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Kasalla im Autokino Remscheid: Statt Applaus gibt es ein Hupkonzert

Kasalla im Autokino Remscheid : Statt Applaus gibt es ein Hupkonzert

Normalerweise spielt die Kölner Band Kasalla in ausverkauften Hallen und Stadien vor tanzenden, schunkelnden und mitgrölenden Fans. Auf ihr „Car-Salla-Tour“ besuchte sie nun das Autokino am Stadtpark.

Die Corona-Pandemie aber hat die Rocker, wie alle Musiker, dazu gezwungen, ihre geplante Tour in diesem Sommer abzusagen. Damit abfinden wollten sie sich aber nicht und starteten vor einigen Wochen ihre neue „Et jit Car-Salla“-Tour. Seitdem tingeln die Kölner durch die Autokinos des Landes, um vor einem Haufen „Blechbüchsen“ zu spielen. Am Anfang war das für die Fünf merkwürdig, wie sie bei ihrer Begrüßung bemerkten. Mittlerweile aber, das sollte sich im Laufe des Abends herausstellen, haben sie Möglichkeiten gefunden, um mit ihren Fans auch durch die Windschutzscheibe hindurch zu kommunizieren.

Kasalla-Fan Jessica Ehl wollte dieses besondere Ereignis in ihrer Heimatstadt nicht verpassen: „Für mich war das jetzt ein Muss“, erzählte Ehl, am Freitagabend kurz vor Konzertbeginn. Die Remscheiderin war bereits auf drei Kasalla-Konzerten und wäre wohl auch in diesem Jahr zu einer ihrer Aufführungen gegangen, weil sie die Musik und die Stimmung, die die Jungs versprühen, einfach liebt. Mit Ehl im Auto saßen auch Tochter Emely (15) und Sohnemann Merlin (7) voller Vorfreude. Sie erwarteten gute Stimmung und Merlin hoffte, dass die Band sein Lieblingslied „Eine Stadt mit K“ singen würde. „Ich erwarte mir, einfach für zwei, drei Stunden vom Corona-Thema abschalten zu können, Spaß zu haben und die Musik zu genießen“, äußerte Mutter Ehl.

Pünktlich um 20 Uhr, nachdem Lokalmatador Alexander Kurz mit seiner Band die Menge aufgewärmt hatte, trat Kasalla unter Jubelrufen und begleitet von einem Hupkonzert auf die Bühne. Sie legten mit Schmackes los und die Stimmung kochte gleich zu Beginn hoch. Die konnte selbst der anhaltende Nieselregen nicht trüben: Einige Fans schauten aus ihren Panoramadächern aus zu und sangen mit, andere wedelten aus dem offenen Fenstern mit Schals und Warnwesten zum Takt der Musik. Der satte Klang dröhnte dabei nicht aus den großen Lautsprecherboxen an der Bühne, sondern aus den Autoradios der Gäste. Nur eine Handvoll Fahrzeuge hatten das Privileg gleich vor der Bühne zu stehen und das Konzert aus der ersten Reihe aus zu verfolgen. Für alle anderen wurde das Geschehen auf der riesigen LED-Wand übertragen. Zwischenzeitlich wurden die Fans aufgefordert, Lichthupe oder Scheibenwischer im Takt der Musik zu bewegen. Nach jedem Lied zollten die Gäste der Band ein tosendes Hupkonzert.

Bei der Ballade „Marie“ wagte die Band einen kleinen Abstecher durch die ersten Autoreihen, um ihren Fans etwas näher zu kommen. Die Kamera folgte, die Zuschauer nutzten die Gelegenheit, zückten die Handys und knipsten Erinnerungsfotos. Einige wenige stiegen aus ihren Autos aus und prompt folgte die Ansage auf der Leinwand und die Aufforderung der Security, in den Autos zu bleiben. Das Konzert endete nach fast zwei Stunden mit einer großen Zugabe in der Abenddämmerung.

Obgleich die übliche Euphorie nach einem gelungenen Konzert nicht einsetzte, weil am Ende nun doch jeder für sich in seiner Blechbüchse saß, so lag zumindest für die Dauer des Konzerts das in Zeiten von sozialer Distanz wohltuende Gefühl der Verbundenheit in der Luft.