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James Rogers stellt im Skulpturenpark aus.

Remscheid : Der Liebhaber der Punkte

Das Strahlen der Punkte-Geometrie in dem Werk von James Rogers hat beruhigende Wirkung auf den Betrachter. Rogers Arbeit ist im Skulpturenpark in Wuppertal zu sehen. Er war Lehrer von Tony Cragg.

Punkte haben keine Ecken und Kanten. Sie stehen für sich. Einzigartig. Sie bilden so etwas wie eine Urform. Sie lassen Assoziationen zu universalen Dimensionen zu. Die Punkte von James Rogers, ein in Wuppertal lebender Künstler, sind akkurat platziert auf der Leinwand in der unteren Halle des Skulpturenparks von Tony Cragg.

Die Maße beeindrucken: 15,75 Meter breit und 6,20 Meter hoch. 1015 farbige Punkte hat Rogers darauf verteilt. Nicht irgendwie, sondern in senkrechten Linien von oben nach unten, immer versetzt, im gleichen Abstand. „Sie sitzen alle an der richtigen Stelle“, sagt Rogers. An der richtigen Stelle? Gibt es auch falsche Stellen auf dieser Leinwand? Hinter James Rogers Malerei steht ein System. Es stammt aus den 60er Jahren, von ihm entwickelt, nach mathematischen Vorgaben. „Mein Spaß ist es, niemandem zu erklären, wie das System funktioniert“, sagt Rogers. Ihn interessiert auch nicht die Ästhetik eine kalten Arithmetik. Sein Bildsystem lebt von einem Geheimnis. Er nennt es die mythische Dimension.

Seit 20 Jahren lebt Rogers in Wuppertal. 1935 in London geboren, absolvierte er seine Ausbildung an der renommierten St. Martins’s School of Art an der Universität of Leicester. In den 50er Jahren arbeitete er für eine Londoner Werbeagentur, später unterrichtete er als Lehrer an der Wimbledon School of Art. Von 1984 bis 1988 leitete er als Direktor die international anerkannte Lisson Gallery. Einer seiner Schüler war Tony Cragg, in dessen Atelier er seit zwölf Jahren in Wuppertal arbeitet.

„Der Punkt hat eine minimalistische Dimension“, sagt Rogers. Der Minimal Art fühlt er sich verwandt. Diese Kunstrichtung, in den 60er Jahren von Künstlern in Amerika ausformuliert, strebt mit einfachen Mittel, nach Klarheit, Direktheit und Abstraktion. Daraus entsteht eine ästhetische Komplexität, mit lyrischen und poetischen Akzenten. Vielleicht passt der Sound der seriellen Musik von Philip Glass zu diesen Arbeiten. Die Reihung der Töne schwingt sich auf in die Unendlichkeit der Wiederholung. So wie die Punkte von Rogers.

Der Punkt hat nur eine Kante, sagt Rogers. Er wird einzig definiert durch seine Größe und seine Farbe. Hinzu kommt der Abstand zwischen den einzelnen Elementen. Die Architektur aus Punkten bildet ein abstraktes Netz aus Farbflächen. Wer ganz nah herangeht, erkennt aber noch rudimentäre Pinselstriche. Ganz lässt sich die Spur des Malers in diesen Rastern aus neun heiteren Grundfarben nicht verheimlichen. Sieben Tage malte Rogers an diesem Bild. Ein halbes Jahr hat er die Konzeption vorbereitet.

Das Strahlen der Punkte-Geometrien hat beruhigende Wirkung auf den Betrachter. Ob er nun ganz nahe steht oder ganz weit weg – die meditative Atmosphäre bleibt erhalten, als säße man in einem riesigen Luftballon mit Blick in Himmel und Wolken.

Seine Erfahrungen als Bergsteiger kommen dem Maler Rogers gelegen. In sechs Metern Höhe präzise zu arbeiten, verlangt Konzentration. So wie der Bergsteiger in der Wand keinen Fehler machen darf, so sicher muss der Maler die Punkte auf der Leiter setzen. Rogers ist ein erfahrener Bergsteiger und ein glänzender Vertreter der Minimal-Art, ein Punkte-Liebhaber.

Bis zum 7. Oktober ist sein Werk im Skulpturenpark Waldfrieden, Hischstraße 12, in Wuppertal zu sehen.Geöffnet Dienstag bis Sonntag, 10 bis 19 Uhr.