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In Remscheid-Kremenholl werden schottische Galloway-Rinder gehalten

Schottische Rinder in Remscheid-Kremenholl : Galloways, Gras und große Gelassenheit

Vier Galloway-Rinder von Daniel Paar beweiden eine kleine, städtische Grünfläche im Lohbachtal. Während die Tiere hier gutes Futter finden, spart die Stadt Remscheid die Mähkosten und betreibt Landschaftspflege.

Bea ist neugierig. Die rote Galloway-Kuh begrüßt Daniel Paar und seine Familie mit einem lauten „Muh“. „Die Rinder erkennen inzwischen das Geräusch unseres Autos, und wir hören sie schon, wenn wir um die Kurve fahren“, erzählt der Rinderzüchter und begrüßt die vier Tiere auf der Wiese im Lohbachtal. Während Bea bereits ihren Platz direkt am Zaun mit Blick auf die Straße gefunden hat, trotten langsam auch Wilma, Tochter Wendy und die blonde Kuh Mira zum Zaun. „Das sind ganz besondere Tiere“, sagt Daniel Paar mit Blick auf seine vier Galloway-Rinder.

Wendy ist Ostermontag auf der Wiese im Lohbachtal zur Welt gekommen und hat schon ihren festen Platz in der kleinen Herde. „Sie ist sehr süß“, erklärt der neunjährige Domi strahlend. Die Faszination, die vor mehr als zehn Jahren seinen Vater gepackt hat, kennt der Neunjährige gut. „Die Tiere strahlen so viel Gelassenheit und Ruhe aus“, sagt Daniel Paar. Deswegen habe er sich nach seiner Vogelzucht und deren Ende durch die Vogelgrippe für die schottischen Rinder entschieden. „Und sie sind sehr robust“, sagt er, „sie verbringen das ganze Jahr draußen und sind bei ihrem Futter nicht wählerisch.“

Galloway-Mutter Wilma mit ihrem Kalb „Wendy“, dahinter die blonde Mira. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Genau deswegen ist auch Ellen Neumann von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt auf Daniel Paar und die Galloways aufmerksam geworden. „Was andere Tiere stehen lassen, essen die Galloways mit Genuss“, sagt Ellen Neumann. Das gilt etwa für Knöterich, Springkraut und Adlerfarn.

Schon vor zehn Jahren suchte die Untere Naturschutzbehörde mithilfe der Wiesen- und Weidenbörse nach Tierhaltern, damit sie städtische und private Flächen natürlich und kontinuierlich bewirtschaften würden. Damals kamen Daniel Paar und Ellen Neumann ins Gespräch. „Mir gingen die Wiesen für meine Tiere aus“, erzählt Paar. Und die Stadt wollte nicht nur hohe Mähkosten sparen, sondern auch Bachtäler offenhalten, Lebensraum für unzählige Wiesenbewohner erhalten und der Bevölkerung einen Eindruck von ländlicher Idylle ermöglichen.

So sehen offenbar glückliche Rinder aus. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Seit dem schickt Daniel Paar seine acht Galloway-Rinder im Laufe des Jahres auf bsiher acht Wiesen, die die Untere Naturschutzbehörde vermittelt. „Eine Win-Win-Situation“, sagt Ellen Neumann. Denn wenn sie die Wiesen wie im Lohbachtal beobachtet, dann entdeckt sie, dass die naturfreundliche Beweidung vielen Insekten und Vögeln, aber auch Tieren wie dem Feuersalamander oder der Ringelnatter ein Zuhause ermöglicht. „Würden wir hier mit dem Mäher drüber gehen, würde sich die Fläche nicht so gut entwickeln“, sagt sie. Aber genau darum gehe es der Wiesen- und Weidenbörse. Im großen Mosaik der Flächen und Wiesen in Remscheid sei das kleine Fleckchen Weide zu einem wertvollen Ort geworden. „Für die Anwohner bedeutet das: Obwohl sie in einer großen Stadt leben, ist der Weg zur Natur nah“, sagt Ellen Neumann. Am Rande der Wiese und dem benachbarten Weg, der mit Obstbäumen gesäumt ist, seien Gelassenheit und Entspannung zu finden.

Daniel Paar warnt allerdings vor zu viel Tierliebe und Idylle: „Die Tiere dürfen nicht gefüttert und die Wiese natürlich nicht betreten werden“, betont er. Die Galloway-Rinder bringen rund 700 Kilogramm auf die Waage, sie seien nicht zahm, auch wenn sie gemütlich wirken würden. Und deswegen bittet er um den gebotenen Abstand und Respekt.

In den nächsten Wochen werden Wilma, Bea, Wendy und Mira die Wiese im Lohbachtal wieder verlassen – um an anderer Stelle Futter zu finden. „Wir haben natürlich immer die Grasnarbe im Blick“, sagt Paar, „und hier haben die Tiere seit März schon viel Futter gefunden.“ Auf der neuen Wiese werden die Kühe dann auch wieder auf den Bullen Pirat treffen. Acht Rinder gehören zur Galloway-Familie von Daniel Paar. „Und ich begleite sie von der Ohrmarke bis zum Bolzenschuss“, sagt der Hobby-Landwirt, der hautberuflich im Bildungsbereich beim TÜV arbeitet. Ihm sei Nachhaltigkeit wichtig. Und deswegen landen nach einer Schlachtung auf der Speisekarte der Familie Paar auch ungewöhnliche Gerichte. „Da bleibt nichts übrig, wir verschwenden nichts“, sagt Paar.

Dann macht er sich mit Sohn Domi und Ehefrau Agnes auf den Weg nach Hause. Sie winken ihren Galloways noch kurz zu, die bereits wieder in aller Ruhe grasen.