Huppert will mit Bergischen Symphonikern emotionale Momente schaffen

Bergische Symponiker : Huppert: Musik darf nicht beliebig sein

Der neue Generalmusikdirektor der Bergischen Symphoniker will mit einem vielfältigen Programm für eine Vielzahl an emotionalen Momenten sorgen.

Eine Sitzung an die andere reihte sich am Dienstag beim ersten Besuch von Daniel Huppert, dem neuen Generalmusikdirektor der Bergischen Symphoniker ab der kommenden Saison, in der Geschäftsstelle der Orchester GmbH in Solingen. Terminabsprachen, Dispositionsgespräche, Marketingstrategien: Für den Neuen gab es viel zu bereden. Wenn er im Sommer des nächsten Jahres ins Bergische umzieht, soll seine Handschrift deutlich zu erkennen sein. Dafür werden die Weichen heute schon gestellt.

Huppert ist ein vorsichtiger Mann, der nicht mit der Türe ins Haus fällt. „Ich brauche etwas Zeit, um zu spüren, was es hier bedarf“, sagt er. In jedem Fall will er ein vielfältiges Programm präsentieren, mit dem er die unterschiedlichen Bedürfnisse der unterschiedlichen Besuchergruppen erfüllen kann.

Das Orchester hat für den 37-jährigen Mann aus Baden einen klaren Bildungsauftrag. Und das bedeutet für ihn in erster Linie: Musik darf nicht beliebig sein. In keinem Konzert. Er will erreichen, dass zwischen den Besuchern, den alten wie den neuen, und den Musikern des Orchesters Vertrauen entsteht. Vertrauen in die Qualität des Klangkörpers, Vertrauen zum Außergewöhnlichen. „Der Besuch eines Konzertes ist etwas Besonders“, sagt Huppert. Er unterscheidet sich vom quirligen Modus des Alltags in einer Welt, die von Reizüberflutung geprägt ist. Musik kann heute jeder überall, zu jeder Zeit irgendwo hören. Von dieser Dauerberieselung möchte Huppert den Konzertbesuch abgrenzen, ihn zu einem außergewöhnlichen Ereignissen machen. „Ein Konzertabend ist etwas Einmaliges und nicht reproduzierbar“ sagt er. Es komme auf den Moment an.

Die Einmaligkeit will Huppert herausstellen, indem er auf das setzt, was Musik, was die Kunst am besten kann: zu einem emotionalen Erlebnis werden, unabhängig von Alter, Bildung und Herkunft.

Der 37-Jährige setzte sich vor ein paar Wochen mit seinem Probedirigat und seinen Vorstellungen gegenüber drei anderen Kandidaten durch, so dass das Auswahlgremium und der Aufsichtsrat den gebürtigen Badener einstimmig zum Nachfolger von Peter Kuhn als Generalmusikdirektor wählten. Ab der Spielzeit 2019/20 leitet er für fünf Jahre die Bergischen Symphoniker.

Auf die Frage, ob es eine Epoche gibt, die ihm besonders am Herzen liege, weicht er zunächst geschickt aus. „Ich liebe das am meisten, was ich gerade dirigiere“, sagt Huppert. Doch kurz darauf fallen die Namen großer Komponisten: Brahms, Bruckner, Wagner, Mahler. „Das sind die Komponisten, wegen denen ich Dirigent geworden bin und zu denen ich einen großen emotionalen Bezug habe.“ Zu erwarten ist, dass in seinem  Programm auch zeitgenössische Komponisten Platz bekommen. „Wir spielen meist Musik, die gut 200 Jahre alt ist. Die Zeitgenossen kommen etwas zu kurz“, kündigt Huppert an. Das soll aber niemanden abschrecken. Im Gegenteil:  Die Vorbehalte eines breiten Publikums gegenüber neuer Musik will er aufweichen, indem er seinen Maßstab für Qualität hochhält. Huppert versteht sich als ein Diener der Musik, der ganz im Geiste des Komponisten die Werke aufführen will.

Für die praktische Arbeit bedeutet dies, dass er von den Musikern eine große Flexibilität verlangt. Das Orchester dürfe nicht immer gleich klingen, sondern immer wieder einen neuen Klang entwickeln. Wenn Wagner auf dem Programmzettel steht, müsse es nach Wagner klingen. Und Mozart nach Mozart. „Mein Ego spielt dabei keine Rolle“, sagt Huppert.

Als Verfechter des klassischen Konzertbetriebes wehrt sich der neue GMD gegen falsche Scheu vor einem Besuch eines klassischen Konzerts. Niemand müsse etwas über die Musik vorher wissen. Vielmehr komme es darauf an, sich zu fragen, was die Musik in einem auslöse. „Man muss auch den Mut haben zu sagen: Damit kann ich nichts anfangen“, sagt Huppert. Das gehe ihm auch manchmal so. Und vielleicht ist in diesen Fällen eine Erklärung hilfreich, um ein tieferes Verständnis zu erreichen.

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