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Remscheid: Kindesmisshandlung: Jugendamt-Mitarbeiter hat ausgesagt

Remscheid : Kindesmisshandlung: Jugendamt-Mitarbeiter hat ausgesagt

Hat das Jugendamt versagt? Geht es um Kindesmisshandlung, ist das eine der drängendsten Fragen. Und auch im Fall des vierjährigen Max, der im Herbst 2017 mit schweren Hirnverletzungen ins Solinger Klinikum eingeliefert worden war, wurde diese Frage schnell laut. Damals hatte das Jugendamt eine Stellungnahme abgegeben. Der Tenor: Es habe keine Versäumnisse gegeben. Eine Gefährdung des Kindeswohls habe man nicht erkennen können.

Hat das Jugendamt versagt? Geht es um Kindesmisshandlung, ist das eine der drängendsten Fragen. Und auch im Fall des vierjährigen Max, der im Herbst 2017 mit schweren Hirnverletzungen ins Solinger Klinikum eingeliefert worden war, wurde diese Frage schnell laut.

Damals hatte das Jugendamt eine Stellungnahme abgegeben. Der Tenor: Es habe keine Versäumnisse gegeben. Eine Gefährdung des Kindeswohls habe man nicht erkennen können.

Gestern nun wurde die Aussage des zuständigen Jugendamtsmitarbeiters mit Spannung erwartet. Schnell wurde klar: Schwarz oder Weiß gibt es in einem solchen Fall nicht. Stattdessen viele Grautöne, die deutlich werden ließen, wie komplex die Dinge oft sind. "Aus unserer Sicht hatte sie eine liebevolle Beziehung zu ihrem Kind", sprach der Sozialpädagoge über die Eindrücke, die er nach mehreren Gesprächen mit der wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagten Mutter gewonnen hatte. Die Betreuung durch das Jugendamt sei im Dezember 2016 einvernehmlich beendet worden, nachdem es eine gute Prognose gegeben habe.

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Als später eine Nachbarin der Angeklagten zu ihm gekommen sei, um über Lärm, vermeintlichen Drogenkonsum und lautstarke Streitereien zu berichten, habe er das anfangs für Nachbarschaftsstreitigkeiten gehalten. Hingegangen sei er am nächsten Morgen dennoch, angetroffen habe er in der Wohnung niemanden. Am Nachmittag sei die Angeklagte mit ihrem Kind in sein Büro gekommen. Max habe schlecht ausgesehen und unter einer fiebrigen Erkältung gelitten. Verletzungen des Jungen seien ihm nicht aufgefallen.

"Sie wirkte sehr taff", erinnerte sich der Zeuge an seine Gespräche mit der Mutter, die ihm versichert habe, Drogen kämen ihr nicht ins Haus und Max sei in guten Händen. Ein Drogen- und Alkoholtest sei zwei Tage später negativ gewesen. Nach all dem, was die Verhandlung bislang ans Licht gebracht hat, hätte ein Psychologe im Nachgang einer "Innenschau" möglicherweise zu anderen Schlüssen kommen und die "Fassade" bröckeln lassen können. Dem Jugendamt lässt sich nach dem, was bislang gesagt wurde, wohl kaum ein Vorwurf machen.

Allenfalls wäre zu hinterfragen, wie es sein kann, dass der angebliche Anruf einer Zeugin, die den Lebensgefährten der Mutter ständig bekifft und Max in einer "Eisbadewanne" habe sitzen sehen wollen, nicht zu den Mitarbeitern vorgedrungen ist. "Da hätten wir sofort reagiert", stellt der Sozialarbeiter klar. Auf eine Mitteilung der Kita, der Junge habe auffällige Hämatome, habe es ein klärendes Telefonat gegeben. Die Kita habe die Sache in einem Vieraugengespräch mit der Mutter selbst regeln wollen. Als dies geschehen war, sei das Jugendamt informiert worden. Ein in solchen Fällen üblicher Bericht habe keine Hinweise auf eine drohende Kindeswohlgefährdung ergeben.

(magu)