IG Metall Remscheid-Solingen: Zukunft nicht verschlafen

Tag der Arbeit in Remscheid : IG Metall will Zukunft nicht verschlafen

Marko Röhrig, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Remscheid-Solingen, wünscht sich mehr Investitionen bei den Autozulieferern in die E-Mobilität. Die Gewerkschaft verzeichnet einen Zuwachs an Mitgliedern.

Im bergischen Städtedreieck befinden sich so viele Zulieferer für die Autoindustrie, dass es ohne weiteres möglich wäre, vor Ort ein Auto zusammenzubauen. Die große Nähe zur Automobilindustrie verlangt aber von den mittelständischen Unternehmern, ihre Produktion den Herausforderungen der Zukunft anzupassen. „Ich befürchte, dass in einigen Betrieben der Fortschritt verpennt wird, wenn nicht mehr in innovative Produkte investiert wird“, sagt Marko Röhrig, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Remscheid-Solingen.

Nach seiner Beobachtung der Automobile-Branche im Bergischen seien zu viele Unternehmer nicht auf der Höhe der Zeit. Für Röhrig heißt die Zukunft E-Mobilität. „Mit unseren Pressteilen werden wir nicht mehr weit kommen“, sagt Röhrig. Nach Ansicht des Gewerkschafters lasse sich die Umstellung auf die Industrie 4.0 nur erreichen, wenn auch die Belegschaft in den Betrieben mitgenommen werde. Die IG-Metall pflegt einen Transformationsatlas. Er zeigt auf, in welchen der 180 Betrieben, die die IG Metall betreut, die Veränderungen zunehmen und wie sie mitgestaltet werden können. „Das Know-how liegt bei der Belegschaft. Die Mitarbeiter könnten schon im Vorfeld auf Probleme aufmerksam machen, so dass sie gar nicht erst entstehen“, sagt Röhrig.

Die Digitalisierung verändere die Arbeitswelt in rasanten Schritten. Die Ansprüche werden höher. „Wir brauchen Leute, die diesen Wandel mitgehen können“, sagt Röhrig. Remscheid als Industriestandort sei in der vorteilhaften Lage, nicht von der Automobilbranche abhängig zu sein. Mit der Werkzeugindustrie und dem Maschinenbau gebe es zwei weitere starke Standbeine.

Laut Röhrig nehme die Zahl der Beschäftigten, die sich in Remscheid der IG Metall anschließen, zu. „Wir können von einem Zuwachs in den Bestandsbetrieben sprechen“, sagt Röhrig. Das Gebiet, das die IG Metall Remscheid-Solingen betreut, umfasst neben den beiden Großstädten auch die Städte Haan, Hilden, Erkrath sowie Radevormwald, Hückeswagen und Wermelskirchen. Insgesamt zählt die IG Metall Remscheid-Solingen 14.200 Mitglieder. Davon 7000 in Remscheid. „Wir sind stärker als jede Partei“, sagt Röhrig.

Von den 180 Betrieben seien Zweidrittel an den Flächentarif gebunden. Mit vielen Firmen gebe es einen Haustarifvertrag. Aber auch einige tarifvertragslose Unternehmen. „Bei manchen werden Gehälter bezahlt, die 30 Prozent unterhalb des Tariflohns liegen“, sagt Röhrig. Dort arbeiten in der Mehrheit Menschen, die über keine höheren Qualifikationen verfügen und nicht einfach mal eben die Arbeitsstelle wechseln können. Auch in solchen Betrieben habe sich das Motto der Gewerkschaft bewährt: Wer sich organisiert, steht immer besser da.

Die Bereitschaft der Mitarbeiter, für ihre Interessen auf die Straße zu gehen, sei hoch. „Wir haben noch nie eine so hohe Streikbereitschaft gehabt wie beim letzten Streik“, sagt Röhrig. Mit großem Erfolg: Ab April 2018 gab es 4,3 Prozent mehr Geld für die Arbeitnehmer, plus eine Einmalzahlung von 100 Euro für den Zeitraum von Januar bis März. In diesem Jahr wurde außerdem eine neue Lohnkomponente eingeführt: das sogenannte tarifliche Zusatzgeld, Abkürzung T-ZUG. Es entspricht 27,5 Prozent eines Monatslohns. „Über die eigene Zeit mehr verfügen zu können, ist für viele ein hohes Gut“, sagt Röhrig.

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