In Remscheid hält eine Stele Erinnerungen an Menschen wach

Günter Urspruch hatte die Idee nach einem Besuch in Stuttgart. : Stele hält Erinnerungen an Menschen wach

Evangelische Kirchengemeinde Lüttringhausen schafft neue Möglichkeit, um Angehörigen zu gedenken.

Das Nutzungsrecht für das Grab von Richard Gertenbach ließen seine im Ruhrgebiet lebenden Nachfahren vor einiger Zeit ablaufen. Das Grab wurde abgeräumt. Dass an gleicher Stelle seit gestern wieder an Lüttringhausens ersten Bürgermeister (von 1889 bis 1925 im Amt), erinnert wird, ist auch Günter Urspruch zu verdanken.

Im Urlaub las der Vorsitzende des Friedhofs-Ausschusses der evangelischen Kirchengemeinde Lüttringhausen vor einigen Jahren von einer Gemeinde bei Stuttgart, die einen Platz der Erinnerung geschaffen hat. Angehörige und Freunde sollen dort auch nach der Aufgabe eines Grabes noch die Möglichkeit haben, sich in würdiger Atmosphäre an einen Menschen zu erinnern.

Dass an zentraler Stelle des Friedhofes an der Schmittenbuscher Straße gelegene Grabfeld des berühmten Bürgers schien der Gemeinde der richtige Ort, um die Idee umzusetzen. Der Heimatbund Lüttringhausen war als erster Partner für die Idee schnell gewonnen.

Dessen Vorsitzende Christiane Karthaus enthüllte am Montag zusammen mit Edith Fischer-Dültgen die Stele der Erinnerung. Edith Fischer-Dültgen schuf mit der Inschrift auf der Stele eine Erinnerung sowohl an ihre Eltern, die 1943 bei einem Luftangriff auf Wuppertal im zweiten Weltkrieg starben, als auch an die Tante, bei der sie groß wurde und die für sie wie eine Mutter war und die sie auch so nannte. 50 Jahre hatte die Familie ein Grab auf dem Friedhof, bevor sie es aufgab. Nun sind die Namen hier wieder zu lesen.

Als Stele dient ein alter Grabstein, der abgeschliffen wurde. „Da ist noch viel Platz drauf“, sagte Günter Urspruch. 80 Euro koste es, ein kleines Metallschild mit Namen auf der Stele anbringen zu lassen. Ansprechpartner ist Friedhofsverwalter Ulrich Schmidt. Anders als bei den Wahl-Gräbern bleibt es für immer an diesem Platz. Jeder kann hier verewigt werden.

Mit den Namen eines Menschen sei dessen Charakter, seine Geschichte, sein Wesen, ein ganzes Leben verbunden, erklärte Pfarrerin Kristiane Voll die christliche Idee auch hinter der Stele der Erinnerung. „Diesen Namen zu nennen, zeigt: es verraucht nicht, es ist immer da.“ Aus diesem Grund gebe es auf den evangelischen Friedhöfen auch keine anonymen Bestattungen, erklärte Kristiane Voll. Der Name gehört dazu.