Joey Kelly war in Remscheid-Lennep zu Gast.

Joey Kelly zu Gast in Lennep : Motivator für die Belegschaft

Von guten Vorsätzen nur zum Jahreswechsel hält Joey Kelly nicht viel. „Nicht auf den 1. Januar warten. Einfach starten, beginnen Sie direkt morgen“, spornte der prominente Extremsportler die über 300 Mitarbeiter der Firma Steinhaus gestern Mittag an.

Auf dem Betriebsgelände am Tenter Weg rückten Geschäftsführung, Betriebsrat und die IKK Classic das Thema Gesundheit in den Mittelpunkt. 2020 soll für die insgesamt 600 Steinhaus-Angestellten im Zeichen der Vorsorge und des Wohlbefindens stehen.

Wer könnte die motivierenden Worte dafür trefflender formulieren als Joey Kelly. Der Musiker, Unternehmer und Ausdauersportler kooperiert mit der größten deutschen Innungskrankenkasse, die den kurzweiligen, einstündigen Multimediavortrag des 47-jährigen Ultra-Athleten finanzierte. Ob „Race across America“, Wettrennen zum Südpol, Deutschlandlauf – am Ende wird keiner der Anwesenden die ultimativen Herausforderungen suchen, die den drahtigen Typen mit dem Pferdeschwanz aus dem Kreis der illustren Kelly-Family per pedes zu Torturen in aller Welt aufbrechen lassen.

„No limits“ ist sein Motto. Immer „Härte 10“ sei ein „touch too much“, räumt Joey Kelly ein, aber, und das war der Kern seiner Botschaft: „Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit geht nichts.“ Tut etwas für euren Körper. „Investiert zehn Wochen jeden zweiten Tag eine Stunde in eure Fitness. Dann wird es zur Gewohnheit.“ Aber auch Vorsorge sei wichtig. Er nannte als warnendes Beispiel einen Bekannten, Apotheker von Beruf, der jüngst kurz nach Erreichen der Rente mit 65 Jahren plötzlich über Bauchschmerzen klagte und kurz danach mit einer Darmblutung gestorben sei.

Nach der Veranstaltung lagen in der Konfektionierungs-Halle Listen für einen Check im Betrieb aus, bei dem sich Mitarbeiter an verschiedenen Stationen auf „Herz und Nieren“ prüfen lassen können. Im Laufe des Jahres, kündigten Betriebsratsvorsitzender Stefan Mallwitz und Firmenchef Götz Nafe an, werde es neben der Gesundheitswoche in 14 Tagen Vorträge geben, die sich zum Beispiel mit gesunder Ernährung oder Älterwerden im Betrieb beschäftigen. „Wenn alles super läuft, werden wir Ende 2020 Betriebssportgruppen haben.“ Mallwitz denkt dabei an Radfahren und Laufen.

Letzteres ist Joey Kellys Domäne. Bevor es zu seiner Leidenschaft wurde, verbrachte er 18 Jahre mit seinem bunten Clan auf Europas Straßen. „Ende der 70er-Jahre sind wir in Italien ausgeraubt worden“, erzählte der Redner. „Egal, sagte mein Vater damals: Wir haben doch unsere Instrumente.“ Also spielte und sang das gute Dutzend Vagabunden auf öffentlichen Plätzen. Manchmal nur vor einem Zuhörer. „Wir hatten schon damals brutal viel Ausdauer“, erinnert sich Joey Kelly.

Er war derjenige, der mit dem Korb nach den Konzerten rumlief. „Wir haben von Spenden gelebt, waren immer pleite, hatten nichts, nur den Doppeldecker-Bus.“ Aber, so fügte er hinzu: „Wir hatten alles, denn wir waren ein Team.“ Gib mehr, als du nimmst, hätte Patriarch Dan seinen zwölf Kindern eingetrichtert. Das blieb bis heute so.

In seiner Begrüßung nannte Götz Nafe drei Daten: 12. Oktober 1492 (Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus), 29. Mai 1953 (Erstbesteigung des Mount Everest durch Edmund Hillary und Tenzing Norgay) und 24. Juli 1969 (Neil Armstrong betritt als erster Mensch den Mond). Die Daten an sich seien nicht entscheidend, erklärte Nafe in der vollbesetzten Produktionsstätte. „Wichtig ist, dass Menschen Ziele für sich definieren.“

Joey Kelly tut dies auf seine Weise, verschiebt Grenzen, setzt sich unglaublichen Strapazen aus. Auch 2020 wird für ihn ein Jahr der Extreme. Am 11. April bricht er nach Spitzbergen zu einem Nordpol-Marathon auf. Und am 11. August steht ein Höllenmarsch zu Fuß an. Von München nach Venedig in acht bis zehn Tagen. Wie bei seinen beiden Deutschlandläufen ohne einen Cent in der Tasche, als Selbsternährer unterwegs und unter einer Plane nächtigend, will er die 480 Kilometer packen. „50 Kilometer pro Tag im Schnitt sind machbar“, meint Kelly – als wäre es ein Spaziergang.