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Kirche in Remscheid zwischen Aufbruch und Umbruch

Gesellschaft : Kirche zwischen Aufbruch und Umbruch

Bis zum Herbst wollen die Gemeinden im Kirchenkreis Lennep Vorschläge fürs zukünftige Gemeindeleben sammeln.

Die Gemeinden im Kirchenkreis Lennep müssen sich in den nächsten Jahren auf viele Veränderungen einstellen. „Aufbruch im Umbruch“ nennt Superintendent Hartmut Demski diese Phase. Und er wünscht sich, viele Menschen zu gewinnen, sich an diesem Prozess zu beteiligen. Das große Friedensgebet im vorigen Jahr im Zelt auf dem Schützenplatz in Remscheid gilt ihm als Ermutigung. Die Gremien der evangelischen Kirche müssen sich mit grundlegenden Fragen beschäftigen, wie das Gemeindeleben im Kirchenkreis künftig aufgestellt sein soll. Demski nennt drei Fragen: Was sind unsere Schwerpunkte? Was müssen wir aufgeben? Wie gewinnen wir Menschen fürs Ehrenamt?

Der Fachkräftemangel ist kein exklusives Problem des Handwerks. Er zeigt sich auch bei der Besetzung von frei werdenden Pfarrstellen. „Der theologische Nachwuchs fehlt“, sagt Demski. Zwischen 2020 und 2030 werden über die Hälfte der amtierenden Pfarrer in den Ruhestand treten. Ein Drittel der Pfarrstellen (aktuell sind es 42 Pfarrstellenanteile) werden wegfallen, weil Gemeinden immer kleiner werden, sich zusammenschließen und sich einen Pfarrer teilen. Mit dem Zusammenschluss von Gemeinden hat der Kirchenkreis laut Demski gute Erfahrungen gemacht. Als Beispiel zählt er Hückeswagen und Bergisch Born auf. Auch die Auferstehungsgemeinde in der Remscheider City, ein Zusammenschluss der Johanneskirchengemeinde und der Lutherkirchengemeinde sowie die Kooperation zwischen der Gemeinde Hasten und der Stadtkirchengemeinde seien gelungen, weil der Prozess des Zusammenschlusses sehr sorgfältig und nach vielen Gesprächen erfolgte. „Wir alle rücken enger zusammen“, sagt Demski.

Neben den Antworten auf den demographischen Wandel sollen neue Formen des Gottesdienstes besprochen werden. Beim Röntgenlauf gibt es zum Beispiel vor dem Start eine kleine Predigt. Ist das ein Weg für die Zukunft? Gottesdienste im Freien, Gottesdienste für Motorradfahrer? „Wir suchen nach kirchlichen Kleinformaten, ohne dass wir den Eindruck erwecken, uns aufdrängen zu wollen“, sagt Demski. Mit auf dem Themenzettel steht die Gestaltung der Zusammenarbeit mit den Schulen. Es gebe im Religionsunterricht zwar inhaltliche Beziehungen, aber Demski denkt an weitere Angebote. Zum Beispiel an den Besuch von kirchlichen Einrichtungen mit Grundschülern. Die Skandale um sexuellen Missbrauch haben im Kirchenkreis bereits vor einiger Zeit zu einem Schutzkonzept geführt. Verpflichtend für alle ist eine zwölfstündige Schulung. „Wir bemühen uns intensiv, über dieses Thema aufzuklären“, sagt Demski. Es gebe zwar restriktive Vorschriften im Umgang mit Kindern und Jugendlichen.

Aber wie soll der Pfarrer reagieren, wenn ein seelsorgerisches Gespräch gewünscht wird, bei dem kein anderer im Raum sein sollte? „Wir ermuntern jeden, auch Nein-Sagen zu können“, sagt Demski. Bis zum Herbst sollen die Gemeinden ihre Vorschläge ausgearbeitet haben, wie der Aufbruch im Umbruch gestaltet werden kann.