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JVA Remscheid: Aussage gegen Aussage im Prozess um Racheauftrag

Vorfall in JVA Remscheid : Aussage gegen Aussage im Prozess um Racheauftrag

Gab es nun einen Racheauftrag aus der JVA Remscheid oder nicht? Die Kammer war im Zweifel. Letztendlich stand Aussage gegen Aussage.

Nur einen Glückwunsch zum Geburtstag eines kleinen Jungen! Den sollten die Kumpels an einem lauen Abend im Juni 2019 über die Gegensprechanlage im Mehrfamilienhaus an der Lockfinker Straße überbringen, das behauptete jedenfalls ein 28-jähriger Remscheider. Wegen langjähriger Haft ginge das leider nicht persönlich, deshalb die lautstarke Aufforderung aus dem vierten Stock der JVA Remscheid in Richtung des Parkplatzes.

Mit der Mutter sowie dem kleinen Sohn habe er ein freundschaftliches Verhältnis gepflegt – im Gegensatz zu deren Bruder, der als Komplize bei Wohnungseinbrüchen in Remscheid im Prozess gegen ihn ausgesagt hatte. Dass man ihm diesen Glückwunsch nicht ernsthaft glauben wollte, lag nicht nur daran, dass es weder in den Jahren vorher noch aktuell diese Geburtstagsgrüße gab, sondern auch an bekannten Racheankündigungen gegen den Bruder.

Glaubhafter erschien ein 58-jähriger Zellennachbar, der etwas ganz anderes verstanden hatte: Die Parkplatz-Kumpel sollten die Wohnungen der beiden ausrauben und sich zudem die junge Mutter vornehmen. Auch wenn andere Zeugen das alles nicht verstanden haben sollten – der ältere galt bei den Aufsehern als ruhig und glaubwürdig. Dies im Gegensatz zum Angeklagten, der durch ständige Aufsässigkeit, Disziplinlosigkeit und gewalttätige Drohungen schon häufig nicht nur die Zellen, sondern sogar die Gefängnisse wechseln musste. „Regeln waren nicht sein Ding“, so ein Wachtmeister.

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Die Schläge und Drohungen, mit denen er nach der Anzeige den Älteren traktierte, wurden mehrfach bezeugt. Gab es nun einen Racheauftrag oder nicht? Die Kammer war im Zweifel. Letztendlich stand Aussage gegen Aussage, und da zum Glück nichts in die Tat umgesetzt wurde, reduzierte das Gericht das ursprüngliche Strafmaß, in dem noch andere Vorfälle abgeurteilt waren, auf zwei Jahre und drei Monate. Dies aber zusätzlich zur derzeitigen Haft bis 2025, so dass es noch einige Jahre mehr bis zur Entlassung werden.

Er sei ja noch jung, befand die Richterin: „Welche Perspektiven sehen Sie denn in Ihrer Zukunft?“ Knappe Antwort: „Ich habe keine.“