Jonas Dassler vergießt bei Verleihung Freudentränen

Filmpreis: Jonas Dassler vergießt bei Verleihung Freudentränen

Bei Fernsehpreisverleihungen reiht sich in der Regel eine Danksagung an die nächste. Für die Eltern, Agenten, Regisseure, Produzenten, Mitspieler, ohne die dieser spezielle Moment nicht möglich geworden wäre.

Auch aus Jonas Dassler sprudelten die Namen nur so heraus. Und doch war beim Bayerischen Filmpreis etwas anders. Denn zuvor war er auf dem völlig falschen Fuß erwischt worden.

Der 21-jährige Remscheider wurde im Münchener Prinzregenten-Theater als bester männlicher Nachwuchsdarsteller mit einem Preisgeld von 5000 Euro geehrt. Seine ehemalige Theaterlehrerin am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium (EMA) warf die geplanten Grußworte von Jonas völlig über den Haufen. Beate Rüter hatte ihn vor achteinhalb Jahren auf die Bühne geführt.

Als der Überraschungsgast vor die Kameras trat, flossen bei der herzlichen Umarmung Tränen der Rührung bei dem aufstrebenden Jung-Schauspieler. "Beate Rüter, das ist die Frau des Abends." Mehr brachte Jonas zunächst nicht raus und wischte sich mit einem Taschentuch das Wasser aus den Augen.

Auch Beate Rüter war bei dem Wiedersehen tief bewegt. "Vor dreieinhalb Jahren hat er am EMA sein Abi gemacht. Wenn ich mir vorstelle, wo er jetzt ist, ist das unglaublich." Es ist mit ihr Verdienst. "Diese Preisverleihung war sicherlich ein Höhepunkt in meinem Leben. Ich freue mich riesig für Jonas", sagte sie. Dassler wurde von der Jury für zwei Filmrollen ausgezeichnet: als Abiturient Karl in "Lomo - The language of many others" (Kinostart: 25. Juni 2017) und als Schüler Erik in dem Stasi-Drama "Das schweigende Klassenzimmer" (Kinostart: 1. März 2018).

Jonas Dassler, der gestern wegen eines Castings nicht zu erreichen war, offenbarte früh sein Ausnahmetalent. Im BR-Fernsehen erzählte er, dass ihn Beate Rüter vom Inlinehockey bei den Bravehearts weggelockt habe. Jonas besuchte damals die Stufe 8. "Eigentlich zu früh für die AG", meinte Rüter. Angefangen hatte ihr Schauspielzögling im Differenzierungskurs "Deutsch - szenisches Spiel". In seiner ersten Rolle am EMA spielte Jonas den Andri in "Andorra" von Max Frisch. Seine außergewöhnlichen Fähigkeiten fielen direkt auf: "Er hatte Ausstrahlung, Mut, Kreativität, Risikobereitschaft und diese Unbedingtheit in seinem Tun", charakterisiert Rüter den einstigen Musterschüler.

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Das sahen die Profis später ebenso: Nach dem Reifezeugnis am EMA bekam Jonas im ersten Anlauf einen Platz an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Dort ist er mittlerweile im vierten Jahr seiner Ausbildung, ist aber gleichzeitig auch schon festes Ensemblemitglied am Maxim-Gorki-Theater, dem kleinsten der Berliner Staatstheater.

In einem Gespräch mit dem Magazin "Interview" erinnerte sich Jonas Dassler an das Gefühl, das ihm zu Schulzeiten seinen weiteren Weg wies: "Als ich damals auf der Bühne stand, habe ich gemerkt, wie erhebend das ist, wenn man auf der Bühne steht." Wenn man nicht derjenige sei, der unten sitze und klatsche, sondern der, der oben angeschaut werde. Das sei total egozentrisch, aber ein schönes Gefühl.

Auch an seiner ehemaligen Schule sprach sich die Preisverleihung in München gestern Morgen ziemlich schnell rum. Sein ehemaliger Schulleiter Hans Heinz Schumacher staunte: "Wahnsinn, dass er so durchstartet." Überrascht hat es ihn nicht. "Jonas ging über die Grenzen hinweg, die andere nicht überschreiten", sagt Schumacher.

Schon in der fünften Klasse waren dem Leiter des Gymnasiums die Entertainer-Qualitäten von Jonas Dassler aufgefallen. "Ich glaube, es war das Sitzkissen-Spektakel in der Aula, wo Jonas allein mit seiner Gitarre gesungen hat. Schon damals sah man: Der kann andere in seinen Bann ziehen."

Jonas Dassler schlüpft nicht nur in andere Rollen, sondern geht auch in der Musik auf.

(RP)
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