Kinder räumen picobello auf

Remscheid: Kinder räumen picobello auf

Bevor heute Gruppen und Vereine Handschuhe und Müllsäcke zur Hand nehmen, haben es ihnen gestern Kinder vorgemacht. Bereits zum elften Mal ruft die Stadt in diesem Jahr zu der Aktion "Picobello" auf.

Tim (7) piekst mit seiner Zange vorsichtig eine leere Milchtüte auf. "Die hat einer aus unserer Schule weggeworfen", stellt der Grundschüler fest, wirft die Tüte ein bisschen verärgert in die Mülltüte und macht sich auf die Suche nach dem nächsten Stück. Er klettert den Hang zum Sportplatz am Neuenhof hinauf, findet eine Limo-Dose und macht sich strahlend wieder auf den Weg zur Mülltüte. Jedes Stück, das die Kinder der Grundschule Dörpfeld an diesem Morgen finden, feiern sie wie einen kleinen Triumph. "Das ist nicht eklig, das ist total spannend", erklärt Lisa (7) die Begeisterung in der Gruppe.

Hunderte Remscheider Mädchen und Jungen sind am Freitagmorgen mit Zange, Handschuhen und Mülltüten unterwegs und räumen rund um ihre Schulen und Kindergärten auf. Einen Tag, bevor sich auch viele andere Freiwillige in Remscheid im Rahmen der Aktion "Picobello" auf den Weg machen, sind die Kinder bereits im Einsatz.

Die Grundschüler der GGS Dörp-feld sind unterdessen schon richtig geübt im Müllentdecken und -einsammeln. "Ich bin die ganze Woche über schon mit den Kindern raus-gegangen und habe Müll eingesammelt", erzählt Hausmeister Andreas Hupka. Er hat kleine Zangen gekauft, mit denen die Kinder fleißig den Unrat aufpicken. "Die Jungen und Mädchen sind sehr motiviert", sagt er erfreut. Und deswegen hat Andreas Hupka mit der Schulleitung bereits eine Absprache getroffen: Im Rahmen der Offenen Ganztagsschule will er einmal in der Woche mit interessierten Schülern samt Zangen und Handschuhen die umliegenden Bürgersteige und Hecken vom Müll befreien. "Wenn wir regelmäßig unterwegs sind, ist der Effekt für die Schüler vielleicht noch größer", sagt der Hausmeister. Aber auch während der vergangenen Tage hat Hupka bereits beobachtet, wie Schüler ihren Eltern und Passanten auf die Finger geschaut haben. "Wenn du das jetzt wegwirfst, muss ich es morgen wieder aufheben", habe ein Schüler einem Mann erklärt. Und der habe das Taschentuch schuldbewusst wieder eingepackt.

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Auch während des Sammelns am Freitagmorgen machen sich die Kinder ihre Gedanken. "Wie kommt denn diese große Stange hierhin?", fragt Samer (9) staunend und hält einen Eisenstab in die Luft. Kabel, Sperrmüll, Styropor: Die Ausbeute der Kinder ist riesig. Manchmal muss Müll sogar liegenbleiben, weil er einfach zu groß ist. Dann schütteln die Kinder nur überrascht den Kopf. "Ich werfe Müll in den Mülleimer", sagt Lisa, "sonst wird doch die Natur ganz schmutzig." Inzwischen weiß die Grundschülerin auch, wie lange Plastik braucht, um zu verrotten. Und welchen Einfluss Müll auf das Wasser haben kann.

"Wir möchten mit den Kindern ein Bewusstsein dafür entwickeln, was am Straßenrand lieg und wie es dahin kommt", sagt Julian Bäcker, Sozialpädagoge an der GGS Dörp-feld. Die Mädchen und Jungen bekämen häufig vorgelebt, dass Abfall leichthin in die Natur geworfen werde. "Es wäre doch schön, wenn eine neue Generation es besser machen würde", sagt Julian Bäcker. Lisa, Tim und Samer jedenfalls haben gemeinsam mit ihren Mitschülern dafür gesorgt, dass es rund um ihre Schule deutlich sauberer ist als zuvor. "Hoffentlich bleibt das jetzt auch so", sagt Tim noch, bevor er die Handschuhe auszieht und wieder in den Klassenraum verschwindet.

(resa)