Improvisationstheater Springmaus in der Klosterkirche in Lennep

Improvisationstheater in der Klosterkirche : Merry Christmaus oder Happy Springmaus?

Kurz, knackig, komisch: Das rheinische Improvisationstheater spielte in der Lenneper Klosterkirche – und begeisterte einmal mehr das Publikum,

Was für Nikolaus, Christkind und auch „Kling-Glöckchen-Klingeling“ gilt, war auch für eine Handvoll bestens aufgelegter Weihnachts-Springmäuse das Motto der Adventszeit: Alle Jahre wieder. Und so konnte man sich am Mittwochabend in der praktisch ausverkauften Klosterkirche fragen – hieß es nun Merry Christmaus oder Happy Springmaus?

Letztlich funktionierte beides, was sowohl am bestens aufgelegten Ensemble – Norbert Frieling, Sandra Sprünken, Lisandra Bardél und Paul Hombach – lag, das den Weg aus Köln nach Lennep gefunden hatte. Aber natürlich auch am begeisterungsfähigen und bereitwilligen Publikum in der Klosterkirche. Bereitwillig? Ja, denn eine Springmaus-Show, ob nun vor Weihnachten, zu Karneval oder einfach so, lebte vom Mitmachwillen des Publikums. Seien es durch die Stichworte für absurde Improvisations-Sketche, die von den Zuschauern mal mehr, mal weniger euphorisch in Richtung der Bühne gerufen wurden. Oder auch durch den Körpereinsatz, im wahrsten Wortsinne. Denn manchmal wurden die Springmäuse, in diesem Falle Bardél und Hombach, zu mehr oder weniger willigen Puppen, die von zwei Zuschauern an Händen und Füßen bewegt wurden. Oder auch: „Überall da, wo auch ein Knochen drin ist“, wie Frieling bemerkte. Unter dem großen Gelächter des Publikums mühten sich die Puppenspieler damit ab, die teils durchaus etwas widerspenstigen Puppen, die auch noch permanent quasselten, zu bewegen.Allerdings konnte man sich als jene Zuschauer, die zum Mitmachen ausgewählt wurden, auch sicher sein, dass man nicht vorgeführt wurde. Diese Erfahrung machten auch Anke und Volker aus Solingen. Die erzählten auf der Bühne bereitwillig aus ihrer bislang bereits 37 Jahre andauernden Beziehung. „Was machen diese Bekloppten nun aus all den schönen Dingen, die ihr erzählt habt?“, fragte Hombach rhetorisch. Nur um direkt anzufügen: „Eure Geschichte ist bei uns in guten Händen...“ Das war sie aber auch fraglos. Denn zur Klavierbegleitung Hombachs, erzählten die übrigen drei Springmäuse eine ganz besondere Weihnachtsgeschichte rund um tanzende Hospitanten, nur schwer von Zuhause ausziehende 24-jährige Söhne und das Geheimnis einer langjährigen, glücklichen Ehe: „Leben lassen. Und Freiheit.“

Wie die vier Springmäuse aus den im kurzen und launigen Interview geschickt zusammengeklaubten Informationen über das Solinger Paar ein kleines Theaterstück in mehreren Akten mit Musikeinlagen entwickelten, war faszinierend mitanzusehen. Und herrlich komisch. Auch wenn man das Konzept natürlich als Springmaus-Wiederholungstäter schon kannte – wie die meisten Sketche des Abends war es doch jedes Mal anders, jedes Mal individuell und jedes Mal wieder neu. Denn das Ensemble schaffte es, auch in den wechselnden Besetzungen, mit denen sie regelmäßig nach Lennep kommen, so viel Leben in die kleinsten Informationsstückchen zu bekommen, dass man sich dem Charme dieser gar nicht mal so kleinen, aber doch wie selbstverständlich vorgebrachten Meisterleistungen der Improvisation praktisch nicht entziehen konnte.

Die knapp halbstündige Abschlussnummer, die zu Teilen als waschechtes Musical durchging, bekam daher völlig zurecht donnernden Applaus des Publikums, das sich am Ende zu „Feliz Navidad“ aus der Konserve zu stehenden Ovationen erhob und sich auf diese Weise natürlich eine Springmaus-Zugabe erklatschte. Klatschen passte zur Zugabe übrigens ganz hervorragend: Schließlich begaben sich jeweils zwei Springmäuse in eine ganz spontane Szene, und die anderen beiden konnten sich per Abklatschen in eben diese Szene einwählen. Und das war genau so, wie eine Springmaus-Zugabe sein sollte - kurz, knackig und komisch.