ein wertvolles Zeitdokument, das die einzelnen Epochen von 1817 bis heute widerspiegelt und im Bergischen Verlag erschienen ist.

Unterstützt wurde er dabei von Pfarrer Johannes Haun und dem Wermelskirchener Michael Müller. "Wir sind dankbar und froh, dass wir dieses Buch haben", sagte Demski und zollte den Autoren Respekt, die den Rückblick in sieben Zeitabschnitten gegliedert haben.

Nicht nur Geschichtsinteressierte finden jede Menge Informationen. Auch Interessenten, die gezielt etwas über ihre Heimatgemeinde erfahren wollen, kommen auf ihre Kosten. Im Anhang werden die Seiten aufgelistet, auf denen sie Erwähnung finden - von "A" wie Adolf-Clarenbach-Kirchengemeinde bis "W" wie Wermelskirchen.

Demski blickte humorvoll auf den holprigen Beginn der Ökumene zurück und erinnerte daran, dass der Kirchenkreis ab 1902 in Lennep ein Schülerheim unterhielt, das ein junger Mann besuchte, der später zur Berühmtheit werden sollte: Schauspieler Heinz Rühmann wurde von seinen Eltern ins Bergische geschickt, wo er sein Abitur nachholen sollte. "Ein Jahr besuchte er das Internat. Mit der Allgemeinen Hochschulreife hat es den alten Unterlagen zufolge nicht geklappt", sagte Demski.

(RP)
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