Kinder des Remscheider Waldhofs kicken auf mobilem Rasen

Fußballplatz-Einweihung am Waldhof mit Ex-Profi : Rummenigge als Geheimnisträger

Junge Bewohner des Waldhof können wieder Fußball spielen. Der ehemalige Profi Michael Rummenigge weihte den Platz mit ein.

Die ersten Jugendlichen hatten die neue Attraktion bereits heimlich in der Nacht auf Donnerstag getestet. Zu groß war die Freude, wieder kicken zu können. Das kleine Geheimnis verriet der Junge Michael Rummenigge beim Autogrammeschreiben. Gestern Nachmittag weihte der Ex-Fußball-Profi am Waldhof den neuen mobilen Kunstrasen der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land (EJBL) offiziell ein.

Petzen mochte der 55-Jährige gegenüber EJBL-Leiterin Silke Gaube nicht. „Ich sage Ihnen nicht, wer’s war“, meinte er mit einem breiten Grinsen bei einem Stück Streuselkuchen. Bei einer Pressekonferenz wurden die innovative Errungenschaft auf dem von Wald umsäumten Areal in Küppelstein vorgestellt.

Mit Sponsorenhilfe konnte das Kinderheim sein Kleinfußballfeld realisieren. „Ein vernünftiger Rasen war ein Traum von uns. Wir sind mehr als glücklich, dass uns die Mittel zur Verfügung gestellt wurden“, betonte Silke Gaube. Mit Trendsport Rummenigge fanden sie den passgenauen Partner. Kai Birwar, Sport- und Bildungspädagoge in der Einrichtung, hatte mit seiner Hartnäckigkeit das Unternehmen aus Münster gefunden, das neue Module und Trends im Fußball und Soccer entwickelt, produziert und vermarktet.

Dessen Geschäftsführer Michael Rummenigge und Arnd Schade bieten auf der Basis der DFB-Minifelder seit knapp zwei Jahren ein freistehendes Bandensystem ohne Fundamente auf dem Freizeitmarkt an. „Oft ist bei solchen Anschaffungen der extrem teure Tiefbau das K.o.-Kriterium. Bei unserem stabilen Untergrundsystem mit natürlicher Entwässerung nicht“, stellt Schade fest. Jeweils binnen zwei Tagen kann der Allwetterplatz auf- und abgebaut werden.

Der Naturrasen auf dem Waldhof-Gelände war seit Jahren ein notdürftig geflickter Kartoffelacker, der zur schmerzhaften Stolperfalle wurde. „Der ein oder andere hat ihn mit einem Bänderiss verlassen“, räumt Silke Gaube ein. Weil das jährliche Verlegen von neuem Rollrasen ins Geld ging, und die beiden Hausmeister der Einrichtung mit dem permanenten Stopfen von Löchern überfordert waren, wurde der Spielbetrieb vor zwei Jahren eingestellt. Sehr zum Verdruss der 130 Heimkinder, die sich auf 16 Wohngruppen in Remscheid, Wermelskirchen und Burscheid verteilen.

Erkleckliche Spenden von der Landeskirche, dem Diakonischen Werk, der Lux-Stiftung, der Sparkasse und weiteren ermöglichten jetzt die spektakuläre Neueröffnung. Nachdem die alte Oberfläche begradigt und mit einer Splittschicht versehen worden war, wurde der 27 mal 14 Meter große Kunstrasen aufgetragen, verfüllt mit einem Gemisch aus Sand und Kork als ökologischer Alternative zum Granulat. Drei Meter breit und zwei Meter hoch sind die Tore, ein drei Meter hohes Netz umsäumt den Platz.

Für Michael Rummenigge, der zwischen 1981 und 1993 erst bei Bayern München, dann bei Borussia Dortmund wirbelte, ist das mobile Modulsystem mehr als nur eine Einnahmequelle. „Wir geben jungen Menschen damit den Straßenfußball zurück“, erklärt der frühere offensive Mittelfeldspieler, der es auf 309 Bundesliga-Einsätze und zwei Spiele für die Nationalmannschaft brachte. „Ich komme als Kind vom Bolzen auf der Straße. Jugendliche, die fußballerisch so sozialisiert wurden, fehlen uns heute. Wir brauchen diese Fummler wie Littbarski, Häßler – oder Rummenigge“, erklärte er bei der Pressekonferenz, um bei seinem eigenen Namen in ein schallendes Gelächter auszubrechen.

Das Kinderheim will seinen Rasen auch für Externe öffnen. Kai Birwar: „Wir haben die Schnittmenge mit Jugendzentren wie der Gelben Villa oder der Kraftstation.“ So könnte auch EJBL-Mitarbeiter Dominik Müller, Jugendtrainer beim VfB Marathon, seine Schützlinge mal mitbringen. „Eure Förderung hier ist aller Ehren wert“, lobte Rummenigge das verbindende Element des Volkssportes Nummer eins.

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