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Impfzentrum in Remscheid: Bittere Pille für den RTB

Impfzentrum in Remscheid : Bittere Pille für den RTB

Der Reinshagener Turnerbund verliert seine Sportstätte, weil die Halle West zum Impfzentrum wird. Alternativen müssen her. „Man fühlt sich von der Stadt vorgeführt“, sagt RTB-Beiratsmitglied Stephan Schürmann.

Es ist eine bittere Pille, die der Reinshagener Turnerbund (RTB) schlucken muss. In den kommenden Monaten wird der Sportverein auf seine Trainingsstätte verzichten. Das Corona-Impfzentrum wird nach langen Überlegungen in der Sporthalle West aufgebaut werden. Bis zum 15. Dezember muss es stehen. Der RTB benötigt Ausweichstätten. Stephan Schürmann ist darüber restlos enttäuscht. „Man fühlt sich von der Stadt vorgeführt“, ärgert sich das RTB-Beiratsmitglied.

Schürmann weiß, dass sich alle Diskussionen über einen geeigneten Ort für die Massenimpfungen auf dünnem Eis bewegen, weil es für jeden Vorschlag ein berechtigtes Für und Wider gibt. Seinen knapp 600 Mitglieder starken Verein sieht er aber doppelt gestraft. Denn die Reinshagener mussten die Halle bereits seit dem 13. August für Sitzungen der politischen Gremien abtreten. „Damals wurde uns klipp und klar erklärt, dass es für den Rat keinen anderen Standort gäbe als die Halle West. Jetzt, wo das Impfzentrum dort reinkommt, gibt es diese Alternative plötzlich.“

Die Ratssitzungen werden nun in der modernisierten Aula der Albert-Einstein-Schule abgehalten. Dort kann der Veranstaltungsbereich vom Rest der Schule abgetrennt werden, Barrierefreiheit ist gewährleistet. Für den Abteilungsleiter Behindertensport im RTB ist dieses Hin und Her ebenso schwer verdaulich wie nachvollziehbar. Für Stephan Schürmann gäbe es andere nicht oder kaum genutzte Hallen als Alternative.

Das ehemalige Mitglied im Vorstand des Sportbundes denkt an die Sporthallen Bökerhöhe oder Hölterfeld, aber auch an Industriebrachen. Der RTB-Vorsitzende Florian Zwanzig teilt diese Kritik. Zwar hat er Verständnis für die Entscheidung, nicht aber für die Begleitumstände. An der rechtzeitigen Kommunikation durch die Stadt habe es gemangelt.

Florian Zwanzig mahnt deshalb: „Die Aufgabe muss es jetzt sein, dass für unseren Verein mit so wenig Reibungsverlust wie möglich andere Trainingsstätten für die große Halle und den Spiegelsaal gesucht werden.“ Eine Forderung, die auch für RTV, RSV, HG-Handball und den Schulsport gilt, die Zeiten in der Halle West haben. Es sei absehbar, dass bei den Ersatzstandorten ein Mobilitätsproblem entstehe. „Denn zwei Drittel unserer Mitglieder sind Kinder und Jugendliche“, sagt Schürmann. Ein Teil des Trainingsbetriebs ist eh ausgelagert in die benachbarte Halle der Grundschule am Schimmelbuschweg. Dem RTB wurde auch ein Raum unter der Tribüne im Stadion Reinshagen angeboten, der aber nicht angenommen wurde, weil schlecht geheizt, nicht richtig sauber und abends beim Heimweg schlecht beleuchtet, meint Zwanzig.

Sowohl Nachwuchs wie ältere Herrschaften kommen oft zu Fuß zum Training. „Wenn wir wieder Sport treiben dürfen, muss sichergestellt sein, dass Kurse nicht daran scheitern“, betont Zwanzig. Dies ist ihnen versprochen worden. „Wir werden Anfang des nächsten Jahres mit dem Sportamt und dem RTB in die Alternativplanung gehen. Dazu zählt die Transportfrage“, betont Sportdezernent Thomas Neuhaus. Es wird allerdings schwierig mit freien Hallenkapazitäten, denn alle sind im Winter voll belegt, obendrein sind zurzeit zehn Hallen geschlossen.